Abschied von zwei Seelsorgern, die lange in Holzkirchen wirkten: Wolfgang Dörrich und Doris Wild (mitte) werden zu Beginn des Gottesdienstes in der Segenskirche flankiert von (v. l.) Dekan Martin Steinbach und Anika Sergel sowie von (v.r.) Peer Mickeluhn und Gottfried Doll.
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Abschied von zwei Seelsorgern, die lange in Holzkirchen wirkten: Wolfgang Dörrich und Doris Wild (mitte) werden zu Beginn des Gottesdienstes in der Segenskirche flankiert von (v. l.) Dekan Martin Steinbach und Anika Sergel sowie von (v.r.) Peer Mickeluhn und dem katholischen Pfarrer Gottfried Doll.

Gottesdienst in der evangelischen Segenskirche

Emotionaler Abschied von zwei langjährigen Seelsorgern

Doris Wild kämpfte mit den Tränen. „Ich hoffe, auch ich habe euch Kraft geben können“, sagte die Pfarrerin voller Dankbarkeit vor den Gläubigen, die am Sonntag zu einem Doppelabschied in die Segenskirche gekommen waren. Wegbegleiter und Kollegen verabschiedeten auch Wolfgang Dörrich, den geschäftsführenden Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Holzkirchen, in den Ruhestand.

Holzkirchen – Rückblickend auf seine Arbeit in Holzkirchen machte Pfarrer Dörrich zwei Faktoren aus, die für gute Gemeindearbeit wichtig sind: „Mit Power arbeiten und auf Gott vertrauen“. So sei es ihm etwa gelungen, die finanziell schwierige Situation zu überwinden, die er bei seiner Ankunft vor elf Jahren angetroffen habe.

Konkret habe ihm der Rat geholfen, alles, was man tut, klug zu tun und das Ende zu bedenken, sagte Dörrich. Mit Power zu arbeiten, das verlange eine vernünftige Steuerung; man dürfte sich nicht von Zorn oder Egoismus leiten lassen. „Und Kraft und Besonnenheit in Ausgleich zu bringen schafft man durch den Geist der Liebe“, sagte Dörrich den rund 50 Gläubigen. Manchmal gerate dies zu auch zu einem Balanceakt, gab der Geistliche zu.

Auch Pfarrerin Wild, die eine neue Stelle bei der Servicestelle Segen Südbayern in München antritt, machte deutlich, dass Gemeindearbeit mitunter schwierig sei. „Gott schaut gnädig auf uns, aber das vergessen wir manchmal.“ In einer emotionalen Rede ging sie auch auf krisenhafte Momente in Holzkirchen.

Manchmal geht es darum, nicht noch mehr zu machen, sondern Freiraum zu schaffen.

Pfarrerin Doris Wild bei ihrem Abschied

Als Wild über die Kraft sprach, die sie aus ihrer Gemeinde erfuhr, wurde ihre Stimme brüchig. Aus der Jugendarbeit, der Begegnung mit Menschen, der Ökumene und aus ihrem Team habe sie viel Energie geschöpft. „Das waren alles kraftvolle Momente“. Mit Blick auf die Zukunft der Holzkirchner Gemeinde riet sie, weniger zu powern und mehr den „Geist der Liebe“ walten zu lassen. „Manchmal geht es darum, nicht noch mehr zu machen, sondern Freiraum zu schaffen.“

Landrat Olaf von Löwis (CSU) betonte, wie eng Kirche und Politik zusammenarbeiten. „Ich habe euch als mit Herzblut ausgestattete Menschen kennengelernt“, sprach Löwis die beiden Pfarrer direkt an. Auf das gute Verhältnis der beiden Konfessionen in Holzkirchen verweis der katholische Pfarrer Gottfried Doll. Man habe durch das wohltuende Miteinander auch eine Basis gehabt, streiten zu können, so Doll. „Ich schätze an euch das Ringen um eine gute Seelsorge.“ Peer Mickeluhn, verbleibender Pfarrer in Holzkirchen, hob die gute Zusammenarbeit hervor und betonte: „Es ist schon eine gute Gemeinschaft.“

Wann beginnt wirklich der letzte Lebensabschnitt?

Worte des Dankes kamen zudem von Ursula Stacheter und Anette Husung, die die evangelische Kindertagesstätte „Hollerbusch“ leiten. Liv Mengel, Emilie Gayde, Yara Hein und Helene Müller verabschiedeten die Geistlichen als Vertreterinnen der Konfirmandenkurses. Anika Sergel-Kohls sprach Abschiedsgrüße für das Dekanat Bad Tölz, dem die Kirchengemeinde Holzkirchen angehört. Und Peter Schumann sowie Birgit Kastenmüller überbrachten Abschiedsgeschenke vom Kirchenvorstand.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehe er seinen Abschied, verriet Pfarrer Dörrich. Er habe festgestellt, dass mit dem Ruhestand der letzte Lebensabschnitt anfängt. „Doch dann hat mir jemand gesagt, der wirklich letzte Abschnitt beginnt erst mit dem Altenheim“, so Dörrich schmunzelnd.

ANDREAS WOLKENSTEIN

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