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Wo passiert was? Die Geothermie liefert erste Energie. Wir die Erklärung, welches Gebäude welche Funktion hat. 

Kühl-Koloss, Goldesel und Co.

Geothermie Holzkirchen: Wir erklären, wo was passiert

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    Florian Prommer
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Seit einer Woche sprudelt Thermalwasser aus der Alten Au. Die Geothermie in Holzkirchen speist seither das Fernwärmenetz. Nur: Wo passiert das? Ein Blick hinter die Kulissen.

Holzkirchen – Exakt zweieinhalb Jahre ist es her, dass Albert Götz die freudige Nachricht verkündete: „Wir sind fündig“, frohlockte der Chef der Holzkirchner Gemeindewerke im Juni ’16. Bei der ersten Bohrung in der Alten Au war man auf Thermalwasser gestoßen. Der endgültige Startschuss des Geothermie-Projekts. Seither wurde gebibbert, gebohrt, gebaut und gepumpt.Nach ersten Probeläufen und der TÜV-Abnahme ist die Geothermie inzwischen in Betrieb. Zunächst wird das Wasser aus der Tiefe in die Fernwärme eingespeist, ab dem Frühjahr 2019 soll es verstromt und vergoldet werden. Wir erklären, wo auf dem Gelände was passiert.

Die Wärme-Zentrale

1: Seit einer Woche können Holzkirchner Haushalte mit Energie aus der Tiefe heizen, jedenfalls diejenigen, die am gemeindlichen Fernwärmenetz hängen. Möglich macht das die Wärmezentrale, in der zwei große Plattenwärmetauscher (je zehn Megawatt) und ein kleiner (fünf Megawatt) installiert sind. Sie nehmen die Wärme des Thermalwassers auf und übertragen sie auf das Wasser des Fernwärmenetzes. Außerdem sind hier künftig Öl- und Gaskessel untergebracht – als Reserve, sollte die Geothermie mal ausfallen.

Der Kühl-Koloss

2: Schießt das Thermalwasser aus der Tiefe an die Oberfläche (55 Liter pro Sekunde), erhitzt es dort ein Spezialgas, dessen Dampf wiederum die Turbinen im Kraftwerk antreibt. Weil aber nicht alles an Energie abgeschöpft wird, muss das Gas wieder kondensiert werden. Es muss in die Kühlung. Und die liegt in 15 Metern Höhe. Auf der Stahlkonstruktion an der B 318 sind 18 sogenannte Luftkondensatoren montiert, gigantische Ventilatoren mit einem Fünf-Meter-Durchmesser. Sie kühlen das Spezialgas herunter, sodass es wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden kann.

Das Herzstück

3: Das Herz der Geothermie pumpt 550 Meter unter der Erdoberfläche. Die Tauchkreiselpumpe befördert das 155 Grad heiße Wasser durch hunderte Meter stählernes Steigrohr an die Oberfläche, über die silbernen Leitungen gelangt der dann erzeugte Dampf ins Kraftwerk. Um die Pumpe im Bohrloch zu versenken, waren zwei vor kraftstrotzende Kräne nötig. Sie ist das Herzstück der Anlage. Entsprechend teuer war sie. Eine Million Euro kostete die Erstanschaffung. Durch den Dauerbetrieb nutzt sie jedoch ab. Einzelne Bauteile müssen somit hin und wieder ausgetauscht werden. Steht die Pumpe jedoch still, kostet das die Marktgemeinde zusätzlich Geld.

Der Goldesel

4: Unter der Holzverschalung im Süden des Areals versteckt sich der 20 Tonnen schwere Goldesel der Geothermie. Die Turbine im Kraftwerk soll erstmals im Frühjahr 2019 angefeuert werden. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Ernte. Den erzeugten Strom speist die Gemeinde bekanntlich ins Netz ein, dank der auf 20 Jahre staatlich garantierten Vergütung von 25,2 Cent pro Kilowattstunde fließen Millionen an Rendite zurück aufs Gemeindekonto. Der italienische Turbinenhersteller Turboden rechnet damit, dass die nach Holzkirchen gelieferte Technik jährlich etwa sechs Millionen Euro erwirtschaften kann. In den nächsten zwei Jahrzehnten könnte sich das Rathaus nach dieser Rechnung auf 16 Millionen Euro freuen. „Wir wollen mit der EEG-Vergütung Geld verdienen, um unsere Investition abzuzahlen“, betonte Götz jüngst. Immerhin hat die Gemeinde summa sumarum über 40 Millionen Euro in die Geothermie gesteckt.

Das technische Hirn

5: Wäre die Geothermie ein Raumschiff, das Schaltanlagengebäude wäre die „Brücke“, der Kommando-Stand. Hier wird die elektrische Energie „verpackt“ für die Einleitung ins Stromnetz. Diesen Job übernehmen Hoch- und Mittelspannungs-Transformatoren. Frequenz-Umrichter steuern die Leistung der Thermalwasser-Pumpe, je nach Bedarf.

Im ersten Stock ist die Kommandobrücke untergebracht, von hier hat man alle Abläufe der hochkomplexen Anlage im Blick – sowohl beim Blick aus dem Fenster als auch beim Blick auf die „Instrumente“. Weitere Büros im Gebäude sind für die Geothermie-Verwaltung reserviert. Untergebracht ist hier auch ein größerer Werkstatt-Bereich für Reparaturen und Instandsetzungen.

fp

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