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Firma will in Holzkirchen nach Gas bohren: Drei Bohrplätze stehen zur Wahl

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Von: Andreas Höger

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Lukrative Energie in 4200 Metern Tiefe: Ein Investor plant, ein großes Gasvorkommen unter Holzkirchen zu erbohren. Ein Bohrplatz könnte unweit des Geothermie-Standorts liegen (rechter Bildrand) – eine Vorstellung, die dem Bürgermeister nicht behagt. Bürgermeister will Sicherheiten für Geothermie Investor bietet zehnprozentige Beteiligung an
Lukrative Energie in 4200 Metern Tiefe: Ein Investor plant, ein großes Gasvorkommen unter Holzkirchen zu erbohren. Ein Bohrplatz könnte unweit des Geothermie-Standorts liegen (rechter Bildrand) – eine Vorstellung, die dem Bürgermeister nicht behagt. Bürgermeister will Sicherheiten für Geothermie Investor bietet zehnprozentige Beteiligung an © Thomas Plettenberg

4200 Meter unter Holzkirchen schlummert Energie, die ein privater Investor gerne heben würde: Die Firma Terrain Energy will ein Gasfeld erbohren, das sich direkt unter dem Ort ausbreitet. Seit Jahren laufen Gespräche, jetzt angesichts der Gaskrise drückt die Firma aufs Tempo. Die Marktgemeinde soll mit ins Boot, doch der Bürgermeister zögert.

Holzkirchen – Marcus Endres bohrt seit Jahren. Der Geschäftsführer der Terrain Energy Germany GmbH mit Sitz in München warb für sein „Entwicklungsprojekt Holzkirchen“ schon zur Amtszeit von Bürgermeister Olaf von Löwis und wird nicht müde, auch dessen Nachfolger Christoph Schmid zu überzeugen. Das Projekt, es ist ein großes: Rund 650 Millionen Kubikmeter Gas werden 4200 Meter unter der Erdoberfläche vermutet.

Das Areal („Gasziel“) liegt direkt unter dem nördlichen Ortskern, das Areal umfasst die Quartiere nordöstlich der Gleise und reicht bis Föching und bis zur B 318. 1,5 Millionen Euro hat die Firma bereits investiert; die knapp zehn Millionen Euro für die Bohrung liegen bereit, sagt Endres: „Wir stehen in den Startlöchern.“ Im September wolle man die Bohrerlaubnis beantragen. „Im Idealfall fördern wir 18 Monate später Holzkirchner Gas.“

Doch von „Idealfall“ kann noch keine Rede sein. Denn der Wunschpartner des Investors, die Marktgemeinde, hält sich sehr bedeckt. „Ich springe da nicht freudestrahlend auf“, betont Bürgermeister Christoph Schmid (CSU). Vor allem sorgt er sich um das Geothermie-Projekt der Gemeinde, in dem 70 Millionen Euro stecken. „Wir brauchen Sicherheiten, dass eine Gasbohrung die Geothermie nicht beeinträchtigt.“ Notfalls müsse ausreichend Schadenersatz garantiert sein.

Unternehmen hofft auf Zusammenarbeit mit der Gemeinde

Endres legte dem Rathaus jüngst eine 26-seitige Expertise vor. „Aber die hat mir nicht alle meine Sorgen genommen“, sagt Schmid. Er will das Gutachten jetzt von Geologen der Firma Erdwerk checken lassen, die bereits das Geothermie-Projekt begleiteten. Deren Einschätzung soll vorliegen, wenn Endres sein Projekt im Herbst erstmals öffentlich im Gemeinderat vorstellt.

Theoretisch könnte Terrain Energy auf eigene Faust loslegen. Endres weiß jedoch, dass die Unterstützung der Gemeinde sehr hilfreich wäre –etwa bei der Akquise eines Bohrplatzes (50 mal 50 Meter). Drei mögliche Standorte sind angepeilt. Favorisiert vom Investor wird eine Fläche in der Alten Au nordwestlich der Geothermie. „Diese Nähe gefällt mir gar nicht“, sagt Schmid.

Ein zweiter möglicher Standort befindet sich bei Marschall auf dem künftigen Bauhof-Gelände; auch hier gehört der Grund der Gemeinde. In Privatbesitz wäre eine weitere Alternative unweit des Teufelsgrabens, am Waldrand südwestlich des neuen Radwegs. Bei der Bohrplatzsuche nutzte der Investor Daten der Geothermie-Bohrung, die bekanntlich eine Gasblase erwischte, was damals zu Verzögerungen und Verteuerungen geführt hatte. Der Gas-Investor indes bekam damit ein handfestes Indiz für Fündigkeit.

Gefördert werden soll zwölf bis 17 Jahre

Eine Beteiligung der Gemeinde, so hofft Endres, könnte dem Projekt vor allem helfen, öffentlichen Widerstand klein zu halten. „Wir brauchen Gas in Deutschland – und hier hätten wir es vor der Haustür.“ Lässt sich die Gemeinde auf ein Joint Venture ein und hilft bei Bohrplatzsuche und „Bürgerdialog“, sagt Terrain Energy eine zehnprozentige Nettogewinnbeteiligung zu.

Eingespeist werden könnte die Energie in eine Hochdruckleitung der Bayernets GmbH, die zwei Kilometer östlich des Holzkirchner Ortskerns vorbeiführt. Wie Endres betont, sei im Umfeld der Bohrung kaum mit Emissionen zu rechnen, abgesehen von einer etwa dreimonatigen Bohrphase. Es handle sich um eine konventionelle Bohrung. „Fracking-Technologie lehnen wir ab.“ Das Projekt Holzkirchen ist auf eine Gasförderung von zwölf bis 17 Jahren ausgelegt.

Endres ärgert sich, dass die Erschließung neuer Gasfelder von der Staatsregierung nicht stärker gefördert wird. Auch Schmid weist darauf hin, dass es aus dem Wirtschaftsministerium in Sachen Gasbohrungen keine klaren Aussagen oder Rückendeckung für die Gemeinde gibt. Rathaus und Ministerium würden wohl Proteste von Bürgerinitiativen und Klimaaktivisten fürchten, vermutet Endres. Er wundere sich, warum der Bürgermeister die Vorteile der Gasbohrung für Holzkirchen vom Tisch wische. Schmid ficht das nicht an: „Ich gehöre immer zum Team Vorsicht.“

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