+
Standen dem Publikum Rede und Antwort: (v.r.) Drehbuchautor Christian Aichner und Filmemacher Friedrich Rackwitz diskutierten mit dem Publikum im Holzkirchner Fools-Theater über ihren Dokumentarstreifen „Grundrauschen“. Dazu eingeladen hatte der Verein Kulturwerks tatt Oberland, dessen Vorsitzender Rolf Brandthaus (3.v.r.) die Zuschauer begrüßte. 

Einblicke in den Journalismus 

„Es gibt keine dunkle Macht“

Wie werden Nachrichten gemacht? Diese Frage beantwortete Friedrich Rackwitz mit „Grundrauschen“. Jetzt präsentierte der Filmemacher in Holzkirchen den ersten Dokumentarfilm über die Arbeit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Holzkirchen – Auf Einladung der Kulturwerkstatt Oberland war Rackwitz in das Holzkirchner Fools-Theater gekommen. Er nahm das Publikum nicht nur mit in eine der größten Nachrichtenagenturen der Welt, sondern stand im Anschluss mit Drehbuchautor Christian Aichner Rede und Antwort.

Die beiden, die gemeinsam Philosophie studiert haben, ehe der eine an die Filmhochschule, der andere in den Journalismus ging, mussten nicht nur filmspezifische Fragen beantworten. Immer wieder wurden sie – die Betrachter – zur Rechenschaft gezogen, wie die Medien Wahrheit manipulierten. Gerade das Gegenteil hatte der Film vermittelt, der „in einem beobachtenden Dokumentarfilmstil wie vor etwa 50 Jahren“ (Rackwitz) unaufgeregt und dadurch besonders eindringlich den dpa-Alltag darstellt. „Ich hoffe, der Film hat gezeigt, dass hier durch viele Gespräche und doppelte Recherche sehr genau und verantwortungsvoll gearbeitet wird“, betonte Rackwitz wiederholt und wies auf routinemäßig praktizierte Verfahren hin, „damit Dinge wie Falschmeldungen nicht entstehen“.

Aus den Reihen sprang ihm Paul Winterer bei. „Ich oute mich jetzt mal“, sagte der Holzkirchner in Diensten des dpa-Landesdienstes Bayern und versicherte: „Es gibt keine dunkle Macht hinter der Agentur.“ Er bestätigte Rackwitz’ Eindruck, dass sorgfältig gearbeitet, viel diskutiert und um Formulierungen gerungen werde und appellierte an die Skeptiker, nicht so viel „hineinzugeheimnissen“. Journalismus sei ein Handwerk, das man erlerne und sein Leben lang ausübe: „Und das zum allergrößten Teil seriös.“

So waren es die Erfahrungen von dpa-Mann Winterer, die Dokumentation und Diskussion rund machten. Sein Insiderwissen ergänzte dort, wo die Fragen tiefer gingen. Nach dem Frauenanteil in der Führungsriege etwa oder wie die Nachrichten in die Agentur kommen. Rackwitz konzentrierte sich stattdessen auf die Arbeit im Haus, die mit den Erinnerungen eines scheidenden Mitarbeiters begann. Der sinnierte, wie sein erster Arbeitstag mit einem RAF-Anschlag zusammen fiel. Im einzigen öffentlichen Telefonhäuschen nahe des Tatortes habe er als Platzhalter ausharren müssen, damit die Kollegen in Zeiten ohne Mobiltelefon neue Erkenntnisse an die Redaktion liefern konnten.

Größer als die Diskrepanz zwischen dem Kopfkino mit einem jungen Mann in der Telefonzelle und der Nahaufnahme der aktuellen Arbeitsplätze hätte der Kontrast kaum sein können. So zieht der Film seine Betrachter direkt hinein in das Grundrauschen klappernder Tastaturen und leise geführter Gespräche. Er zeigt, wie der richtige Zeitpunkt für die richtige Geschichte gefunden wird und aus etwa 10 000 berichtenswerten Informationen täglich 1800 Meldungen entstehen. Immer auch mit dem Blick auf die geänderten Mediengewohnheiten der Menschen.

Auf die Frage nach weiteren Möglichkeiten, „Grundrauschen“ zu sehen, konnten Rackwitz und Aichner weder Orte noch Termine nennen. Nicht einmal ein Fernsehsender habe den Film gekauft. „Es gibt ihn nur, wenn es Leute gibt, die ihn sehen wollen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Vor Zapfsäulen: Auto geht in Flammen auf
Die Situation war brandgefährlich: An der Autobahn-Raststätte Holzkirchen-Süd an der A8 Richtung Salzburg ist am Freitag gegen 18 Uhr ein Auto in Flammen aufgegangen – …
Vor Zapfsäulen: Auto geht in Flammen auf
„Die Stimmung ist aggressiver geworden“
Wahlplakate werden abgerissen, beschmiert und besprüht: Auch in Holzkirchen hat eine Unsitte traurige Ausmaße angenommen.  
„Die Stimmung ist aggressiver geworden“
Endlich wieder freie Fahrt ins Gewerbegebiet
144 Tage war die Brücke am HEP-Kreisel wegen Bauarbeiten gesperrt. Zahlreiche Anwohner auf den Ausweichrouten litten. Am Freitag wurde sie wieder freigegeben.
Endlich wieder freie Fahrt ins Gewerbegebiet
Warum Valley heimliche Kulturmetropole ist
Die kleine Gemeinde Valley ist die heimliche Kulturmetropole im Landkreis: Hier leben, arbeiten und wirken viele Künstler. Jetzt zeigen sie ihre Werke - bei den …
Warum Valley heimliche Kulturmetropole ist

Kommentare