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Der Bohrturm wird im April von der Silhouette Holzkirchens verschwinden.  

Energieausbeute höher als erwartet

Geothermie auf Erfolgskurs 

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Die Geothermiebohrungen gehen ihrem Ende  entgegen und sind erfolgreich. Erste Prognosen für Temperatur und Schüttung zeigen: Die Energieausbeute wird höher sein als erwartet.

Holzkirchen – Die Nachricht schlägt ein. Albert Götz, Geschäftsführer der Geothermie GmbH Holzkirchen, klingt heilfroh: „Trotz aller Schwierigkeiten, die es gab, ist das Projekt weiterhin auf der Erfolgsspur“, sagt er. „Wir haben sogar etwas mehr Energie zur Verfügung, als ursprünglich erwartet.“ Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) atmet auf: „Die Geothermie ist durch.“ Und damit die größte Herausforderung, die Holzkirchen je stemmen musste. „Schon bei der ersten Bohrung ist mir ein großer Stein vom Herzen gefallen, jetzt ein Felsen.“

Nach langem Bangen ist es soweit. Die zweite Geothermiebohrung in der Alten Au scheint geglückt, alle Zeichen stehen auf positiv, wie sich aus einer Pressemitteilung der GmbH herauslesen lässt. „Mit den Bohrungen liegt die Projektphase mit dem größten Risiko nun hinter uns“, erklärt Götz. Löwis ergänzt: „Jetzt ist auch keine Versicherung mehr nötig.“

Seit dem 9. März laufen laut Pressemitteilung die Pumpversuche. Dabei werden die wichtigen Kenngrößen Schüttung, also die förderbare Menge, und Thermalwasser-Temperatur ermittelt. Die zwei Bohrungen seien mittlerweile miteinander verbunden, und es wird ein Zirkulationstest durchgeführt.

Nachdem die Versuche kurz vor dem Ende stehen, liegen nun erste Prognosen für die Leistungsfähigkeit der Dublette vor: Der Test ergab zuletzt rund 50 Liter Schüttung pro Sekunde. „Das aus der zweiten Bohrung geförderte Thermalwasser erreichte dabei Werte von deutlich über 150 Grad Celsius, was deutlich über den Werten der ersten Bohrung liegt“, heißt es. Die energetische Leistung der Bohrungen liege im Vergleich zur ursprünglichen Prognose bereits im Plus. Weil die Ergebnisse aus dem zweiten Bohrloch besser seien, werde das Wasser später wohl aus diesem entnommen und ins erste in die Tiefe zurückgeführt, meint Löwis.

„Wir haben nun auch verlässliche Daten für die Dimensionierung der Anlagen“, sagt Götz. Die wiederum haben Einfluss auf die endgültige Auslegung der Versorgungsanlagen und somit die Finanzierung des Projekts.

Die erfreuliche Nachfrage nach Fernwärme sowie die höhere Leistung führen laut GmbH dazu, dass man das Stromkraftwerk nun für eine höhere Leistung auslegen und die baulichen Voraussetzungen für eine Wärmezentrale mit den Redundanzeinrichtungen schaffen wird. Letzteres diene dazu, die erzeugte Wärme abzusichern, um auch in Zeiten mit Spitzenverbrauch genug Wärme bereitzustellen. „Mit rund sechs Millionen Euro schlagen diese Maßnahmen zu Buche“, heißt es. Dabei handele sich aber nicht um Mehrkosten, sondern um vorgezogene Aufwendungen, die durch die mögliche höhere Kraftwerksleistung bedingt sind. „Die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojektes wird durch die aktuellen Ergebnisse weiter positiv beeinflusst.“ 

Löwis vermutet zwar, dass auch die Gemeinde eventuell etwas mehr Geld vorstrecken muss. Dafür seien die Leistungsfähigkeit des Kraftwerks und somit die Einnahmen später aber auch höher. „Die Rentabilität ist gesichert.“ Selbst die Versicherungsfälle, die aus den Problemen während der Bohrungen resultieren (wir berichteten), könnten daran nicht rütteln. Die Verhandlungen mit der Versicherung seien noch nicht abgeschlossen. Gemeinsam mit der GmbH müsse man eine Lösung für die Finanzierung finden. Er betont: „Da sind Ressourcen da.“ Genaueres gelte es in den Haushaltsberatungen zu klären. 

„Noch in diesem Jahr wollen wir die Anbindung an unsere Heizzentrale III schaffen“, sagt Götz. In den kommenden Tagen stehen Komplettierungsarbeiten an. Der Bohrturm wird hierzu noch mal auf die erste Bohrstelle zurückkehren. Voraussichtlich ab Mitte April verschwindet er dann von der Holzkirchner Silhouette.

Die GmbH dankt Bürgern für die Toleranz gegenüber Beeinträchtigungen. „Diese waren – wenn auch im Einzelfall vielleicht unangenehm – vorübergehender Natur, haben aber der Schaffung einer auf viele Jahrzehnte hinaus nachhaltigen und umweltfreundlichen Energieversorgung gedient.“

Löwis gesteht: „Für mich ist es eine Genugtuung, dass der Mut zum Risiko sich für die Gemeinde gelohnt hat.“ Hitzige Diskussionen im Gemeinderat waren dem Projekt vorangegangen (wir berichteten). Er habe Verständnis dafür, dass manche es kritisch sahen. Für künftige Generationen sei die jetzige Nachricht „ein Meilenstein in der Energieversorgung.“ Nun sei es an der Zeit, das Fernwärmenetz weiter auszubauen. „Da müssen wir Gas geben“, sagt er.

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