1. Startseite
  2. Lokales
  3. Holzkirchen
  4. Holzkirchen

Frischer Fisch fürs Fest: Fernsehköche setzen den Trend

Erstellt:

Von: Andreas Höger

Kommentare

Bernhard Heindl, Vorsitzender des Fischereivereins Holzkirchen.
Bernhard Heindl, Vorsitzender des Fischereivereins Holzkirchen, erzählt im Interview über die langjährige Vereinstradition, an Heiligabend frischen Fisch zu verkaufen. © Thomas Plettenberg

Seit 35 Jahren oder mehr pflegt der Fischereiverein Holzkirchen eine Tradition: An Heiligabend wird am Waldweiher frischer Fisch verkauft. Im Gespräch verrät Vorsitzender Bernhard Heindl, wie TV-Köche die Vorlieben der Kundschaft an Heiligabend beeinflussen.

Holzkirchen – So unglaublich das klingt: Die Adventszeit galt in christlicher Tradition als Fastenzeit. Kurz bevor an den Weihnachtsfeiertagen opulente Fleischgerichte Christi Geburt würdigten, stand an Heiligabend, dem Kulminationspunkt der Vorweihnachtszeit, das nächstfeierliche Gericht auf dem Speiseplan: Fisch.

Eine Tradition, die der Fischereiverein Holzkirchen schon lange bedient. An Heiligabend in der Früh – und übrigens auch am Karfreitag – wird an den Vereinsweihern in Dietramszell Fisch verkauft. „35 Jahre machen wir das sicher schon“, sagt Vorsitzender Bernhard Heindl (57), der seit 16 Jahren den Verein mit 140 Mitgliedern führt. Für den Großkampftag an Heiligabend ist man gerüstet. Wie Heindl erzählt, gehört zur Vorbereitung nicht nur das Räuchern am Tag davor, sondern auch ein Blick darauf, was die Fernsehköche aktuell so zaubern.

Herr Heindl, von 8 bis 9.30 Uhr verkaufen Sie Fisch am Dietramszeller Waldweiher-Parkplatz. Haben Sie genug gefangen oder muss man sich sputen, wenn man sicher seinen Karpfen, Forelle oder Saibling haben will?

Wir angeln die Fische nicht tagelang aus dem Waldweiher. Wir verkaufen direkt aus unseren kleineren Aufzuchtweihern. Die werden bis auf eine Wassertiefe von 30 Zentimetern abgelassen. So können wir die Fische gezielt rauskeschern.

Sie holen sie erst raus, wenn jemand bestellt?

Fangfrisch, genau. Die Fische sind etwa zweieinhalb Jahre alt. Mit 400 Gramm sind sie schlachtreif.

Und wenn auch andere Fische im Kescher sind?

Dann geht’s zurück ins Wasser, bis er dran ist.

Woher kommen die geräucherten Forellen?

Die kaufen wir zu von einem Betrieb in Peißenberg. Sie kommen geschlachtet, das Räuchern übernehmen wir selbst. Wir haben da zwei, drei Spezialisten, die räuchern mit Hingabe. Das ist wirklich eine Kunst für sich. Zum Beispiel wird nur Buchenholz verwendet. Alles andere geht gar nicht.

Wie ist die Nachfrage?

Die 300 Räucherforellen sind meistens nach 30 Minuten weg, da sollte man vorbestellen. Ansonsten schlachten wir jedes Mal etwa 500 Fische.

Sind Sie abhängig von Laufkundschaft oder haben Sie Stammkunden?

Das meiste sind Stammkunden. Wie gut der Verkauf läuft, hängt vom Wetter ab. Je kälter es ist, desto besser läuft’s – keine Ahnung warum. Weihnachten 2020 haben wir auch Corona gespürt. Da gab es noch keinen Impfstoff, die Leute waren verunsichert. Ich hoffe, dass das heuer besser läuft.

Lohnt sich der Aufwand?

Schon, sonst würden wir es nicht machen. Der Fischverkauf an Heiligabend und am Karfreitag deckt etwa 30 Prozent unserer Kosten für Fischbesatz und Pacht.

Wie viele Mitglieder helfen mit beim Verkauf?

Um die 25 Männer brauchen wir schon. Die kommen aber alle gern.

Frauen machen nicht mit?

Wir haben tatsächlich nur drei Frauen im Verein. Fischen ist eine Männerdomäne. Mich wundert das. Wir würden uns über weibliche Verstärkung sehr freuen.

Welche Fische werden am stärksten nachgefragt?

Das ändert sich ständig. Ich bin ja selbst am Verkaufsstand und weiß von vielen Kunden, dass sie sich stark von den Auftritten der Fernsehköche inspirieren lassen. Und das stimmt: Vor ein paar Jahren wollten plötzlich alle Karpfen, dann auf einmal Saibling.

Karpfen, Saibling, Forelle: Warum nicht mal andere Arten?

Nein, das läuft nicht, Wir hatten es mal mit Hecht versucht. Auf dem sind wir sitzen geblieben.

Ihr Lieblingsrezept?

Gegrillte Forelle, mit Butterschmalz eingeschmiert, Salz, Pfeffer, Paprika, kein großes Tamtam. Dazu ein Kartoffel-Gurken-Salat.

Und welcher Fisch krönt heuer bei Ihnen das Heiligabend-Mahl?

Ich sag’s ehrlich: gar keiner. Vier Tage habe ich nur Fische, Fische, Fische gesehen. Davon habe ich erst mal die Nase voll. Was es heute gibt, überlasse ich meiner Frau. Mir ist alles recht – nur bitte keinen Fisch.

Auch interessant

Kommentare