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Fällen, entasten, zuschneiden: Die Holzvollernter roden seit Montag rund 400 Bäume an der B 318.

Die Strecke war dafür gesperrt

Für den Ausbau der B318: Riesenmaschinen schlagen Schneise durch Wald

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Die Bäume weichen dem Asphalt: Zwei Harvester schneiden sich seit Montagabend durch das Fichtholz entlang der gesperrten B 318. Wir haben den Kraftprotze bei der Arbeit zugeschaut.

Holzkirchen – Der Harvester hat die Fichte fest im Klammergriff. Für einen kurzen Moment heult die Motorsäge in dem wuchtigen Greifer am Ende des Krans auf, dem sogenannten Prozessor-Kopf. Sekunden später steht der Baum nicht mehr neben der B 318, sondern hängt oberhalb der Fahrbahn in der Luft. Als würde er ein Stöckchen und keinen tonnenschweren Baumstamm aufklauben, hantiert der vor Kraft strotzende Holzvollernter (bis zu 300 PS) mit der Fichte. Auf Knopfdruck rauscht der Stamm durch die Metall-Walzen, sodass die armdicken Äste einfach abfallen. Nun nimmt das Messgerät Maß – exakt 4,10 Meter sollen die Stücke am Ende lang sein. Und das Sägeschwert gleitet durch das Holz. Und dann nochmal. Und nochmal.

Keine fünf Minuten und der Harvester hat aus der Zwanzig-Meter-Fichte vier zum Abtransport bereitliegende Stücke Holz gemacht. Der Baum ist einer von gut 400, die Alexander Mayr und sein Team von der Waldbesitzervereinigung (WBV) Holzkirchen seit Montag beiderseits der gesperrten B 318 fällen. Sie schlagen die Schneise für den vierspurigen Ausbau der Bundesstraße.

Wie berichtet, wird die Fahrbahn von der Autobahnanschlussstelle bis zur Abfahrt in die Nordspange verbreitert. Laut dem Staatlichen Bauamt Rosenheim rauschen hier täglich im Schnitt 27 900 Fahrzeuge entlang (Stand: 2010). Tendenz: rapide steigend. Bis 2025 werden knapp 36 000 erwartet. Eine breitere Fahrbahn und neue Verkehrsführung soll für Entlastung sorgen. Für die notwendigen Rodungen entlang der Strecke hat das Straßenbauamt die Baumfäller vom WBV beauftragt. Die zweitägigen Fällarbeiten sind der Startschuss zu einem echten Baustellen-Marathon in diesem Jahr.

Sobald die Bäume nämlich verschwunden sind und es die Witterung zulässt, erklärt Matthias Geitz, der im Straßenbauamt das Projekt betreut, rollen die nächsten Baufahrzeuge an. Doch zunächst wird nicht an den beiden zusätzlichen Spuren gearbeitet, sondern an der Anbindung der östlich gelegenen Autobahnmeisterei und der Firma Iska. Dann nehmen sich die Bauarbeiter die Brücke vor, deren leuchtend grüne Träger bereits oberhalb der Straße thronen. Sie bindet Föching und das Gewerbegebiet-Nord künftig kreuzungsfrei an die B 318 an. Noch steht nur das Gerüst. Es fehlen Geländer, Gehwege und natürlich der Asphalt. Ist das erledigt, folgen Erdarbeiten unterhalb der Verkehrsüberführung und deren Anschluss an die bestehende Straße im Gewerbegebiet, über die der Verkehr künftig ganz ohne stauträchtige Ampeln auf die Kreisstraße MB 14 fließen soll.

Witterungsbedingt verzögere sich der Baubeginn rund um die Brücke etwas, erklärt Geitz. Mitte Juli wolle man aber fertig sein. Erst dann starten die Arbeiten an der B 318 und der noch bestehenden, dank Brücke bald aber überflüssigen Kreuzung. Grundsätzlich sei man noch im Zeitrahmen, sagt Geitz. Er räumt aber ein: „Es wäre gut gewesen, wenn wir letztes Jahr vier Wochen weiter gekommen wären.“ Nach wie vor geht er von einer Verkehrsfreigabe der vierspurigen B 318 Mitte 2019 aus. Der Ausbau soll derweil „unter Verkehr“ erfolgen, sagt Geitz. „Wir versuchen, beide Spuren aufrecht zu erhalten.“ Der Verkehr werde – soweit möglich – an der Baustelle vorbeigeleitet.

Lagebesprechung: Einsatzleiter Alexander Mayr (r.) und Clemens Ruckert vom Staatlichen Bauamt Rosenheim.

Eine Option, die es während der Rodungsarbeiten nicht gab. Wenn die beiden Harvester, die im Einsatz sind, die schweren Stämme zurechtschneiden, wäre das zu gefährlich. Seit Montagabend ist die Fahrbahn zwischen der Kreuzung bei Föching und der Abfahrt ins Gewerbegebiet-Ost daher gesperrt. Für Autofahrer hatte die Totalsperrung morgens wie abends einen Rückstau auf die Autobahn sowie stockenden Verkehr auf den Umleitungen zur Folge.

Läuft alles nach Plan, ist das Team von Alexander Mayr bis heute Mittag mit den Rodungen fertig. Dafür arbeiten die Baumfäller auch nachts. „Ich bin optimistisch, dass wir es planmäßig schaffen“, sagt der Einsatzleiter. Vor allem dank der kräftigen Harvester, die pro Tag jeweils gut 125 Festmeter Holz umschneiden. „Die sind optimal“, sagt Mayr, während er auf der mit Fichtennadeln übersäten B 318 steht. „Händisch würden wir anderthalb Wochen brauchen.“

Wenn die Bundesstraße heute wie geplant gegen 16 Uhr für den Verkehr freigegeben wird, sind die gefällten Baumstämme weitestgehend verschwunden. Die WBV kümmert sich nämlich auch gleich um den Abtransport. An die 16 Lastwagen kutschieren die Fichten in ein Sägewerk nach Österreich.

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