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Abbau in dunkler Nacht: Der Aushub der Kindergartenbrücke mithilfe eines Krans im Dezember 2018 war nicht absehbar. Die Gemeinde ging davon aus, die Brücke – eingeschränkt – bis zu einem Neubau nutzen zu können. 

Kindergartenbrücke

Gemeinde widerlegt Vorwurf, bei der Planung zur Kindergartenbrücke getrödelt zu haben

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Zahlreiche Holzkirchner meinen, die Gemeinde trödle bei der Planungeiner neuen Brücke über das Bahngleis. Am Donnerstag reagierte derGemeinderat auf den wachsenden Druck – und widerlegte die Kritik.

Holzkirchen – „Jetzt soll er zeigen, ob er Landratqualitäten hat“, raunt es durch den Sitzungssaal an diesem Donnerstagabend. Der Raum ist voll besetzt – zahlreiche Holzkirchner sind gekommen, um sich über den Planungsstand zur Kindergartenbrücke zu informieren. Sie erwarten, dass Bürgermeister und Landratskandidat Olaf von Löwis (CSU) den im Dezember demontierten Holzsteg rasch ersetzt und verstehen nicht, warum das so lange dauert.

Ursprünglich hatte der Gemeinderat erst nach der Sommerpause über einen Ersatz für die intensiv genutzte Verbindung zwischen Ortskern und dem Bereich der Industriestraße beraten wollen. Doch vor dem Hintergrund des öffentlichen Drucks beschloss Löwis, das Thema früher auf die Agenda zu setzen.

Eine Entscheidung über die von Bürgern geforderte Behelfsbrücke kann der Gemeinderat in dieser Sitzung aber nicht fällen. Zwar hat das Münchner Ingenieur-Büro Leonhardt, Andrä und Partner (LAP), das seit Mai mit der Planung zum Brücken-Neubau beauftragt ist, von der DB Netz Auskunft gefordert über technische und juristische Detailfragen. Allerdings antwortete die Bahn darauf noch nicht. Zum Beispiel ist noch unklar, ob auch für eine Behelfsbrücke eine Kreuzungsvereinbarung notwendig ist, also die Erlaubnis, über das Gleis zu bauen. Diese Antworten braucht der Gemeinderat aber, um abzuwägen, ob eine Behelfsbrücke Sinn macht.

Vollsperrung der Kindergartenbrücke war nicht absehbar

Hans Kellner, Leiter des Bauamts Technik, legt die gesamte Planungshistorie offen, um zu zeigen, dass Verwaltung und Politik keineswegs untätig waren. Demnach hat die Brückenhauptprüfung im Dezember 2017, die routinemäßig alle drei Jahre durchgeführt wird, Mängel ergeben. Ein Sachverständiger für Holzbau schlug vor, die Nutzung der Brücke einzuschränken, um die Traglast zu verringern, außerdem alle zwei Monate Verformungsmessungen durchzuführen. „Bis November 2018 hieß es, wir können die Brücke auf diese Weise bis zu einem Neubau nutzen“, sagt Löwis. „Es war nicht vorhersehbar, dass sie plötzlich nicht mehr benutzbar ist.“ Der Bürgermeister stellt sich damit der Frage seiner Kritiker, warum er sich nicht schon vor der Vollsperrung der Brücke im November 2018 um eine Behelfsbrücke gekümmert habe.

Im April 2018 beauftragte die Gemeinde einen Rechtsanwalt, der herausfinden sollte, ob Regressansprüche gegenüber der Bahn bestehen. Denn der Sachverständige hatte auch festgestellt, dass die Brücke nicht einfach marode war, sondern von Anfang an statisch fehlerhaft – möglicherweise ein Versäumnis der Bahn, die die Brücke in den 80er-Jahren erbauen hatte lassen. Wie sich herausstellte, waren die Regressansprüche verjährt. Löwis erklärt, die Gemeinde sei verpflichtet, sich nach Kostenbeteiligungen umzusehen: „Wir wirtschaften mit Steuergeldern.“ Der kommunale Prüfungsverband – eine Art Aufsichtsbehörde – schaue der Gemeinde auf die Finger.

Im November 2018 führten die Verformungsmessungen überraschend zur sofortigen Vollsperrung der Brücke, dann zum Abbau. Im Februar 2019 holte die Gemeinde Kostenvoranschläge für eine Behelfsbrücke ein. Im März 2019 leitete sie – ungeachtet der Frage einer Elektrifizierung der BOB – das Vergabeverfahren für die Planung eines Neubaus ein. Den Zuschlag bekam das Büro LAP.

Laut Kellner liegen die Gesamtkosten einer Behelfsbrücke bei einer Nutzungsdauer von acht Monaten bei 106 624  Euro. Die monatliche Miete schlägt mit 665 Euro am wenigsten zu Buche. Ein Brücken-Neubau kostet etwa 375 000 Euro. Er könnte im September 2020 fertig sein – allerdings ungeachtet der Genehmigungszeiten der Bahn.

Gemeinderat Holzkirchen gesteht Informationsdefizit zu

Christoph Schmid (CSU) sagt vor diesem Hintergrund: „Ich bin für eine Behelfsbrücke.“ Nicht zuletzt, weil die anderen Wege schlecht seien: „Die Rosenheimer Brücke ist für Radler gefährlich, am Bahnübergang Valleyer Weg steht man ewig.“ Er verstehe den Unmut der Holzkirchner. „Die Informationen zur Planung waren zu dürftig.“

So sieht es auch FWG-Rat Martin Taubenberger: „Wir hätten die Bürger umfassender informieren müssen.“ Er selbst schätze die Brücke als schnelle Verbindung zum Dauerparkplatz. „Dass die Anlieger da grantig werden, kann man verstehen.“

Robert Wiechmann (Grüne) sagt: „Würden wir eine Brücke über den Teufelsgraben bauen, würde die schon stehen.“ Aber die Gemeinde sei auf die Kooperation mit der Bahn angewiesen. „Die hat nicht unbedingt ein Interesse an der Brücke.“

Simon Ammer (SPD) will wissen, ob für die alte Brücke nicht schon eine Kreuzungsvereinbarung bestehe, die sich nutzen lasse. Laut Löwis hat die Bahn auch darauf noch nicht geantwortet.

Karl Bär (Grüne) sagt mit Blick auf die moderate monatliche Miete einer Behelfsbrücke bei zugleich hohen Montagekosten: „Man sollte bei der Abwägung berücksichtigen, dass eine Behelfsbrücke umso teurer wird, je länger wir damit warten.“

Der komplette Sachstand

ist online zu finden im
Ratsinformationssystem
auf www.holzkirchen.de.

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