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Abschied vom Marktplatz: Ein letztes Mal halten die Frauen in Schwarz am Samstag ihre Mahnwache vor dem Alten Rathaus in Holzkirchen. Der Gruppe fehlt der Nachwuchs.

Die letzte Wache

Frauen in Schwarz demonstrieren am Samstag zum letzten Mal

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Holzkirchen - Fast 14 Jahre lang hielten die Damen jeden Samstag Mahnwache vor dem Alten Rathaus in Holzkirchen. Unerschütterlich demonstrierten sie. Doch jetzt ist Schluss. Ein für allemal.

Es begann am 29. März 2003. Wenige Tage nach Ausbruch des ersten Irakkriegs standen die „Frauen in Schwarz“ zum ersten Mal vor dem Alten Rathaus in Holzkirchen, um ihrem Protest gegen den Krieg und gegen jede Art von Gewalt Ausdruck zu verleihen. „Der Irakkrieg war weniger der Grund als der Anlass für unsere Aktion“, erinnerte sich Christa Ortmann, als die Damen 2008 ihr „Fünfjähriges“ feierten.

Die Holzkirchner Initiative orientierte sich am Vorbild mutiger Frauen aus Israel und Palästina, die in schwarzen Kleidern gegen die ausufernde Gewalt in ihrer Heimat protestierten. In ganz Deutschland bildeten sich „Frauen-in-Schwarz“-Gruppen. „Wir verstehen uns als lockere Organisation ohne Vereinszwang“, sagt Eleonore Mittmann (64), die aktuell als Sprecherin fungiert.

Anfangs versammelte sich jeden Samstag ein gutes Dutzend Frauen am Marktplatz, in den letzten Jahren schrumpfte die Zahl aber merklich. Zuletzt wurde sogar der Mahnwache-Turnus auf zwei Wochen zurückgeschraubt. Im Sommer diesen Jahres verlor die Gruppe ihren stärksten Motor, als die Otterfingerin Christa Ortmann verstarb. „Ein schwerer Schlag für uns“, sagt Mittwann, die selbst in Hausham wohnt.

Es gelang der Gruppe nicht, junge Damen zu rekrutieren. „Zur letzten Mahnwache am kommenden Samstag werden wir vielleicht vier oder fünf Frauen sein“, sagt Mittmann. Es sei schwierig gewesen, im ländlichen Umfeld „Frauen für unsere Sache zu begeistern“. Der feste Stamm der ersten Jahre habe sich zwar in etwa gehalten, sei aber natürlich nicht jünger geworden. „Mittlerweile bin ich die jüngste“, sagt die 64-Jährige. Die Zeit sei gekommen, jetzt auch offiziell den Posten zu räumen und einen vorläufigen Schlussstrich zu ziehen. Geplant ist, wenigstens die Film-Matineen im Holzkirchner Fools-Kino unregelmäßig weiter laufen zu lassen. Drei bis viermal im Jahr vielleicht.

Neben den regelmäßigen Mahnwachen traten die Frauen in Schwarz seit 2008 auch verstärkt als Veranstalter auf und regten mutig politische Diskussionen an. „Wir haben über 80 Veranstaltungen in Holzkirchen auf die Beine gestellt“, sagt Mittmann. Die guten Kontakte und Netzwerke von Christa Ortmann zahlten sich dabei aus. Lange bevor die Flüchtlings-Diskussion 2015 heiß lief, hatten die Frauen in Schwarz dem Thema ein Podium gegeben.

„Die Zusammenarbeit mit dem Kultur im Oberbräu hat uns geholfen, unsere Anliegen in die Bevölkerung zu tragen“, sagt Mittmann. Viele Veranstaltungen waren gut besucht. „Die meisten Leute haben uns Mut zugesprochen“, erinnert sich die Sprecherin, „blöde Kommentare vor unseren Mahnwachen waren gottlob die Ausnahme.“

Ein letztes Mal werden sich die verbliebenen Damen am Samstag, 17. Dezember, zwischen 11 und 12 Uhr ihre Handschilder und Banner greifen und vor dem Alten Rathaus in Holzkirchen Flagge zeigen. Nach 13 Jahren verschwinden die Frauen un Schwarz aus dem Holzkirchner Ortsbild. „Es ist jammerschade“, seufzt Mittmann, „aber wir schaffen es einfach nicht mehr.“

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