Strafgesetzbuch
+
Eine ungewöhnliche Strafe brummte der Richter der jungen Frau auf (Symbolbild).

Ungewöhnliche Strafe

Gericht: Fahranfängerin muss Aufsatz über Unfallflucht schreiben

Die Leberkassemmel kommt eine 18-Jährige teuer zu stehen: Sie krachte im HEP-Parkdeck gegen ein Auto, beging aber Unfallflucht. Nun landete sie vor Gericht.

Holzkirchen – Im Juni 2020 soll die 18-Jährige aus Feldkirchen-Westerham eines Mittags im Parkdeck des Holzkirchner Einkaufsparadieses (HEP) beim Einparken auf ein anderes Fahrzeug aufgefahren sein, es wurde an der Stoßstange beschädigt. Statt den Halter oder die Polizei zu informieren, machte sie sich aus dem Staub – und stand nun als Angeklagte vor dem Amtsgericht Miesbach.

Die Fahranfängerin erinnerte sich noch gut an den Tag im Juni, an dem sie eine ihrer letzten Schulprüfungen hatte: „Wir hatten eine Englischprüfung in der Schule und wollten noch ins HEP, um dort unsere letzte Leberkassemmel zu essen.“ Mit einer Freundin habe sie sich von der Schule in Holzkirchen aus zum HEP begeben – die 18-Jährige am Steuer, ihre Freundin auf dem Beifahrersitz. Ja, die Musik im Auto sei sehr laut gewesen, gab die Angeklagte zu. Im Überschwang sei sie „dann wohl beim Vorwärts-Einparken auf das andere Auto drauf gefahren“. Sie selbst habe nichts vom Aufprall mitbekommen, versicherte die Feldkirchnerin – wohl aber ihre Freundin. Das Duo stieg aus, um nachzusehen, ob ein Schaden zu erkennen war. „Wir haben aber nichts gesehen“, beteuerte die junge Frau. So holten die beiden sich ihre Leberkassemmel und fuhren anschließend wieder davon.

Einem Zeugen hat der Fahrer des geparkten Wagens zu verdanken, dass der Unfallhergang doch ans Licht kam. „Ich habe gesehen, dass ein schwarzes Auto in die Parklücke fuhr, ein anderes Fahrzeug touchierte und beide gewackelt haben“, sagte der Münchner (22) vor Gericht aus. Beide Kennzeichen habe er sich für den Fall der Fälle notiert. Einen größeren Schaden habe er am Wagen aber nicht erkennen können.

Der Fahrzeughalter, ein 66-Jähriger aus Waakirchen, brachte den Wagen in eine Werkstatt. Nachdem er eine satte Rechnung über 1050 Euro erhielt, informierte er die Polizei. „Der Schaden wurde von der gegnerischen Versicherung wiedergutgemacht“, so der Waakirchner.

Auch ein Sachverständiger untersuchte den Unfallhergang. Der 60-Jährige war sich sicher, „dass eindeutig eine Schadenskorrespondenz zwischen den beiden Fahrzeugen besteht“. Auch die Erschütterung durch den Aufprall hätte bis zu einer gewissen Lautstärke der Musik „deutlich spürbar und hörbar sowie der Schaden sichtbar sein müssen“, erklärte der Sachverständige.

Weil der Waakirchner seine Anzeige jedoch zurückzog und die Feldkirchen-Westerhamerin sich bei ihm entschuldigte, stellte Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid das Verfahren vorläufig ein.

Damit ihr die Sache dennoch eine Lehre ist, erhielt die 18-Jährige eine eher unkonventionelle, aus Sicht des Richters aber sinnvolle Strafe: Sie muss vier handschriftliche DIN A4-Seiten über die Folgen des unerlaubten Entfernens vom Unfallort schreiben. „Fahren Sie einfach vorsichtiger, und wenn sowas noch mal passiert, dann hinterlassen Sie einfach einen Zettel und verständigen die Polizei“, gab er der Fahranfängerin mit auf den Weg.

VON PHILIP HAMM

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare