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Gähnende Leere: Auch das gelbe Ortsschild Richtung Roggersdorf wurde gestohlen. 

Rathaus will nun Bürger sensibilisieren

Geklaute Ortsschilder: Andenken an die Heimat

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Im Gemeindebereich Holzkirchen wurden in letzter Zeit einige Ortsschilder geklaut oder beschädigt. Der Gemeinde reicht‘s jetzt. 

Holzkirchen – Der gemeindliche „Souvenirladen“ ist gut besucht. Und Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) versucht, die Sache mit Humor zu nehmen. Offenbar sei die Anziehungskraft der Gemeinde so groß, dass sich viele Leute ein Andenken von Holzkirchen sichern wollen. „Der Bürgermeister findet es großartig, dass Holzkirchen als so wertvoll angesehen wird“, scherzt er. Allerdings fragt sich der Rathauschef schon, was die Leute mit den Ortsschildern machen. „Man kann sie ja nicht öffentlich zeigen.“

Fakt ist: Im Gemeindebereich Holzkirchen sind in den vergangenen Monaten mehrere Ortsschilder verschwunden – beziehungsweise wurden sie beschädigt. Seit Ende 2019 sei das gehäuft passiert, berichtet Rathaussprecherin Annika Walther. Gestohlen wurden laut Walther die Schilder in der Kohlstattstraße, in Marschall und Kleinhartpenning. In der Thanner Straße haben Unbekannte gleich zwei Mal versucht, das Schild zu entwenden. Allerdings mit mäßigem Erfolg: Einmal wurde es sehr stark beschädigt, ein anderes Mal verbogen. „Die anderen Schilder waren wahrscheinlich leichter zu entfernen“, vermutet Walther. Der jüngste Fall wurde dieser Tage bekannt: Es verschwand wieder ein Schild – dieses Mal in der Roggersdorfer Straße (wir berichteten).

Die Vorfälle seien nicht nur ärgerlich, sie verursachen für die Gemeinde zudem unnötige Kosten. Ein gelbes Schild allein kostet laut Walther um die 90 Euro. Wenn zusätzlich der Rahmen repariert werden muss, fallen insgesamt circa 250 Euro an, rechnet die Sprecherin vor. Hinzu kommen die Kosten für den Bauhof, der die Schilder wieder anbringen beziehungsweise ihre Verankerungen auf Vordermann bringen muss. Pro Exemplar seien das noch mal rund 100 Euro. Die Marktgemeinde habe jedes Mal Anzeige bei der Polizei erstattet.

Ähnlich wie Bürgermeister Schmid vermutet auch Johann Brandhuber, Chef der Polizei Holzkirchen, dass die Ortsschilder quasi als „Andenken“ dienen. Solche Fälle „haben sicher ein lokales Kolorit“, sagt er. Will heißen: Wahrscheinlich handle es sich bei den Tätern um Einheimische, die ein solches Andenken an ihre Heimat ergattern wollen. „Sonst macht es keinen Sinn, die Schilder zu entwenden.“ Es müsse also jemand „aus dem Nahbereich“ sein. Meist jüngere Menschen.

Das haben andere Beispiele gezeigt, bei denen die Polizei bei einer Hausdurchsuchung zufällig geklaute Verkehrsschilder entdeckt hat, „die dann bei den Leuten an der Wand hingen“, erklärt Brandhuber. Beliebt bei Dieben seien zum Beispiel auch Leitpfosten. „Da kann man eine schöne Beleuchtung rein bauen“, erzählt Brandhuber mit einem Augenzwinkern. Ein weiterer Dauerbrenner: Wegweiser und Umleitungsschilder werden gerne mitgenommen.

Gehäufte Fälle von geklauten Ortsschildern aus anderen Gemeinden in seinem Zuständigkeitsgebiet sind Brandhuber derzeit nicht bekannt. Was aber auch daran liegen könne, dass manche Kommunen bei solchen Vorkommnissen gar keine Anzeige erstatten. „Weil viele denken, dass daraus nichts wird.“ Ähnlich wie bei einem Raddiebstahl. Obwohl auch in den aktuellen Holzkirchner Fällen die Spuren noch fehlen, und bislang keine Täter gefunden werden konnten, rentiere es sich dennoch immer, die Polizei zu verständigen. Denn nur dann könne sein Team ermitteln. Außerdem gelangen so die Vorfälle auch über die Presse an die Öffentlichkeit. Dadurch melden sich oft Zeugen, die Leute würden sensibilisiert, erklärt Brandhuber.

Genau um diese Sensibilisierung geht es nun dem Holzkirchner Rathaus: „Wenn jemandem was auffällt, wäre es schön, wenn er sich bei uns melden könnte“, meint Sprecherin Walther.

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