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"Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe": Albert Götz, Geschäftsführer der Gemeindewerke, erklärt den Strategiewechsel beim Geothermieprojekt.

Dank neuem Gesetz: Geothermie wechselt die Strategie

Geothermie-Wärme kommt früher - Strom kann warten

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Holzkirchen - Das Holzkirchner Großprojekt profitiert vom neuen EEG-Gesetz: Für die lukrative Verstromung können sich die Gemeindewerke jetzt mehr Zeit lassen.

Das Holzkirchner Geothermie-Projekt wechselt die Strategie. Lag bisher die terminliche Priorität auf der Verstromung durch ein Kraftwerk, rückt jetzt die Fernwärme-Nutzung an die Spitze des Zeitplans. Wie Albert Götz, Geschäftsführer der Gemeindewerke und der Geothermie Holzkirchen GmbH, jetzt mitteilte, wird die Energie aus der Tiefe bereits 2017 ins Fernwärme-Netz der Gemeindewerke eingespeist. Der Kraftwerksbau in der Alten Au wird ins Jahr 2018 verschoben.

Es läuft rund für das ehrgeizige Energie-Projekt der Marktgemeinde. Zwei gute bis sehr gute Nachrichten gaben zuletzt Auftrieb: Die Fündigkeit ist wie erhofft eingetreten (wir berichteten) und der Gesetzgeber ändert das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in einer Form, wie es sich Holzkirchen immer gewünscht hat: Die Frist dafür, die optimale Einspeisevergütung 20 Jahre lang für ein neues Geothermie-Kraftwerk zu erhalten, endet nicht am 31. Dezember 2017, sondern erst Ende 2019.

Holzkirchen muss also nicht mehr hetzen, um 2017 das Kraftwerk am Netz zu haben. Hätte man den Termin gerissen, wäre die Einspeisevergütung (25,2 Cent je Kilowattstunde) um fünf Prozent niedriger ausgefallen (Degression) – angesichts der erwarteten Energiemenge und der 20-jährigen Laufzeit eine stattliche Summe. „Das Diktat der Degression, das bisher die zeitlichen Prioritäten bestimmt hat, fällt nun weg“, freut sich Götz. 

Die neue Freiheit nutzen die Gemeindewerke für einen Strategiewechsel: Der Zeitplan wird umgestellt. Die Inbetriebnahme des Strom-Kraftwerks, die bisher spätestens am 31. Dezember 2017 vorgesehen war, soll nun erst am 1. Januar 2019 erfolgen. Stattdessen wird die Ankoppelung der Geothermie an das Fernwärme-Netz um ein Jahr auf 2017 vorgezogen.

„Wir nutzen die Gesetzesänderung, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“, sagt Götz. Einerseits könne man den Bürgern früher als geplant geothermische Fernwärme zur Verfügung stellen. Das heißt auch, dass die Gemeindewerke bereits erstes Geld mit der Geothermie verdienen. Andererseits gewinnt man Zeit, um das lukrative Stromgeschäft technisch optimal vorzubereiten.

 „Wir können das Kraftwerk auf der Basis der endgültigen Leistungsdaten beider Bohrungen planen“, sagt Götz, „der neue Zeitplan verbessert die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojekts.“ Nicht zuletzt dürften sich alle Holzkirchner freuen, „die uns fragen, wann die umweltfreundliche Wärme aus dem Erdinneren endlich zur Verfügung steht“. 

Die Arbeiten in der Alten Au laufen indes zügig weiter. Nachdem die erste Bohrung mit einer Thermalwassertemperatur von über 140 Grad Celsius und einer Schüttung von mehr als 60 Litern pro Sekunde prächtige Grundlagen geliefert hat (wir berichteten), fiel am 25. Juni der Startschuss für die zweite Bohrung, die erneut in rund 5000 Meter Tiefe führen wird. Am 4. Juli erreichte der Bohrmeißel bereits 932 Meter Bohrstrecke – und damit das Ende des ersten von fünf Bohrabschnitten. Mit einer Fündigkeit rechnet Götz Ende September. 

avh

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