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Das Leergut am Wegesrand zeugt vom Trend zum Vorglühen vor dem Frühlingsfest – hier sind es immerhin noch ganze Flaschen und keine Scherben. 

Wegen Vorglühen

Frühlingsfest: Müllentwicklung befeuert Tendenz zur Auslagerung

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Die Veranstalter sind mit dem 43. Frühlingsfest zufrieden. Sorge bereitet neben der gestiegenen Zahl der Körperverletzungen indes ein inzwischen etabliertes Phänomen: das Vorglühen.

Holzkirchen – Wer zur Zeit des Holzkirchner Frühlingfests die Fußwege zwischen Herdergarten und Bahnhof nutzt, der muss jeden Schritt mit Bedacht setzen. Denn: Den Weg säumen leere Bier- und Schnapsflaschen sowie Glasscherben – Relikte des Vorglüh-Trends. Ein Ärgernis für Anwohner, Passanten und Gemeinde. Ein Patentrezept, dieser Müllentwicklung entgegenzuwirken, gibt es bislang nicht.

Andreas Forstner vom Musikzug und Festwirt Anian Kurz sind zufrieden

Das Frühlingsfest ist sehr positiv für das Leben am Marktplatz, findet der Holzkirchner Bürgermeister Olaf von Löwis. Die Stimmung sei gut gewesen, zumindest dann, wenn der Bürgermeister selbst vor Ort war. „Vielleicht liegt es ja an mir“, scherzt Löwis. Auch Andreas Forstner vom Musikzug und Festwirt Anian Kurz sind zufrieden – auch wenn es insgesamt wohl ein paar Besucher weniger waren. „Die letzten zwei Tage waren einfach zu heiß“, sagt Kurz.

„Das ist schade, denn das Frühlingsfest ist eigentlich eine Bereicherung für Holzkirchen“

Trotz der geringeren Besucherzahlen hat der Bürgermeister das Gefühl, dass heuer mehr Probleme aufgetreten sind. So hätten Unbekannte Blumentröge am Kultur im Oberbräu verschleppt und beschädigt. „Das ist schade, denn das Frühlingsfest ist eigentlich eine Bereicherung für Holzkirchen.“

Vorglühen: „Schon im Rauschzustand ins Zelt zu kommen, ist doch kontraproduktiv. Da geht der gesellige Teil verloren“

Definitiv keine Bereicherung ist derweil der Trend zum Vorglühen – allein schon wegen besagter Müllentwicklung. Ausbaden müssen das „Auf-Pegel-Trinken“ junger Besucher die Mitarbeiter des Bauhofs, die gestern dem Bürgermeister zufolge „ziemlich unterwegs“ waren. „Für die ist das Routine, sie klagen nicht. Sie stellen aber auch fest, dass es nicht besser wird.“ Überhaupt kann Löwis diesem Trend nichts abgewinnen. „Schon im Rauschzustand ins Zelt zu kommen, ist doch kontraproduktiv. Da geht der gesellige Teil verloren.“ Das sieht auch Festwirt Kurz so. Am Miesbacher Volksfest, das der Kleinpienzenauer ebenfalls betreut, gebe es das nicht. „Da trinken die Leute im Zelt. Es gibt keinen Tag, an dem wir Flaschen einsammeln müssen.“ Ist das Vorglühen ein Holzkirchner Phänomen?

Es gibt keine wirkungsvollen Methoden, dem Vorglühen entgegenzuwirken

Nein, meint Löwis: „Das ist die allgemeine Tendenz an Volksfesten.“ Was fehlt, sei eine wirkungsvolle Methode, um dem entgegenzuwirken. Der Bürgermeister nimmt die Jugendlichen selbst in die Verantwortung. „Betrunkene kommen eventuell nicht ins Zelt. Das alleine sollte doch Veranlassung sein, das Vorglühen zu lassen.“

„Die Tendenz zur Auslagerung ist da“

Zumal im Marktgemeinderat seit einiger Zeit über die Umgestaltung des Herdergartens und die Auslagerung des Frühlingfests diskutiert wird. „Die Tendenz ist da“, sagt Löwis. Vorkommnisse wie Vandalismus oder die ausufernde Müllentwicklung durch „Vorglüher“ sind Wasser auf die Mühlen der Befürworter einer Auslagerung.

Ernüchternde Gesamt-Bilanz der Polizei

Aus Sicht der Polizeiinspektion (PI) Holzkirchen gab es beim diesjährigen Frühlingsfest viel zu tun. Die Zahl der Körperverletzungen ist im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen. Vor allem an den beiden traditionell besucherstärksten Abenden ging es rund: Bereits zur Eröffnung am Mittwoch registrierte die Polizei sechs Körperverletzungen,am Samstag drei. Insgesamt nahm die Polizei heuer an den sechs Festtagen elf Körperverletzungen auf – zwei davon werden als gefährliche Körperverletzung bewertet, die für die Opfer auch dauerhafte gesundheitliche Schäden zur Folge haben können. 

Im vorigen Jahr registrierte die Polizei während des gesamten Frühlingsfests vier Körperverletzungen. Auch bei den Hausverboten namens des Veranstalters gab es laut Polizei eine enorme Steigerung: von neun im vergangen Jahr auf heuer 20 – davon zehn bereits am Mittwoch, fünf am Samstag. Die Holzkirchner Beamten wurden am Eröffnungstag wieder von der Bereitschaftspolizei unterstützt. Am Bahnhof waren zusätzlich Bundespolizei und DB Security im Einsatz, die die jugendlichen Besucher bereits ab 16.30 Uhr in Empfang nahmen. Neun Minderjährigen wurden Zigaretten und harte Alkoholika abgenommen. Der Zulauf sei enorm gewesen, weshalb das Festzelt auch kurz nach Öffnung um 19 Uhr wieder geschlossen wurde, um einer Überfüllung vorzubeugen – 150 Personen standen vor dem Einlass in der Schlange. 

Lediglich am Sonntag und Montag gab es laut Polizei keinerlei Einsätze. Im Bierzelt selbst sorgte wieder ein privater Sicherheitsdienst für Ordnung. Dort kam es zu keinen polizeilich relevanten Fällen. Sachbeschädigungen und Diebstähle hielten sich mit je zwei angezeigten Fällen in Grenzen – laut Polizei ein äußerst geringes Aufkommen. Eine Person wurde mit Betäubungsmitteln erwischt. Ein Kompliment gibt es von der Polizei für die Kraftfahrer: Bei mehreren Alkoholkontrollen im Umfeld des Fests waren sämtliche Fahrzeugführer fahrtüchtig und nüchtern. Auch Halt- und Parkverbote seien meist eingehalten worden.

ag

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