Anwalt zieht Trumpf aus Ärmel

Frühlingsfest: Aiblinger verwechselt Tegernseer mit Freund - der soll brutal reagiert haben

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Eine Verwechslung nach dem Frühlingsfest soll einen Tegernseer (21) derart in Rage gebracht haben, dass er zugeschlagen und einen Aiblinger gegen den Kopf getreten haben soll. Doch bei der Verhandlung kam alles anders.

Holzkirchen – Sechs Zeugen wurden zur Gerichtsverhandlung geladen, um den Tathergang zu schildern. Der Angeklagte verlor während der gesamten Verhandlung kein Wort. Doch am Ende hatte sein Verteidiger noch einen Trumpf im Ärmel.

Es geschah im Mai des vergangenen Jahres. Auf dem Heimweg vom Holzkirchner Frühlingsfest traf eine Gruppe aus fünf Heranwachsenden auf den Angeklagten. „Hey, Konsti“, hatte einer aus der Gruppe gerufen, im Glauben, gerade einem alten Bekannten über den Weg zu laufen. Erst bei näherer Betrachtung stellte er fest, dass es nicht sein Freund war, sondern ein ihm unbekannter junger Mann – der Tegernseer. Davon geht die Anklage aus. „Danach kam er her und hat gefragt, ob ich auf Stress aus bin“, erzählte der 21-Jährige aus Bad Aibling im Zeugenstand. Nach einer kurzen Rangelei habe ihn der Tegernseer mit der Faust zuerst auf die Nase, dann auf das Ohr geschlagen.

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Im Anschluss daran soll der Angeklagte dann auf einen weiteren jungen Mann aus der Gruppe losgegangen sein. „Er hat mich mit dem Hals an einen Gartenzaun mit Spitzen gedrückt“, sagte ein 19-Jähriger, ebenfalls aus Bad Aibling, vor Gericht. Anschließend seien die beiden zu Boden gegangen. Eine weitere unbekannte Person sei nun dazu gekommen. Von wem allerdings die Tritte kamen, die der 19-Jährige sodann gegen seinen Kopf bekommen hat, hatte keiner der Zeugen genau gesehen. „Ich habe meine Hände vors Gesicht gehalten, um mich zu schützen“, sagte der betroffene Aiblinger. Sicher war sich der Zeuge aber, dass ein weiterer Schlag in seine linke Gesichtshälfte vom Angeklagten gekommen war.

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Erst als eine 21-Jährige, die ebenfalls zu der Aiblinger Gruppe gehörte, laut ausgerufen hatte, dass sie nun die Polizei verständigen werde, löste sich die Schlägerei im Nu auf. Im Krankenhaus wurde bei dem 21-Jährigen eine gebrochene Nase diagnostiziert, die operativ behandelt werden musste. Der 19-Jährige erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und musste die Nacht im Krankenhaus verbringen.

Die Beweislast durch die Zeugenaussagen gegen den Angeklagten schien erdrückend. Doch dann zog Verteidiger Nikolaus Zornek den Trumpf aus dem Ärmel: Der Rechtsanwalt legte Richter Klaus-Jürgen Schmid ein Attest vor, wonach sein Mandant zu besagter Tatzeit an einer Handoperation laboriert und deshalb eine Schiene getragen habe. Daraufhin holte Richter Schmid die 21-Jährige noch einmal in den Zeugenstand. Von der Schiene haben allerdings weder sie noch die anderen Zeugen etwas gesehen.

Sichtlich verärgert war Richter Schmid darüber, dass der Verteidiger erst zu einem so späten Zeitpunkt so wichtiges Beweismaterial vorlegte. Nach einer Unterbrechung der Verhandlung sollen nun sowohl der operierende Arzt als auch der nachbehandelnde Arzt in einer baldigen Fortsetzung als Zeugen geladen werden. Der Prozess dauert an.

Rubriklistenbild: © dpa / Karl-Josef Hildenbrand

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