Das Kraftwerk arbeitet: Techniker Manfred Theesfeld stellt die Regelungen ein. Foto: Geothermie Holzkirchen.

„Ein Meilenstein“

Geothermie Holzkirchen: Das erste Stromgeld ist verdient

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Das Holzkirchner Geothermie-Kraftwerk hat den ersten Strom ins öffentliche Netz eingespeist - und die ersten Euros verdient. Bald soll die Stromproduktion ständig laufen.

Holzkirchen Der 4. Juli hat bisher besonders für die USA einen magischen Klang. Es ist ihr Nationalfeiertag, am 4. Juli 1776 wurde die Unabhängigkeitserklärung ratifiziert. So eine Art „Independence Day“ dürfen fortan auch die Holzkirchner mit dem 4. Juli verbinden: An diesem Sommertag anno 2019 speiste das Geothermie-Kraftwerk in der Alten Au den ersten Strom in öffentliche Netze ein. Die ersten Euros aus dem EEG-Topf fließen nach Holzkirchen, das Projekt verdient endlich „eigenes“ Geld.

Ökostrom aus Geothermie, made in Holzkirchen – auf dieses Ziel hat die Marktgemeinde seit Jahren hingearbeitet. In einer Sondersitzung am 30. April 2015, vor über vier Jahren, hatte der Marktgemeinderat mehrheitlich beschlossen, das Mammutprojekt anzupacken. 40 Millionen Euro wurden investiert; etwa die Hälfte davon sind Steuergelder, die das Rathaus als Anschubfinanzierung direkt an das Tochterunternehmen Geothermie Holzkirchen GmbH überwies. Den Rest besorgte sich die GmbH auf dem Kapitalmarkt.

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Geothermie-Kraftwerk in der Alten Au: Das erste Stromgeld ist verdient

Es galt, einige Krisen bei den Bohrungen und zuletzt bei der Tauchkreiselpumpe zu überwinden (wir berichteten). Ende 2018 begann endlich die Ernte: Die Energie des Thermalwassers bediente zunächst das Fernwärmenetz der Gemeindewerke. Der eigentliche Goldesel, oder neudeutsch „Cashcow“, ist aber die Verstromung. Das dafür nötige Kraftwerk musste sich heuer einer monatelangen TÜV-Überprüfung stellen. Nach der Freigabe startete Anfang Juli der Probebetrieb.

Wie Albert Götz, Leiter der Gemeindewerke und Chef der gemeindeeigenen Geothermie GmbH, jetzt mitteilte, wurde am 4. Juli erstmals für kurze Zeit geothermisch erzeugter Strom mit einer Leistung von 600 Kilowatt ins öffentliche Netz eingespeist. Vom Regelbetrieb, in dem dauerhaft mit einer Leistung von über drei Megawatt Strom ins Netz geliefert werden sollen, ist man zwar noch ein Stück entfernt. Götz ist aber zufrieden: „Die erstmalige Stromproduktion stellt einen weiteren Meilenstein in der umwelt- und klimafreundlichen Energieerzeugung in Holzkirchen dar.“

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Geothermie Holzkirchen: Noch läuft der Probebetrieb

Der 4. Juli markiert den Beginn des Vergütungszeitraums im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Jede ins Netz gelieferte Kilowattstunde wird in den kommenden 20 Jahren mit 25,20 Cent vergütet. Diese Erlöse sollen entscheidend dafür sorgen, dass die Investitionen refinanziert werden. Der Markt Holzkirchen bekommt so seine Millionen zurück, darf sogar auf Gewinne hoffen – und stellt umweltfreundliche Energie zur Verfügung.

Noch läuft nur ein Probebetrieb. Laut Götz werden alle Betriebsparameter abgeglichen, alle Anlagenteile synchronisiert und das Zusammenspiel optimiert. Ein Expertenteam des italienischen Kraftwerkherstellers Turboden ist derzeit auf dem Holzkirchner Geothermiegelände mit diesen Aufgaben beschäftigt.

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