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Ausgebootet: Dem Team von Kiosk-Betreiber Andreas Weber – hier Tochter Sabrina (l.) und Bärbel Schliersmair – wurde vom Landratsamt gekündigt. Den Pausenverkauf in FOS und Gymnasium übernimmt die Frischeküche

Frischeküche übernimmt Pausenverkauf

Kiosk-Betreiber fühlen sich abserviert

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Holzkirchen - Die Frischeküche erweitert ihr Geschäftsfeld: Ab Herbst betreibt das Kommunalunternehmen die zwei Kioske in der Holzkirchner Realschule sowie im Neubau Fachoberschule (FOS)/Gymnasium. Die Kündigung kam für die beiden bisherigen Betreiber völlig überraschend, sie fühlen sich kalt abserviert.

Es ist kein Geheimnis: Die Frischeküche, ein Unternehmen der Marktgemeinde Holzkirchen und des Landkreises Miesbach, schreibt rote Zahlen. Das jährliche Defizit der Großküche, die derzeit täglich 850 Essen an Kitas und Schulen liefert, beläuft sich auf knapp 400 000 Euro. Das lukrative Kioskgeschäft könnte helfen, die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen – dafür bohrte der Verwaltungsrat unter Vorsitz von Bürgermeister Olaf von Löwis die ursprünglich zu eng gefasste Satzung auf. 

Mitte März fiel die Entscheidung, ab dem nächsten Schuljahr aktiv in den Pausenverkauf einzusteigen. „Es wäre viel zu kurz gesprungen, die Kiosk-Entscheidung nur am Geld aufzuhängen“, betont Löwis auf Anfrage. Ziel sei vor allem, die an hohe Ansprüche geknüpfte Versorgung der Schüler ganzheitlich und aus einem Guss anbieten zu können – in der Mensa wie bisher schon und jetzt eben auch bei der „kalten Verpflegung“ im Pausenverkauf. „Es geht um die Glaubwürdigkeit der Frischeküche.“ Ihre Mitarbeiter seien mit viel Herzblut bei der Sache, ergänzt Eva-Maria Schmitz, als Vorstand zuständig für das operative Geschäft des Kommunalunternehmens, „sie haben sich ein zusätzliches Standbein verdient.“ 

Landrat Wolfgang Rzehak betont laut einer Pressemitteilung, dass „die Entscheidung explizit kein negatives Urteil über die Leistung der beiden bisherigen Kioskbetreiber ist“.

Das tröstet die beiden Betroffenen aber wenig. „Wir werden nackert vor die Tür geknallt“, schimpft Andreas Weber, dessen Unternehmen seit zwei Jahren den Kiosk für FOS und Gymnasium betreibt. Ohne Vorwarnung, ohne ein Gespräch sei am Osterdienstag die Kündigung ins Haus geflattert. Er habe den Pausenverkauf mühevoll aufgebaut; das Angebot komme nicht nur bei den Schülern gut an, sondern werde auch von Experten als ausgewogen und gesund gelobt. „Und jetzt kommt die Frischeküche und setzt sich ins gemachte Nest“, grollt der 43-jährige Unternehmer, der die Kantine von CCL Label im Holzkirchner Gewerbegebiet-Ost betreibt und mit seinen „Brotzeit-Mobilen“ 120 Firmen beliefert. 

In der Realschule – und in kleinerer Form auch in der benachbarten Quirin-Regler-Grundschule – haben zu Beginn des Schuljahres Simone Häßler und Manuela Thoma den Kiosk übernommen. „Die Kündigung zieht mir den Boden unter den Füßen weg“, sagt Häßler. Sie sei extra für den Job in die Region gezogen, sagt die 52-Jährige, habe einen Kredit aufgenommen. „Wir stehen vor dem Nichts, das grenzt an Existenz-Vernichtung.“ Dabei habe man bewusst auf gesunde Ernährung gesetzt: Es gibt Sandwiches und Schnitzelsemmeln, aber auch Smoothies und Obstbecher. „Der Pausenverkauf läuft vorbildlich“, bestätigt Realschulleiter Joachim Fischer. Einige der 800 Schüler helfen sogar mit. Die Kündigung habe ihn überrascht, sagt Fischer, „aber wir müssen das akzeptieren.“

Webers Catering nutzen insbesondere Fachoberschüler, der Kiosk ist auch auf der FOS-Seite des Neubaus platziert. „Wir waren immer zufrieden“, sagt Schulleiter Josef Schlemmer, „unsere Schüler hoffen, dass das sehr gute Angebot in der Qualität bestehen bleibt.“ Wie Gymnasiums-Direktor Axel Kisters wünscht er sich, dass die Frischeküche einen zweiten Kiosk auf der Gymnasiums-Seite aufmacht. „Geplant waren auch immer zwei.“ Sonst müssten sich ab Herbst 1300 Schüler einen Kiosk teilen.

Das Landratsamt als Sachaufwandsträger und Hausherr schloss die Kiosk-Verträge jeweils nur auf ein Jahr. „Es gab aber die mündliche Zusicherung, dass wir das einige Jahre machen können, wenn es keine Beschwerden gibt“, sagt Häßler; darauf habe sie gebaut.

Juristisch sei da wohl wenig zu machen, glaubt Kollege Weber, der aber trotzdem einen Anwalt eingeschaltet hat. Pacht zahlten die beiden Kioskbetreiber nicht. „Darüber könnte man aber reden“, sagt der 43-Jährige. Beide überlegen, durch Unterschriften-Aktionen die Verantwortlichen noch umstimmen zu können. Der Bürgermeister macht hier allerdings wenig Hoffnung: „Die Entscheidung ist endgültig.“ (avh)

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