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Forschungsergebnisse zum Thema geruchsärmere Gülle stellte Annette Freibauer bei einem Vortrag im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen vor. 

„Jeder Mist ist anders“

Forschungsarbeit: Reduzierung des Gülle-Gestanks untersucht

Während sich die einen über den Kuhglocken-Lärm beschweren, stinkt es anderen gewaltig, wenn Landwirte Gülle ausbringen. Nun haben Forscher untersucht, wie dem Güllegestank beizukommen ist.

Landkreis Gülle ist bekanntermaßen ein hervorragender Dünger, den die Landwirte auf ihre Felder ausbringen. Doch Gülle stinkt auch, was immer wieder zu Problemen mit Anwohnern und Passanten führt. Gleichzeitig geht von der Gülle auch Ammoniak aus. Dieser Stoff reagiert in der Luft mit anderen Gasen und wird dabei zu Feinstaub. Dadurch kommt es zur Versauerung der Böden. Eine Option zur Minderung dieser Folgen besteht darin, der Gülle bestimmte Stoffe beizugeben. In einem aufwendigen Versuch haben Jessica Matern, Studentin an der Technischen Hochschule Bingen, und Annette Freibauer vom Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) verglichen, welche Stoffe am besten abschneiden.

„Wir wollten wissen, wie der Gestank reduziert werden kann, ohne zugleich den Ammoniakausstoß zu erhöhen“, so fasste Freibauer die Studie zusammen. Sie präsentierte die Ergebnisse bei einem Vortrag am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen, zu dem Behördenleiter Rolf Oehler eingeladen hatte.

Mit ihrem Versuch konnten die Forscher um Freibauer nun nachweisen, dass nur durch die Zugabe von Schwefelsäure der Ammoniakausstoß erheblich reduziert werden kann. In Bezug auf die Geruchsminderung empfahl Freibauer die Verwendung von Pflanzenkohle und Gesteinsmehlen. Allerdings seien die Ergebnisse hier nicht so eindeutig wie im Falle der Schwefelsäure bei der Ammoniakreduktion. Es gebe in naher Zukunft wohl keine richtige Alternative zur sogenannten bodennahen Ausbringung, so Freibauer. Damit sind Formen der Gülleausbringung gemeint, bei der diese direkt auf den Boden aufgetragen wird.

Dass der Güllegestank bekanntlich immer wieder zu Beschwerden führe, bestätigte auch Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis. Er nahm aber die Landwirte in Schutz und konstatierte, dass bei diesen ein großes Verantwortungsbewusstsein herrsche. Der Riederinger Landwirt Johann Kink sorgte sich indes um die Qualität der Böden, wenn, wie in Freibauers Studie gezeigt wurde, Schwefelsäure der beste Wirkstoff gegen Ammoniak sei. Er regte daher an, einen Runden Tisch zu gründen, an dem Vertreter aus Praxis, Wissenschaft und Industrie die besten Optionen diskutieren sollten.

Lesen Sie hier: Wegen Anwohner-Beschwerden: Projekt soll Gülle testen, die nicht mehr stinkt

Dem stimmte Johann Staltmayr (Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung) zu. Staltmayr berät Landwirte und kommt daher viel herum. „Jeder Mist ist anders, Patentlösungen gibt es nicht“, bilanzierte er. Sollte es Bedarf an weiteren Praxistests geben, hält die Marktgemeinde Holzkirchen laut Löwis Gelder in Reserve, um diese mitzufinanzieren.

Ursprünglich wollten einige Holzkirchner Landwirte an einem Versuch teilnehmen, für den es von der Gemeinde und der EU-Leader-Förderung Gelder gab. Da allerdings wissenschaftliche Studien zum Thema Geruchsminderung auch schon vor Freibauers Studie existiert hatten, entfiel diese Förderoption (wir berichteten). Dass es durchaus weiteren Forschungsbedarf gibt, zu dem auch die Praktiker etwas beitragen können, darin waren sich die rund 40 Zuhörer im Grünen Zentrum einig.

Lesen Sie auch: Anwohnerin sauer auf Bauer: Odel macht einen krank. Mit einem provokanten Parkmanöver in seinem Porsche Cayenne versperrt ein Rentner aus Inning bei Starnberg einem Landwirt den Weg durchs Dorf. Ein Gülle-Streit eskaliert.

Andreas Wolkenstein

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