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Im Herzen der Wärmezentrale finden derzeit die Bauarbeiten statt. Auf dem brachliegenden Areal im Vordergrund wird das Kraftwerk gebaut. In den nächsten Wochen begin nen hier die Vorbereitungen für den Bau. 

Businessplan gefordert

Geothermie:  Goldesel oder Millionengrab?

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Goldesel oder Millionengrab? Holzkirchen steckt viel Geld in die Geothermie samt Kraftwerk. Nur: Rechnet sich das? Diese Frage warf Birgit Eibl (FWG) nun auf. Sie fordert einen Businessplan.

Holzkirchen – Die Geothermie ist eine Investition in die Zukunft. Was die Marktgemeinde aktuell an Millionen Euro in ihr Prestige-Projekt pumpt, sprudelt in den kommenden Jahren, so die Hoffnung der Verantwortlichen, vielfach wieder aus der Tiefe. Nämlich sobald das Kraftwerk, das bald in Bau gehen soll (siehe Kasten), die Wärme in Strom umwandelt. Die auf 20 Jahre garantierte EEG-Vergütung verspricht prächtige Rendite. Mit einem jährlichen Erlös von sechs Millionen Euro darf laut dem Kraftwerk-Hersteller Turboden gerechnet werden.

Doch bis die ersten Millionen aus der Verstromung auf das gemeindliche Konto fließen, wird von dort erst einmal weiter abgebucht. Zu den elf Millionen Euro Anschubfinanzierung gesellte sich im Jahr 2017 ein Nachschub von 2,85 Millionen Euro. In diesem Jahr folgen ein Darlehen in Höhe von 2,85 Millionen Euro und eine erneute Kapitaleinlage von 3,33 Millionen Euro. Die Gesamtkosten für beide Bohrungen und das Kraftwerk beziffert die Geothermie GmbH auf insgesamt zirka 40 Millionen Euro.

In der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats wurden aus Reihen der Freien Wähler Gemeinschaft nun Zweifel an dieser Zahl und Unmut über die fortlaufenden Zahlungen laut. „Wir sehen das Ende der Fahnenstange erreicht“, monierte FWG-Fraktionsvorsitzende Birgit Eibl mit Blick auf die neuerliche Kapitaleinlage und das Darlehen. Sie rechne inzwischen mit Kosten von bis zu 80 Millionen Euro. Woher sie diese Zahl ableitet, sagte Eibl nicht. In jedem Fall fehle ihr aber eine Antwort auf die Frage: „Was bekommen wir raus? Es kann doch nicht so schwer sein, einen Businessplan aufzustellen.“

Konkrete Zahlen also gegen die Ungewissheit. Die Krux: „Wir haben die neuen Zahlen selbst noch nicht“, erläutert Bürgermeister Olaf von Löwis auf Nachfrage. Wir, das ist in diesem Fall der Aufsichtsrat der Geothermie GmbH, dem Löwis vorsitzt. In der Aufsichtsratssitzung Ende April würde die Firma, die die Gemeinde berät, eine Zwischenbilanz vorstellen – mit allen Kosten, die anfallen, und den errechneten Erlösen. Wie alle Treffen der Aufsichtsräte sei jedoch auch dieses „nicht öffentlich“ , sagt Löwis und verdeutlicht aber zugleich: „Es gibt da nichts Geheimes.“

Per Gesetz seien die Mitglieder des Gremiums – allesamt Marktgemeinderäte der vier Parteien – jedoch zur Verschwiegenheit verpflichtet, erklärt Löwis, auch ihrer Fraktion gegenüber. Martin Taubenberger und Hubert Müller, die die FWG im Aufsichtsrat vertreten, dürften Interna somit nicht einfach an Eibl weitergeben, ohne dass diese vorab freigegeben wurden. Sobald die neuen Zahlen dem Aufsichtsrat aber vorgestellt und geprüft wurden, verspricht Löwis, gebe man sie an den gesamten Marktgemeinderat und die breite Öffentlichkeit weiter. „Die Bevölkerung muss ja wissen, was da läuft.“

Wie Eibl auf ein Kostenvolumen von 80 Millionen Euro kommt, wisse er nicht, sagt Löwis. Dass die Kosten inzwischen etwas über den anvisierten 40 Millionen liegen, könne jedoch sogar sein. Das hat aber einen einfachen Grund: Das Wasser, das aus der Tiefe nach oben befördert wird, sei heißer als ursprünglich angenommen. Entsprechend werde die Leistungsfähigkeit des Strom-Kraftwerks größer dimensioniert und so die Effizienz gesteigert, um mehr Energie zu erzeugen.

Das bedeutet im Umkehrschluss allerdings auch: mehr Strom gleich höhere Vergütung. Somit steigen möglicherweise nicht nur die Kosten, sondern bestenfalls auch der Gewinn. Innerhalb des zwanzigjährigen EEG-Vergütungszeitraums wurde mit rund 16 Millionen Euro Gewinnausschüttungen an Holzkirchen gerechnet. Winkt dem Markt vielleicht sogar mehr? Löwis gibt sich noch vorsichtig euphorisch: „Die neue Zahlen bestätigen das entweder oder fallen besser aus.“

Endgültige Gewissheit gibt es, sobald das Kraftwerk ans Netz geht. Während die Fernwärme Ende dieses Jahres nutzbar sein soll, soll ab Anfang 2019 Strom in der Alten Au produziert werden. Zweifel am Erfolg des Projekts lässt Löwis nicht aufkommen. Im Gegenteil: „Es nimmt einen außergewöhnlich guten Verlauf.“

fp

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