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Willkommen im grünen Labor: Andreas Ringk, Vorsitzender des Gartenbauvereins Holzkirchen, und seine Stellvertreterin Karin Schmid in den üppig bepflanzten Beeten ihres Lehrgartens bei Marschall.

Zu Gast im Grünen Paradies

So prächtig gedeihen die Experimente im Lehrgarten

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Holzkirchen - Sommerzeit ist Gartenzeit. In unserer kleinen Serie schauen wir begeisterten Hobby-Gärtnern im Landkreis über die Schulter. Heute: ein Besuch im Lehrgarten des Gartenbauvereins Holzkirchen.

Wenn die Sonne in der Versuchsküche kräftig einheizt, steigt ein verführerischer Duft aus den „Töpfen“ empor. Das mit Abstand beeindruckendste Aroma im Lehrgarten des Gartenbauvereins Holzkirchen und Umgebung bei Marschall entfaltet in diesen Tagen die Kräuterschnecke. Vorsitzender Andreas Ringk zupft ein paar Blätter von den Zutaten ab und zerreibt sie zwischen seinen Fingern. Eines riecht nach Kaugummi, das andere nach Menthol. „Beides sind Minzblätter“, erklärt Ringk. Alleine sechs Sorten gedeihen im Lehrgarten. Wem da noch nicht das Wasser im Mund zusammenläuft, um den ist es spätestens bei der Gummibärchen- oder Mohnbrötchenpflanze geschehen.

Der Garten

Ein Rundgang durch den gut 500 Quadratmeter großen Garten ist ein Erlebnis für alle Sinne. In jeder Ecke gibt es etwas zu bestaunen, zu beschnuppern oder zu kosten. Im Gemüsebeet strecken sich knackige Salatblätter und pralle Bohnen gen Sonne, an den Rankgittern wachsen einem Brombeeren und Tomaten fast in den Mund. Eine gut zweieinhalb Meter hohe Sonnenblume trägt schwer an ihrem mit Kernen üppig besetzten Kopf, neben den Johannisbeersträuchern veranstalten dunkelrote Stockrosen und lila Malven einen Schönheitswettbewerb. „Die haben sich von ganz alleine ausgesät“, erzählt Zweite Vorsitzende Karin Schmid stolz.

Wie es bei Experimenten so üblich ist, hat der Zufall auch im Lehrgarten seine grünen Daumen im Spiel. Hier darf aufgehen, was in manch gepflegtem Reihenhaus-Gärtchen längst dem Unkrautspray zum Opfer gefallen wäre. Ganz bewusst haben Ringk, Schmid und ihre vier Mitstreiter kleine Nutzwiesen zwischen die Beete eingestreut. Auf gelber Färberkamille und wildem Majoran tummeln sich Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Letztere stillen sogar an den Brennnesseln gerne ihren Hunger. Die nur einen Feldweg entfernte Miesbacher Straße ist längst hinter einer dichten Sträucherreihe verschwunden.

Auch die Wege zwischen den Beeten dienen als Lebensraum. Im von Totholz eingefassten Rindenmulch fühlen sich kleine Krabbler besonders wohl. Selbst beim Anlegen des Hauptwegs aus Porphyr-Bruchsteinen hat Ringk an die Natur gedacht – und Samen in die Kiesfugen gemischt. Eine weiße Schafgarbe hat die Gunst der Stunde genutzt und reicht den Gartenbesuchern fast bis zur Brust. Das Tor zur benachbarten, gut 2500 Quadratmeter großen Streuobstwiese bildet ein Barfußpfad aus Steinen und Hackschnitzeln.

Die Gärtner

Der Weg zum grünen Paradies war hingegen lang und steinig. Ein Jahr lang suchten die Mitglieder des Gartenbauvereins nach einem geeigneten Grundstück. 2011 stellte ihnen die Gemeinde dann die Fläche bei Marschall zur Verfügung. „Ein echter Glücksfall für uns“, sagt Ringk. Weil der Boden lehmig war, mischten die Hobby-Gärtner noch etwas Sand unter – ein perfekter Nährboden. Der macht aber auch eine Menge Arbeit. Fünf bis sechs Leute zupfen regelmäßig Unkraut, gießen oder ernten. Zu genau nehmen sie es aber nicht, meint Ringk. „Wir haben ja alle selbst einen Beruf, eine Familie – und einen Garten.“ Ab und zu schaut eine Schulklasse vorbei. Heuer zum Beispiel pflanzten Fünftklässler der Mittelschule Holzkirchen im Mai Gemüse an. „Im Juli haben sie dann gestaunt, was da alles draus geworden ist“, erzählt Schmid.

Der besondere Tipp

Die Feinde eines jeden Hobby-Gärtners lauern aber auch im Lehrgarten: Schnecken. 2012 und 2013 habe es eine regelrechte Plage gegeben, berichtet Ringk. Doch der Vorsitzende startete einmal mehr ein Experiment. „Wir haben einfach verschiedene Systeme ausprobiert“, sagt er. Alle ohne Gift, wohlgemerkt. Durchgesetzt hat sich letztlich ein doppelt gefalzter Blechzaun am Gemüsebett. Über Kopf klettert selbst die klebrigste Schnecke nicht so gern. Am Hochbeet bewährte sich hingegen ein schmaler Kupferstreifen. „Das Metall verträgt sich mit dem Schneckenschleim nicht“, erklärt Ringk. Sollte auch das nicht funktionieren, hat er noch einen „philosophischen Garten-Tipp“ auf Lager. Gestresste Gärtner sollten sich einfach mal eine Viertelstunde lang eine Weinbergschnecke auf die Hand setzen. „Da kommt man total gut runter“, sagt Ringk. Und die Schnecke kann keinen Salat anknabbern.

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