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Maximale Präsenz: Alex Burkhard (30) zündete im Fools-Theater ein sprachliches Feuerwerk nach dem anderen – eine Art „Kabaretty-Slam“. 

Erster Auftritt in Holzkirchen

Furiose Sprachgewalt: Alex Burkhard präsentiert Trump auf Schwedisch

Django Asül könne einpacken. Selbst eine Monika Gruber würde im direkten Vergleich sprachlos wirken. Alex Burkhard hatte am Freitagabend mit seinem Programm „Man kennt das ja“ das Publikum im Holzkirchner Fools geflasht – so zumindest legten es die spontanen Reaktionen nahe. Da schwang viel Hochachtung mit auch vor der Leistung, sich das alles zu merken.

Holzkirchen – Ja, man kennt das: Dating-Apps, Hundeschule, inhaltsleere Aussagen von Fußballstars, nicht abgearbeitete To-Do-Listen oder der Selfie-Wahn in digitalen Netzwerken. Was man als Burkhard-Novize nicht kannte, ist dessen sprachgewaltige und virtuose Darbietung alltäglicher Betrachtungen, gesellschaftlicher Absurditäten und marktwirtschaftlicher Auswüchse.

Der Mann im T-Shirt, der seinen Vortrag nur nach langen Rap-Passagen für einen tiefen Schluck aus der Wasserflasche unterbrach, war maximal präsent auf der Bühne. Seine Sprache ist derartig vielfältig, dass es keinem lang wurde, auch wenn sich Burkhard am Ende für die Überlänge entschuldigte. Ein wenig habe er das Programm umgestellt, erklärt er den Gästen, von denen er sich, wie vom Fools-Team, sehr willkommen gefühlt habe.

Begeistert hing das Publikum an seinen Lippen, als er als Zugabe seinen „Ausguck-Alex“ dranhängte. Ein im Poetry-Slam erprobtes Stück übers Leben, das sich an der Seefahrt aufhängt und in der Pointe mündet: „Geschichte lebt von Dir, nicht von dem, was war.“

Alex Burkhard ist erprobt im literarischen Vortrag eigener Texte; er heimste zahlreiche nationale Titel im deutschsprachigen Poetry-Slam ein und gilt als Hochkaräter dieses Genres. Und so spielte der 30-jährige Allgäuer noch ein Stück feiner mit der Sprache, deren unterschiedlichste Facetten er gleich zu Beginn in den Mittelpunkt stellte, als er seine Beweggründe für ein Skandinavistik-Studium darlegt. „Ich fand sympathisch, nicht zu wissen, was raus kommt“, so stellte er den aus seiner Sicht großen Vorteil gegenüber einem eindeutig zweckorientierten Fach wie Jura heraus. Umso besser, dass die skandinavischen Sprachen mit sehr speziellen Beschreibungen eine besondere Schönheit entfalten.

Da wird die Strecke, die ein Rentier von Pause zu Pause geht ebenso in einem einzigen Wort treffend charakterisiert, ebenso der Akt des sich daheim in Unterhose sinnlos Betrinkens. Burkhard schwelgt in schwedischen Sätzen und vermag selbst Trumps plumper Agitation durch die Übersetzung in sanftes Schwedisch Anmut zu verleihen.

Den Wahnsinn menschlicher Zerstörungswut fasst er im „Max und Moritz für Erwachsene“ so trefflich in Worte, dass es einem bei aller Begeisterung für den Ausdruck kalt über den Rücken lief.

Ungetrübt vergnüglich dagegen war, als er sich auf die Bühne kniete und treuherzig aufblickend als Philipp Lahm seine Einschätzungen abgab oder in seinem Poetry-Slam-Siegertext „Gegen die Unverbindlichkeit“ über die Bindungsangst sinnierte. Brillant und vergnüglich geriet der Gangster-Rap König Ludwig II., der in Holzkirchen Premiere feierte.

Heidi Siefert

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