Zu viel Konfliktpotenzial für eine schnelle Verbindung: Die Machbarkeitsstudie sieht Probleme, wenn der Radschnellweg durch Holzkirchen über den Bahnhof geführt wird.
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Zu viel Konfliktpotenzial für eine schnelle Verbindung: Die Machbarkeitsstudie sieht Probleme, wenn der Radschnellweg durch Holzkirchen über den Bahnhof geführt wird.

Ein Weg mit großen Aufgaben

Geplanter Radschnellweg Otterfing-Gmund stößt auf Hürden

Eine durchgehende Radstrecke von München bis an den Tegernsee – das ist das Ziel eines ambitionierten Projekts. Holzkirchen unterstützt die Idee. Der Gemeinderat hat die weiteren Planungen für einen Radschnellweg Otterfing-Gmund befürwortet. Zur Wegführung durch den Ort gibt’s aber noch einige Fragen.

Holzkirchen – Die Zahlen, die das Projekt grob umreißen, hat Jonas Marwein von der Bernard-Gruppe zum dritten Mal vorgestellt – nach Warngau und Gmund (wir berichteten) nun in Holzkirchen. Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) begrüßte den Planer sowie dessen Kollegin und Projektleiterin Vanessa Platt per Videoschaltung.

Das Unternehmen war mit der Machbarkeitsstudie beauftragt, die klären sollte, ob ein Radschnellweg von Otterfing nach Gmund „technisch machbar“ ist. Bei den Untersuchungen hat sich eine 22,5 Kilometer lange „Vorzugstrasse“ herauskristallisiert (siehe Kasten). Etwa elf Millionen Euro würde der Weg auf dieser kosten. Holzkirchen trifft es mit einem relativ kleinen Anteil: rund 1,2 Millionen Euro für eine Strecke von 4,2 Kilometern. Zum Vergleich: Die Strecke auf Warngauer Flur kostet 4,8 Millionen Euro. Allerdings rechnen die Planer mit hohen Zuschüssen von Bund und Freistaat.

Idee Parkhaus

„Der Verlauf kann sich in den nächsten Planungsschritten noch ändern“, hatte Marwein seinen Ausführungen vorausgeschickt. Wie die Debatte im Marktgemeinderat zeigte, tun sich hier tatsächlich noch Fragen auf. Zweifel gab es vor allem an der Streckenführung über die Erlkamer Straße, die zur Fahrradstraße werden soll.

Elisabeth Dasch (SPD) erinnerte, dass das Verkehrskonzept der Marktgemeinde dort ein Parkhaus vorsehe. „Wie verträgt sich das?“, fragte sie. Grundsätzlich sei eine Fahrradstraße möglich, auch wenn dort ein Parkhaus liege, sagte Marwein. Projektleiterin Platt schränkte aber ein: „Es ist nicht ganz unproblematisch.“ Das Fahrrad sollte in einer Fahrradstraße eigentlich das dominierende Verkehrsmittel sein. Sebastian Franz (CSU) wollte auf alle Fälle die Polizei miteinbezogen haben, wenn die Wahl auf diese Route falle.

Warum die Trasse nicht über den Bahnhof führe, fragte Hubert Müller (FWG) nach. „Der beste Radweg ist der direkteste Weg, und das sind Bahnhof- und Otterfinger Weg.“ Marwein erklärte, dass die Bebauung an diesen Wegen den Ausbau nach dem Standard Raddirektverbindung verhindere. Karl Bär (Grüne) warnte zudem, dass eine Führung über den Bahnhofsplatz viel Konfliktpotenzial berge – weniger mit dem motorisierten Verkehr als vielmehr mit Fußgängern. Für den Weg durch den Ort meinte er: „Da hat Holzkirchen noch große Aufgaben vor sich.“

Andocken an die B318

Der vorgestellten Vorzugstrasse, die südlich von Holzkirchen über weite Strecken an der B 318 entlang führt, erteilte Bär ein Lob. „Es macht Sinn, direkt an der Bundesstraße entlang zu fahren.“ Dasch hatte genau das „schade“ gefunden. „Ich hätte mir eine alternative Trasse gewünscht“, sagte sie. Auch wenn die Lage an der Bundesstraße den Vorteil habe, dass der Bund die Baulast trage.

Wolfgang Huber (SPD) vermisste an der Machbarkeitsstudie eine „ökologische Gegenrechnung“. Mit dem Ausbau landwirtschaftlicher Wege zu Radwegen werde viel Boden versiegelt, sagte er. Eine solche ökologische Bilanz sei mit der Machbarkeitsstudie tatsächlich nicht aufgestellt worden, bestätigte Platt. „Die Hoffnung ist aber auch, dass sich der Verkehr mehr auf Radwege verlagert, wenn Radverbindungen ausgebaut werden.“ Huber merkte außerdem an, es sei eine Milchmädchenrechnung, dass der Bund die Baulast für Radwege entlang „seiner“ Straßen trage. „Am Ende zahlt das immer der Steuerzahler, also wir.“ Dennoch stehe er hinter dem Projekt, betonte Huber.

Das tat die Mehrheit der Gemeinderäte. Gegen fünf Stimmen befürwortete das Gremium weitere Planungsschritte, zu denen unter anderem die Abstimmung des konkreten Verlaufs gehört. Hinsichtlich des Verkehrskonzept hat die Marktgemeinde die Vorzugstrasse bereits berücksichtigt. In die Wettbewerbsunterlagen sei diese aufgenommen, erklärte Eva-Maria Schmitz von der Standortförderung.

Christine Merk

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