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Querungshilfe: Die Hauserbauernbrücke soll eines Tages über die B 318 bei Oberwarngau führen und den Angerweg (l.) an den Kaiserbichl (r.) gegenüber anbinden. Momentan fließt der Verkehr über eine Behelfsfahrbahn.

Gemeinderat Warngau

Dünne Mehrheit für Hauserbauernbrücke

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Warngau - Die Hauserbauernbrücke war zuletzt wegen unerwartet hoher Kosten auf Kritik im Gemeinderat gestoßen. Jetzt bekam sie nur eine dünne Mehrheit.

Die B 318 zerschneidet Oberwarngau, und der Verkehr ist enorm. Durch die Tieferlegung der Straße soll sich die Verkehrssicherheit erhöhen und der Lärm sinken (wir berichteten). Die B 318 taucht künftig unter einer Grünbrücke ab, auf der dann die Kreissstraße MB 9 verläuft – die durch Schleifenrampen angebunden wird. Das Projekt kostet rund 6,4 Millionen Euro, der Bund zahlt 4,6 Millionen, die Gemeinde 1,8 Millionen. Die Bauarbeiten laufen längst. „Sie liegen im Zeitplan“, erklärt Bürgermeister Klaus Thurnuber (FWG). „Wir sind rundum zufrieden mit der Baufirma.“ Und: „Da draußen entsteht ein Verkehrsinfrastrukturprojekt für die nächste Generation.“

Teil der Planung war seit Langem, dass neben der Grünbrücke auf Kosten der Gemeinde eine zweite Überführung der B 318 entsteht: Die Hauserbauernbrücke für den Kfz-Verkehr, die den Angerweg im Osten mit dem Kaiserbichl im Westen verbindet. Sie wird einspurig, 5,50 Meter breit mit einer Spannweite von 17,50 Metern. Das Mausloch, der alte Durchlass unter der B 318, ist seit Oktober dicht. Jetzt musste der Gemeinderat in seiner Sitzung über den Bau der Hauserbauernbrücke abstimmen.

Bis vor Kurzem war diese Brücke eigentlich unumstritten gewesen. Dann kam die schlechte Nachricht: Die Kosten kletterten plötzlich massiv nach oben: Statt 350 000 Euro wurden für die Gemeinde 862 000 Euro fällig. Wie berichtet, hatte der Gemeinderat in der Oktobersitzung die Abstimmung um zwei Monate vertagt – nachdem die hohen Kosten für Zündstoff sorgten.

In der Zwischenzeit gab es ein Gespräch mit dem Straßenbauamt Rosenheim, berichtete Thurnhuber nun. Von dieser Seite gebe es starke Unterstützung, „um die Kosten zu optimieren.“ Laut Thurnhuber spart sich die Gemeinde rund 138 000 Euro. Die neue Rechnung sieht so aus: Die Gemeinde zahlt laut Thurnhuber insgesamt 726 000 Euro aus eigener Tasche. 597 000 Euro für das Brückenbauwerk und 129 000 Euro für die Wendeanlage am Angerweg. Die Straßenanbindung zum Kaiserbichl (152 000 Euro) stemmt weiter der Bund. Neuerdings übernimmt er auch die 38 000 Euro für die Straßenanbindung östlich der B 318.

Der entscheidende Punkt, der ebenfalls Kosten für die Kommune senke, sei die Tatsache, dass man mit dem Bau der Fundamente für die Hauserbauernbrücke beginnen könne „ohne dass der Verkehr auf der B 318 schon läuft.“ So muss sich die Gemeinde nicht um eigene Verkehrssicherungsmaßnahmen bemühen – wegen der Bauarbeiten zur Tieferlegung läuft der Verkehr über eine Behelfsfahrbahn. Auch weitere Bauinfrastruktur könne man dann nutzen. Es sei kostenmäßig sogar noch „Luft nach unten“ möglich, meinte Thurnhuber. „In dem Bereich können wir das umsetzen. Das ist ein guter Wurf.“

Trotz der gesunkenen Kosten schieden sich die Geister im Gemeinderat – die Trennlinie verlief quer durch die Fraktionen. Adolf Schwarzer (CSU) erinnerte daran, dass die Kosten jetzt mehr als doppelt so hoch seien. „Ich bin für die Brücke, aber nicht um jeden Preis“, sagte er. „Da sollte ein Zuschuss drin sein.“ Das fand auch Max Bauer (FWG): „Warum ist das nicht förderfähig?“ Immerhin kämen Kosten für Grunderwerb und Ablöse hinzu. Die Grünen stemmten sich geschlossen gegen das Projekt: „Wir sollten probieren, ob es auch ohne Brücke geht“, sagte Andrea Anderssohn. Reinhard Bücher nickte: „Mich erschlagen die exorbitant hohen Kosten.“ Nur ein Anwesen – die Schreinerei Rummel am Angerweg – profitiere von der Wendeanlage. „Dafür ist der Nutzen nicht gegeben.“ Thurnhuber widersprach, es dürfe „keine Verlierer geben“. In einem Wohngebiet sei keine Anbindung für Schwerlastverkehr nötig, sagte Bücher. Die Brücke ist für von 60 Tonnen ausgelegt – bei 30 Tonnen wäre sie um 30 000 Euro billiger, behauptete Anton Bader (FWG). Laut Thurnhuber fordere der Bund aber die höhere Last – er übernehme die Brücke später als Baulastträger

Engelfried Beilhack (CSU) gehört zu den Befürwortern: „Wir müssen die Brücke bauen.“ Immerhin sei das vor 20 Jahren beschlossen worden. Die Gemeinde brauche diese Überfahrt für eine bessere Durchlässigkeit. Alles andere wäre „ein Betrug an den Bürgern“. Thurnhuber meinte, dass bei der Öffentlichkeitsbeteiligung zur B 318 die Hauserbauernbrücke vorgesehen gewesen. „Die Leute verlassen sich da auf uns.“ Jakob Weiland (CSU) fand ebenso, dass eine Überführung zu wenig wäre Sepp Gschwendtner (FWG) sagte: „Die zweite Brücke muss her.“ Marlene Hupfauer (FWG) nickte: „Ohne Brücke geht es nicht.“

Christian Triendl (Grüne) setzte einen Schlussstrich: „Es gibt zwei Lager.“ Und keines werde das andere überzeugen. Daher schlug er vor, einfach abzustimmen. Er stellte einen Antrag zur Geschäftsordnung, dass dies namentlich geschieht. Am Ende bekam die Brücke eine dünne Mehrheit: zehn stimmten dafür, sieben dagegen. Zu den Nein-Sagern gehören Anderssohn, Triendl, Dresel und Bücher, Bauer, Schwarzer und Peter Huber (CSU). Baubeginn könnte September 2017 sein, fertig werde alles Mitte 2018, schätzt Thurnhuber.

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