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Eine schöne Geste: Die Holzkirchner Asylbewerber – hier Filmon und Dini mit der Integrationsbeauftragten Maria Korell – waren ebenso wie die Mitglieder des Asyl-Helferkreises zum Konzert von Adjiri Odametey eingeladen.

Nach Brand in Flüchtlings-Unterkunft

Die richtigen Lehren ziehen aus der Krise

Holzkirchen - Die Flüchtlings-Unterkunft in Holzkirchen hat ihre erste Krise hinter sich. „Wir müssen daraus unsere Lehren ziehen“, fordert der Bürgermeister. Auch unbequeme Themen müssten auf den Tisch.

Das Feuer am Donnerstag in der Früh im Wohncontainer an der Erich-Kästner-Straße richtete unmittelbar wenig Schaden an. Ein verschmorter Wäschekorb, viel mehr war nicht. Doch die Kripo ermittelt wegen fahrlässiger oder vorsätzlicher Brandstiftung – und für das Landratsamt war das offenbar der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Sechs Männer und zwei Frauen mussten die Einrichtung verlassen. Sie gelten als „Unruhestifter“.

Die Erkenntnis ist ernüchternd: Das sehr rührige Engagement vieler Holzkirchner im Asyl-Helferkreis, so wertvoll es ist, stößt an seine Grenzen, wenn es um psychologische und gruppendynamische Verwerfungen in einer zusammengewürftelten Flüchtlings-Gemeinschaft geht. Was kann die Gemeinde tun? Um gefährliche Stimmungen frühzeitig erkennen zu können, schlägt Bürgermeister Olaf von Löwis einen monatlichen Besprechungstermin vor, an dem alle Asylbewerber, Mitglieder des Helferkreises und auch der Bürgermeister teilnehmen könnten. Der größte Fehler sei, nach dem Vorfall den Stab über alle Flüchtlinge zu brechen. „Einige sind sehr engagiert und könnten die anderen sicher positiv beeinflussen“, sagt Löwis, „das müssen wir fördern.“ Andererseits dürften diese Asylbewerber in der Gruppe aber auch nicht als „eine Art Polizei oder gar als Denunzianten wahrgenommen werden“.

Heikel ist das Thema Alkohol. „Auch das muss aber auf den Tisch. Es wäre falsch, hier die Augen zu verschließen“, glaubt der Bürgermeister. Ob Alkohol auch eine Rolle bei dem Feuer am Donnerstag spielte, dazu wollte die Kripo unter Verweis auf laufende Ermittlungen noch nichts sagen. Löwis weiß jedoch, dass manche Flüchtlinge versuchen, ihre Schlaflosigkeit, nicht selten bedingt durch schwere Traumata, mit Alkohol zu bekämpfen. Auch über Brandschutz müsse man reden. „Wobei einige Flüchtlinge bei dem Brand den Feuerlöscher richtig bedienten – obwohl sie meines Wissens gar keine Einweisung dafür bekommen haben.“

Trotz aller Sorgen – das Leben mit dem Flüchtlingen birgt nach wie vor viele glückliche Momente. 30 Asylbewerber und 20 ehrenamtliche Helfer waren am Freitag vom Kultur im Oberbräu eingeladen, das Konzert von Adjiri Odametey im Oberbräu-Festsaal (siehe unten) zu besuchen. Dini (19) und Filmon (18) aus Eritrea freuten sich über die Abwechslung. Auch wenn die Musik in ihrer Heimat anders klinge, „wir haben diese friedliche Stimmung genossen, die tollen Instrumente und die vielen Menschen, die uns täglich helfen“. Nach den negativen Ereignissen sei diese Gemeinschaftsaktion eine großartige Sache, findet Löwis: „Die jungen Menschen müssen dringend raus und positive Stimmung tanken.“

Von Andreas Höger und Kathrin Suda

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