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Hier sprudelt Energie aus der Tiefe: Aus der Vogelperspektive fallen die großen Ventilatoren (Luftkondensatoren) der Holzkirchner Geothermie-Anlage auf, sie gehören zum Kraftwerk (hinten im Bild). Im Vordergrund die Wärmezentrale, die das Fernwärmenetz der Gemeindewerke beschickt.

Löwis will weitere Gemeinden ins Boot holen

Geothermie Holzkirchen: Neue Bohrung mit neuen Partnern?

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Die Geothermie in Holzkirchen ist auf dem Weg zum Happy End. Bürgermeister Olaf von Löwis schaut schon nach vorne - und könnte sich weitere Gemeinden als Partner vorstellen.

Holzkirchen - Das Geothermie-Projekt des Markts Holzkirchen hatte seine dramatischen Momente, steuert aber auf ein Happy End zu. Das Thermalwasser liefert Fernwärme und klimafreundlichen Strom. Der Erfolg macht Mut. Holzkirchens Bürgermeister kann sich weitere Bohrungen vorstellen – dann aber als Gemeinschaftsprojekt mehrerer Gemeinden.

Olaf von Löwis will nichts beschönigen. Die Entscheidung, innerhalb von sieben Jahren 19,175 Millionen Steuergeld in ein vielversprechendes, aber nicht risikofreies Energieprojekt zu stecken, sei anfangs keinem Gemeinderat leicht gefallen, sagt der Bürgermeister. „Ein enormer Kraftakt.“ Rückschläge bei den Bohrungen und ein Wust an regulatorischen Vorgaben „haben uns unzählige schlaflose Nächte bereitet“, bekennt Löwis.

Doch jetzt, im September 2019, steht der Rathauschef entspannt im offenen Kraftwerksraum, zwischen großen Rohren, in denen Thermalwasser und das Arbeitsmittel Isobutan zirkulieren, dessen Dampf die Turbinen antreibt. „Es funktioniert“, sagt Löwis.

Geothermie: Ein Fünftel von Holzkirchen bereits am Netz

Am 4. Juli speiste das Kraftwerk erstmals Strom ins Netz, die Refinanzierung hat begonnen. Finanziell hat man sicheren Boden unter den Füßen. „Wir dachten anfangs, wir müssen bei anderen Projekte einige Jahre den Gürtel enger schnallen“, sagt der Bürgermeister, „aber diese Sorge war unbegründet.“ Neben den 19,175 Millionen Direkteinlage in die gemeindeeigene „Geothermie Holzkirchen GmbH“ gewährte das Rathaus dem Tochterunternehmen Kredite in Höhe von 5,825 Millionen Euro. Den Rest des Investments finanziert das Darlehen eines Bankenkonsortiums.

Die Wirtschaftlichkeits-Berechnung sieht vor, dass nach 20 Jahren, wenn die garantierte Einspeisevergütung für den Geothermie-Strom ausläuft, die Kredite zurückbezahlt sind. „Dann haben wir eine Anlage, die abbezahlt ist, aber läuft“, sagt Albert Götz, Chef der Gemeindewerke und der Holzkirchner Geothermie. Selbst wenn mit Strom dann nicht mehr viel zu verdienen ist, kann die Thermal-Energie das wachsende Fernwärme-Netz der Gemeindewerke bedienen. „Anders als bei der Verstromung, da liegt der Wirkungsgrad bei 15 Prozent, können wir die Fernwärme-Energie 1:1 verkaufen“, sagt Götz.

Besuch im Kraftwerk: Albert Götz (l.) Chef der Geothermie GmbH, und Bürgermeister Olaf von Löwis.

Ob die Energie verstromt wird oder Holzkirchner Haushalten einheizt, regelt ein automatisiertes Computerprogramm – je nach Anforderung. Etwa ein Fünftel Holzkirchens ist ans Fernwärmenetz angeschlossen, darunter viele große Gebäude. „Die Geothermie hat die Nachfrage gesteigert“, berichtet Götz. Die Gemeindewerke seien bemüht, den Ort nach und nach mit Hauptleitungen zu durchziehen. Eine organisatorische Gratwanderung, betont Götz: „Würden wir überall gleichzeitig aufgraben, bewegt sich in Holzkirchen nicht mehr viel.“

Löwis will über Kooperationen nachdenken

Richtig viel bewegt sich im Geothermie-Kraftwerk, wenn es jetzt draußen kälter wird. Denn dann, erklärt Götz, kühlt das zirkulierende Arbeitsmittel Isobutan gut ab, kann im erneuten Durchlauf die Thermal-Energie besser aufnehmen und entwickelt mehr Dampfkraft auf die Turbine. Die künstliche Abkühlung übernehmen 18 mächtige Ventilatoren. „Es war mal angedacht, mit Wasser zu kühlen“, sagt Götz. Der zu erwartende Wasserdampf gleich neben der viel befahrenen B 318 habe diese Gedankenspiele aber beendet.

Brand in Hotel: Es hätte dramatisch enden können.

Andere Gedankenspiele indes beginnen erst. Eine zusätzliche Bohrung in der Alten Au, um die klimaneutrale Energie in über 5000 Metern Tiefe noch stärker anzuzapfen – der Bürgermeister kann sich das vorstellen. „Die Wirtschaftlichkeit muss sich abbilden lassen“, gibt sich Götz zurückhaltend. Doch Löwis hat gelernt, dass sich Mut auszahlen kann. Warum umstrittene Windräder bauen, „wenn Geothermie eine Ressource ist, die wir nutzen können.“ Vorstellbar sei eine Kooperation von Gemeinden aus der Region. „Wir sollten darüber nachdenken.“

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