Anwohner Christoph Gerz baut am Modell zum Wohngebiet am Valleyer Weg in Holzkirchen.
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Klötzchen bauen: Auch Anwohner Christoph Gerz durfte sich in einem Zelt am Valleyer Weg am Modell für das neue Wohnquartier versuchen. Er ist nach wie vor skeptisch.

Bauträger will Wünsche berücksichtigen

Geplantes Wohngebiet am Valleyer Weg: Bürgerbeteiligung gut angenommen

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Ein Treffpunkt unter Bäumen, Generationenwohnen, Carsharing: Das wünschen sich Holzkirchner laut der Bürgerbeteiligung für das neue Quartier am Valleyer Weg. 

Holzkirchen – Die Wahrnehmung ist unterschiedlich. „Die Interessenlage ist jetzt zwar klarer“, sagt Anwohner Christoph Gerz. „Aber die Lage hat sich nicht grundlegend geändert.“ Max von Bredow, Vorstandsvorsitzender der Quest AG, sieht die Sache positiver: Zwar hätten gerade direkte Nachbarn Ängste geäußert. Bei vielen Bürgern überwiege aber der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum. Und: „Wir haben sehr viel über die Wünsche der Menschen und über die Bedürfnisse der heutigen Bewohner gelernt.“

Drei Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung

Diese klopfte Bauträger Quest nun im Rahmen einer Bürgerbeteiligung zur geplanten Wohnbebauung „Winklbauerhöfe“ am Valleyer Weg ab. Drei Veranstaltungen fanden statt. Bei der digitalen Bürger- und Nachbarschaftswerkstatt nahmen laut Bredow jeweils rund 25 Haushalte teil. Beim Ideenbüro – bei dem Bürger am Modell bauen durften – machten circa 15 Haushalte mit. „Uns freut, dass die Beteiligung auch digital sehr gut funktioniert hat und so viele Menschen teilgenommen haben“, betont Bredow.

Verkehr und Massivität sind Kritikpunkte

Wie berichtet, bebaut Quest eine Wiese zwischen Valleyer Weg und Angerstraße. Geplant sind fünf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 60 bis 70 Wohnungen. Einen Teil davon erwirbt die Gemeinde. Ein Knackpunkt ist die Verkehrssituation. Die Erschließung soll über Frühlingstraße und Valleyer Weg erfolgen. Anrainer befürchten ein Verkehrschaos, zumal es sich jetzt schon am Bahnübergang staue. Gemeinde und Quest wollen mit einem Mobilitätskonzept gegensteuern, das unter anderem Autoverzichtserklärungen enthält. Anwohner hatten zudem die Massivität der Bebauung kritisiert.

Holzkirchner bringen Wünsche ein

Im Zuge der Bürgerbeteiligung, die Korbinian Kroiss von nonconform übernahm, haben sich laut Planer folgende Themen als wichtig herauskristallisiert: Zum einen würden sich viele Bürger einen Treffpunkt für alle wünschen. „Mit der Möglichkeit unter Bäumen zu sitzen“, meint Bredow. Auch der Platz am Bahnübergang spiele eine wichtige Rolle. „Dort finden bei geschlossener Schranke spontane und informelle Treffen statt.“ Nach Ansicht der Bürger soll das neue Wohnquartier für alle Menschen „durchwegbar sein“. Es soll viel Grün, eine hohe Aufenthaltsqualität und Raum für Aktivitäten geben. Ein Gemeinschaftsgarten und Obstbäume seien gewünscht, genau wie ein Mehrgenerationenwohnen, eine Betreuung durch Pflegedienste oder eine ambulant betreute Wohngemeinschaft. Außerdem sprachen sich die Leute laut Bredow für ein Mobilitätskonzept aus, von dem auch die jetzigen Bewohner über Car- oder Bikesharing profitieren. Und: Der Bahnübergang sollte modernisiert werden.

Anwohner bleibt zurückhaltend

Anwohner Gerz, der bei Nachbarschaftswerkstatt und Ideenbüro mitmachte, bleibt zurückhaltend. „Die Idee mit den Klötzchen war zwar gut“, sagt er. Allerdings sei bei der Betrachtung des Modells genau das herausgekommen, was er befürchtet habe: „Die Bebauung wird zu massiv.“ Er hat festgestellt: „Das Modell war immer dann am schönsten, wenn noch ein paar Klötzchen übrig geblieben sind.“ Heißt: Je weniger, desto besser. „Da bin ich nicht der Einzige, der das so sieht.“ Würde sich die Gemeinde hier „einen Ticken“ bewegen, wäre schon eine Verbesserung spürbar, glaubt Gerz.

Auch für den zweiten „Brocken“, die Verkehrssituation, gebe es keine Lösung. Die Gemeinde habe „übertrieben optimistische Vorstellungen“, was das Mobilitätskonzept angehe. Das Prinzip Autoverzicht funktioniere vielleicht in der Stadt mit U-Bahn. „Hier auf dem Land sind die Leute einfach aufs Auto angewiesen“, sagt Gerz.

Städtebaulicher Entwurf soll bald kommen

Für Bredow steht fest: „Wir sind jetzt in der Bringschuld.“ Gemeinsam mit Architekt Christoph von Oefele und Landschaftsarchitekten Uwe Schmidt soll jetzt weitergeplant werden, unter der Berücksichtigung der Bürgerwünsche. „Wir versuchen, den größten gemeinsamen Nenner zu finden.“ Zusätzlich soll Verkehrsexperte Matthias Reintjes ein Verkehrsgutachten und ein detailliertes Mobilitätskonzept erstellen. Der städtebauliche Entwurf soll bei einer digitalen Abschlusspräsentation am 26. April der Öffentlichkeit gezeigt werden. Dann ist der Gemeinderat am Zug. Laut Gerz warten viele Anwohner nun auf das Ergebnis: „Wir sind gespannt und in Lauerstellung.“

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