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Geisterfahrer umkurvt Polizeiblockade: 86-Jähriger macht verwirrten Eindruck und hat Riesenglück

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Von: Andreas Höger

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Ein Warnschild an der Autobahnauffahrt warnt potenzielle Falschfahrer.
Ein Geisterfahrer war in der Nacht auf Mittwoch einige Kilometer auf der Autobahn zwischen Weyarn und München unterwegs. (Symbolbild) © Armin Weigel/dpa

Sein Blick ging stur geradeaus. Blaulicht, Lautsprecher, sogar eine Polizeisperre ignorierte ein 86-Jähriger, der in der Nacht auf 6. Oktober als Geisterfahrer auf der A 8 nach München unterwegs war –und das viele Kilometer lang. Trotz brenzliger Situationen kam es zu keinem Unfall. Für die Polizei ein kleines Wunder.

Holzkirchen – Die erste Meldung ging in der Nacht auf Mittwoch (6. Oktober) kurz nach 2 Uhr ein. Auf Höhe Weyarn kam einem Autofahrer, unterwegs auf der Autobahn in Richtung Salzburg, ein anthrazitfarbener VW Tiguan entgegen – auf der linken Spur.

Eine Streife der Autobahnpolizeistation (APS) Holzkirchen jagte los. „Wir verfolgen nicht auf der falschen Fahrbahn“, betont APS-Leiter Michael Janski. Auf der Fahrbahn Richtung München gelang es der Streife, den Tiguan kurz hinter der Raststätte Holzkirchen einzuholen und sich parallel neben ihn zu setzen. „Auf Blaulicht, Anleuchten und Lautsprecher reagierte der Mann nicht“, berichtet Janski, „mit stierem Blick und Tempo 80 fuhr er weiter.“ Er hielt sich an Rechtsfahrgebot, war tatsächlich aber auf der Überholspur der Gegenfahrbahn unterwegs.

Einige Beamte mussten zur Seite springen

Aufgrund der Uhrzeit war wenig los auf der Autobahn in Richtung Salzburg. Trotzdem mussten laut Polizei einige Autos dem VW ausweichen, um einen Frontalzusammenstoß zu vermeiden. „Es ist nur dem Zufall geschuldet, dass nichts passierte“, sagt Janski. Schnell sperrten Streifen des Polizeipräsidiums München die Autobahnen A 8, A 99 und A 995 in Richtung Salzburg, um den entgegenkommenden Verkehr zu schützen – und um den 86-Jährigen zu stoppen.

Die erste Sperre formierte sich etwa einen Kilometer hinter der Anschlussstelle Hofoldinger Forst. Die Polizeiautos bildeten laut Janski eine „Flaschenhals“-Gasse. „Wir hofften, dass der Fahrer zur Besinnung kommt und anhält.“ Tat er aber nicht. Der 86-Jährige aus dem Landkreis Ebersberg, der früher als Busfahrer arbeitete, umkurvte die Sperre mit Tempo 60 und gab Gas. Einige Beamte mussten zur Seite springen.

Einen Kilometer weiter erwartete den Geisterfahrer eine zweite Sperre, diesmal ohne Flaschenhals. „Gottlob hatten wir genug Kräfte, die schnell zur Stelle waren“, sagt Janski. Vor den querstehenden Polizeiautos stoppte der 86-Jährige schließlich. „Er machte einen völlig abwesenden, desorientierten Eindruck“, berichtet Janski, „der Tragweite seines Tuns war er sich nicht bewusst.“ Der pensionierte Busfahrer konnte sich nicht erinnern, wo er auf die Autobahn aufgefahren war, und machte kein Angaben dazu, wohin er wollte.

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Polizei sucht Zeugen: Wer hat den anthrazitfarbenen VW Tiguan gesehen?

Erste Ermittlungen ergaben, dass der Mann etwa 20 Stunden vor der Geisterfahrt verschwunden war. Laut Janski könnte er einen Ausflug im Bereich Rosenheim oder Bad Aibling gemacht haben. Am Tiguan wurden frische Unfallschäden festgestellt. „Das könnte beim Ein- oder Ausparken passiert sein“, sagt Janski. Die APS (Telefonnummer 0 80 24 / 90 730) hofft, dass sich weitere Zeugen melden, die dem Geisterfahrer ausweichen mussten oder denen der VW Tiguan mit Ebersberger Kennzeichen am Dienstag tagsüber aufgefallen war. Derzeit gehen die Ermittler davon aus, dass der 86-Jährige zwischen Irschenberg und Weyarn auf die A 8 eingefahren ist, womöglich auf der Behelfsausfahrt am Rastplatz Seehamer See.

Den Führerschein des Geisterfahrers behielt die Polizei ein und eröffnete ein Strafverfahren wegen Gefährdung des Straßenverkehrs. Seine Familie holte den 86-Jährigen schließlich ab. „Er und die ihm entgegenkommenden Autos hatten in dieser Nacht ein Riesenglück“, stellt Janski fest.

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