Der Abriss ist besiegelt, könnte sich aber verzögern: Die Gemeinde will ihr 115 Jahre altes Gebäude in der Säggasse durch einen Neubau ersetzen, um dort Mietwohnungen für Senioren zu schaffen. Allerdings ist der letzte verbliebene Mieter nicht bereit, das Gebäude zu verlassen.
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Der Abriss ist besiegelt, könnte sich aber verzögern: Die Gemeinde will ihr 115 Jahre altes Gebäude in der Säggasse durch einen Neubau ersetzen, um dort Mietwohnungen für Senioren zu schaffen. Allerdings ist der letzte verbliebene Mieter nicht bereit, das Gebäude zu verlassen.

Hauptausschuss des Gemeinderats

Gemeinde will „Taubenhaus“ abreißen: Neubau soll Wohnungen für Senioren bieten

  • Marlene Kadach
    VonMarlene Kadach
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Die Gemeinde will das marode Wohnhaus an der Säggasse 10 abreißen und einen Ersatzbau schaffen. Denkbar sei in dem zentralen Gebäude Wohnraum für Senioren. Doch ein Mieter weigert sich, auszuziehen.

Holzkirchen – Die Einheimischen nennen es nur das „Taubenhaus“. Die Holzbalkendecken sind von Schädlingen befallen, die tragenden Stahlträger der Kellerdecke stark verrostet. Das Mauerwerk ist durch Flüssigkeit beschädigt, die Elektroinstallation veraltet. Das über 100 Jahre alte Gebäude verfügt über keine Zentralheizung, die Wohnungen werden mit Öleinzelöfen beheizt. Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) hat sich persönlich ein Bild von dem Haus gemacht. „Und ich war über den Zustand nicht amused.“ Eine Sanierungsfähigkeit sei nicht gegeben.

Kurz gesagt: Die Gemeinde will das Wohngebäude an der Säggasse 10 in Holzkirchen, das ihr gehört, abreißen und einen Ersatzbau schaffen. Das wurde nun im Hauptausschuss bekannt.

Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz

Unter Denkmalschutz steht das Gebäude laut Johann Kellner vom Bauamt nicht. 2001 führte der Bayrische Kommunale Prüfungsverband eine wirtschaftliche Beurteilung durch. Und kam zu folgendem Schluss: „Bei einer weiteren Nutzung des Gebäudes ist eine generelle Instandsetzung unumgänglich.“ Da diese Arbeiten sehr zeitaufwendig und teuer seien, empfahl der Verband: „Der Markt sollte sich aus wirtschaftlichen Gründen von diesem Gebäude trennen.“

Laut Bauamt belaufen sich die Sanierungskosten schätzungsweise auf 900 000 Euro. Ein Neubau hingegen wäre mit rund einer  Million Euro nicht wesentlich teurer. Daher empfehle die Verwaltung, das Gebäude abzureißen und ein neues Wohngebäude zu errichten, betonte Kellner. Eventuell könnte man „Wohnen im Alter“ schaffen, vielleicht mit einem Seniorentreff im Erdgeschoss. „Da gibt es ein Defizit.“ Im jetzigen „Taubenhaus“ sei Barrierefreiheit angesichts des uralten Treppenhauses und des Hochparterres keinesfalls machbar, ergänzte Schmid.

Doch ganz so leicht ist das mit dem Abriss nicht. Insgesamt verfügt das Haus über fünf Wohnungen, vier davon stehen inzwischen leer, berichtete Schmid. „Nur ein Bewohner ist noch da“, sagte der Rathauschef. „Und der hat keine Lust, da rauszugehen.“ Und das, obwohl die Gemeinde ihm einen Ersatzwohnraum angeboten habe. Ziel sei eine „sozialverträgliche Entmietung“. Denn: „In der jetzigen Form ist es nicht mehr vermietbar.“

Gemeinde kaufte das Gebäude einst für 90 000 Mark

Immerhin hat das Haus mit dem Erker und dem darauf platzierten Turm eine lange Geschichte auf dem Buckel. Gebaut wurde es 1906, wie Archivar Johannes Widmann recherchierte (wir berichteten). Nachdem das Sägewerk der Genossenschaft Buchberger-Seidl-Weber in der Hafnergasse zwei Jahre zuvor zu großen Teilen abgebrannt war, bauten es die Besitzer zwischen Baumgartenstraße und Säggasse neu auf.

Gleichzeitig errichteten sie eine Kantine für ihre Mitarbeiter – das heutige Haus in der Säggasse 10. Nach ein paar Eigentümerwechseln landete es 1970 in den Händen der Gemeinde, wie Kellner in der Sitzung berichtete. Die Gemeinde kaufte das Gebäude – die Grundstücksgröße umfasst 350 Quadratmeter – damals für schlappe 90 000 DM.

Im Hauptausschuss kam der Vorschlag der Verwaltung gut an. Anita Gritschneder (Grüne) wollte sichergehen, dass in der Wohnung nur eine Person lebe und keine Familie. Das bestätigte Schmid. Birgit Eibl (FWG) gab zu Bedenken, dass es bei Barrierefreiheit beengt in dem Neubau zugehen könnte. Laut Schmid gibt es noch keine genauere Planung. Die Adresse sei „super zentral“ und gut geeignet für ältere Menschen ohne Auto, die von dort aus alles gut fußläufig erreichen könnten. Josef Sappl senior (CSU) befürchtete, dass bei altersgerechtem Wohnen nur „wohlhabende, ältere Leute“ zum Zuge kämen. Er schlug vor, das Gebäude auf den Markt zu geben, damit vielleicht günstigere Verhältnisse entstünden. Schmid lehnte es ab, so eine wertvolle Immobilie herzugeben.

Sebastian Franz (CSU) war für den Abriss, auch andere leer stehende Häuser würden für Unmut sorgen, und erst recht, wenn sie der Gemeinde gehörten. Josef Meier (Grüne) schlug angesichts der Nähe zur Schule vor, dort „was für Lehrer zu machen“. Aber selbst Lehrerinnen wie Gritschneder und Martina Schweighofer (CSU) fanden, dass es da bedürftigere Gruppen gäbe. Am Ende empfahl der Ausschuss dem Gemeinderat einstimmig den Abbruch des Wohngebäudes nach sozialverträglicher Entmietung.

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