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Erweiterung geplant: Der Friedhof an der Thanner Straße in Holzkirchen wächst Richtung Südosten zur Steindlallee (hinten) hin.

2,2 Millionen Euro Gesamtkosten

Friedhofserweiterung: Würdiger Abschied mit Bergblick

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Aussegnungshalle samt Sakristei, Vordach für Trauergemeinden, Urnenwand: Der neue Friedhof an der Thanner Straße wird wachsen. Der Holzkirchner Bauausschuss gab nun grünes Licht. 

Holzkirchen – SPD-Gemeinderäte Irmi Ammer hatte mal von der „letzten Wohnung mit Bergblick“ gesprochen. Und tatsächlich punktet der neue Friedhof an der Thanner Straße in Holzkirchen mit seiner traumhaften Aussicht. Er ist beliebt, beliebter als der alte Friedhof am Oscar-von-Miller-Platz, der zentral liegt.

Der Bedarf steigt, und nun soll der neue Friedhof erweitert werden. In seiner jetzigen Sitzung lag dem Bauausschuss ein Bauantrag von der Marktgemeinde vor. Christoph Schmid (CSU) fand es etwas befremdlich, dass die Gemeinde den Bauantrag stellt und quasi selbst grünes Licht gibt. „Es ist kein anderer da“, meinte ein Mitarbeiter aus dem Bauamt. Das letzte Wort hat das Landratsamt. Die Gesamtkosten betragen rund 2,2 Millionen Euro.

„Die Gemeinde plant den Neubau einer Aussegnungshalle“, erklärte der Mitarbeiter. An die Halle sollen eine gut 18 Quadratmeter große Sakristei sowie ein Vordach andocken, das Trauergäste auf dem Feierplatz schützt. Des Weiteren sind eine neue Toranlage auf Höhe des bestehenden Nebengebäudes sowie eine weitere Urnenwand geplant. Außerdem sollen am Parkplatz zusätzlich 20 Stellplätze entstehen sowie 16 Radlabstellplätze. Die ovale Aussegnungshalle selbst wird 149 Quadramteter umfassen, die Wandhöhe beträgt im Norden 6,30 Meter und im Süden neun Meter.

Auch die Freiflächengestaltung ist laut Bauamt Teil des Bauantrags. Dazu gehört ein muslimisches Bestattungsfeld Richtung Mekka mit einem Becken für rituelle Waschungen. Ein weiteres Feld für Erdbestattungen sowie für Baum- und Wiesenbestattungen ist ebenfalls vorgesehen. Für totgeborene Kinder gibt es einen Gedenkort mit einer Stele, eine solche soll auch die Fläche für anonyme Bestattungen markieren. „Das wird Step by Step gemacht“, heißt es aus dem Bauamt. Die Planungsschritte werden also nach und nach realisiert. „Aus unserer Sicht gibt es keine Bedenken“, schickte der Bauamtsmitarbeiter in der Sitzung voraus. Und auch von Seiten der Ausschussmitglieder gab es offenbar keinen Diskussionsbedarf mehr.

Umso zäher gestaltete sich die Vorgeschichte: 1994 gab es einen Ideen- und Realisierungswettbewerb für den Friedhof samt Aussegnungshalle. Architekt Professor Michael Gaenssler bekam den Auftrag. Die Gemeinde ließ den ersten Teil des Friedhofs anlegen, samt Nebengebäude. Aus Kostengründen verzichtete man vorerst auf die Aussegnungshalle. Weil Trauergemeinden auf dem Parkplatz Abschied nehmen müssen – eine unwürdige Situation –, überlegte der Gemeinderat, den Vorplatz zu überdachen. Doch die Pläne scheiterten.

In der Zwischenzeit hatten Gaenssler und Landschaftsarchitekt Wolfgang Ritz aktuelle Entwürfe vorgestellt, die im Gemeinderat auf Wohlwollen stießen. Lediglich die Parkplätze sorgten für Zoff. „Tote brauchen keine Stellplätze“, formulierte es Ammer knackig. Doch die Mehrheit war der Meinung, dass diese gerade bei großen Beerdigungen unverzichtbar sind.

Jetzt blieben alle stumm, der Ausschuss erteilte das gemeindliche Einvernehmen. „Der Zeitplan hängt nun von den Haushaltsdebatten ab“, erklärt Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) auf Anfrage. Die Beschlussfassung ist für Mitte Mai angesetzt. Dabei stehe der Friedhof auf der Liste der großen Projekte. Dann müsse eine Entscheidung fallen, Löwis möchte da nichts vorwegnehmen. Priorität genieße wohl die schon lange in der Warteschleife ausharrende Bauhofaussiedlung, die auf der Liste „von unten nach oben geschossen“ sei. Wie berichtet, hatte SPD-Gemeinderat Hans Putzer kritisiert, dass die Rathauserweiterung Vorrang vor dem Bauhof habe. Vielleicht, so Löwis, könne man die Aussiedlung in zwei Schritten vollziehen. Heuer sollte die Planung beginnen. Aber auch andere Projekte drängen: Die Sanierung der Mittelschule, die Umsetzung der Sofortmaßnahmen des Mobilitätskonzepts. Wenn mit der Geothermie noch was sei, könne das nicht warten. Dennoch: Der Friedhof hänge „schon lange in der Pipeline“.

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