Mit einem schwimmenden Eisrettungsschlitten kann die Wasserwacht eingebrochenen Personen das Leben retten. Hier üben die Ehrenamtlichen für den Ernstfall auf dem Hackensee. Der hat in den vergangenen Tagen viele Ausflügler zum Schlittschuhfahren angelockt.
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Mit einem schwimmenden Eisrettungsschlitten kann die Wasserwacht eingebrochenen Personen das Leben retten. Hier üben die Ehrenamtlichen für den Ernstfall auf dem Hackensee. Der hat in den vergangenen Tagen viele Ausflügler zum Schlittschuhfahren angelockt.

„Ich empfehle niemandem, sich diesem Risiko auszusetzen“

Gefahren auf dem Eis: Wasserwacht im Kreis Miesbach warnt vor zugefrorenen Seen

  • Jonas Napiletzki
    vonJonas Napiletzki
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Auf einigen Seen im Landkreis drehen schon Schlittschuhläufer ihre Runden. Doch nicht überall ist das Eis stabil genug. Die Wasserwacht warnt vor der Gefahr auf zugefrorenen Seen - und erklärt, warum Hilfe im Zweifelsfall zu spät kommt.

Kleinhartpenning – Bisher hat das Eis getragen – die Kreis-Wasserwacht Miesbach hatte heuer noch keinen Einsatz wegen eingebrochener Personen auf den Gewässern im Landkreis Miesbach. Die Helfer, die im Ernstfall unter der Notrufnummer 112 erreichbar sind, bereiten sich trotzdem vor.

Am vergangenen Sonntag traf sich die Wasserwacht-Ortsgruppe Holzkirchen zu einer Praxisunterweisung am Hackensee bei KLeinhartpenning. Vorsitzender Alexander Schwarz warnt: „Keiner der Seen ist behördlich freigegeben, Warnschilder sind aufgestellt. Wer die Eisfläche betritt, macht dies in eigener Verantwortung und auf eigene Gefahr.“

Eisschicht kann tückisch sein

Ob das Eis tatsächlich trägt, hängt von der Dicke der gefrorenen Fläche ab. „Für eine einzelne Person sollten es mindestens acht Zentimeter sein“, erklärt Schwarz. Um das zu überprüfen, müsse man das Eis anbohren und das Loch vermessen. „Früher haben das oft gemeindliche Eiskommissionen gemacht, um die Seen freizugeben.“ Heute machen das Schwarz zufolge aus Haftungsgründen nur noch die wenigsten Rathäuser. Folglich bewegen sich Bürger auf eigene Gefahr auf den Gewässern. Und: „Bei natürlichen Gewässern kann es Quellen, Zuläufe oder Gase aus dem Boden geben.“ An diesen Stellen könne das Eis deutlich dünner sein. Eine einzelne Bohrung sei deshalb nicht ausreichend – potenzielle Einbruchstellen gebe es trotzdem.

Auch deshalb hat die Wasserwacht in der Praxisunterweisung die vorher gelernte Theorie für den Ernstfall geübt. „Sechs Rettungskräfte haben daran teilgenommen“, sagt Schwarz. Die insgesamt 20 bis 25 aktiven Helfer der Kreis-Wasserwacht sind mit Funkmeldeempfängern ausgestattet und rund um die Uhr erreichbar. Schwarz warnt dennoch: „Unser Eisrettungsschlitten steht in Bad Wiessee.“ Zum Spitzingsee etwa bräuchten die Helfer mindestens 30 Minuten. Ab einer Viertelstunde im eisigen Wasser könne es für Eingebrochene aber lebensbedrohlich werden. Um sich möglichst lange warmzuhalten, kann Schwarz zufolge auch dicke Kleidung helfen. „Die schränkt zwar die Bewegungsfreiheit ein, zieht den Schwimmer aber nicht unter Wasser.“

„Ich empfehle niemandem, sich diesem Risiko auszusetzen“

Außerdem erklärt der 60-Jährige: „Wer ins Eis einbricht, darf nicht unter die Eisfläche geraten.“ Zur Selbstrettung müsse man deshalb versuchen, sich flach aufs Eis zu schieben. „Bei der Fremdrettung darf man nicht bis zum Eingebrochenen gehen, sondern muss Abstand halten und eine große Auflagefläche bilden.“ Dann könne man dem Eingebrochenen einen Gegenstand reichen, damit er sich daran festhalten kann. Trotz aller Tipps sagt Schwarz: „Ich empfehle niemandem, sich diesem Risiko auszusetzen.“

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