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Gerichtliches Nachspiel einer Beinahe-Tragödie

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Melle, Deutschland 03. Mai 2022: Ein Einsatzfahrzeug, Streifenwagen der Polizei mit Blaulicht, im Hintergrund sieht man
Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte musste sich eine Holzkirchnerin nun vor dem Amtsgericht verantworten. Ihr Verfahren wurde angesichts der Umstände aber eingestellt (Symbolbild). © IMAGO/Fotostand / Gelhot

Als sie in eine Klinik eingeliefert werden sollte, wehrte sich eine Frau aus Holzkirchen. Die Sache hatte nun ein gerichtliches Nachspiel.

Holzkirchen – Ein besorgter Vater setzt einen Notruf ab. Seine Tochter hatte ihm kurz zuvor angekündigt, sich umbringen zu wollen. Die herbeigeeilten Sanitäter finden die junge Frau in ihrer Wohnung vor. Körperlich soweit unversehrt, aber betrunken und verwirrt. Diese Beinahe-Tragödie spielte sich in Holzkirchen ab und hatte jetzt ein Nachspiel vor dem Miesbacher Amtsgericht. Die Frau musste sich wegen des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in drei Fällen verantworten.

Der Vorwurf: Als die Rettungskräfte sie in die Klinik fahren wollten, sei die Frau gegen einen herbeigeholten Polizisten verbal aggressiv geworden und habe versucht, sich aus dem Sicherheitsgriff des Beamten zu lösen. Als sie in den Rettungswagen gebracht werden sollte, stemmte sie sich wiederum dagegen. Schließlich gelang es aber doch, die Holzkirchnerin in die psychiatrische Klinik zu bringen.

Alkohol bei Medikamenten löst Psychosen aus

Das war auch nötig, befand sich die Frau doch in desolatem Zustand. „Sie war Alkoholikerin und leidet an einer bipolar-affektiven Erkrankung“, erklärte ihr Verteidiger Max-Josef Hösl vor Gericht. Seine Mandantin habe lediglich vor der Unterbringung im Krankenhaus flüchten wollen und deshalb versucht, sich den Maßnahmen der Einsatzkräfte zu entziehen. Im Krankenhaus hätten die Ärzte Depressionen und eine manische Störung festgestellt. Ebenso einen Blutalkoholkonzentrationswert von 2,13 Promille. Die Medikamente gegen die Krankheit führten in Verbindung mit Alkohol zu Psychosen, erklärte der Anwalt. Ganz bei Sinnen sei seine Mandantin daher am Tattag nicht gewesen: „Sie war sogar der Meinung, die anwesenden Personen seien Puppen.“

Auch der Vater trat als Zeuge auf. Schon vor dem Tattag habe er mehrfach vergeblich versucht, seine Tochter dazu zu überreden, sich ärztlich behandeln zu lassen, schilderte der Mann. Die Tochter habe dies vehement abgelehnt. „Aber sie konnte die Situation selbst gar nicht einschätzen“, ergänzte der Vater. „Sie fragte mich am Telefon sogar, ob ich es bin oder ob sie mit einem Computer spricht.“

Nachdem der Mann den Notruf gewählt hatte, eilte er selbst zur Wohnung seiner Tochter. Sanitäter sowie Polizisten hätten die Frau ins Krankenhaus bringen wollen, „aber sie sträubte sich“, erinnerte sich der Zeuge. Dann habe seine Tochter versucht, in die Wohnung zu gelangen, ein Beamter stellte sich ihr jedoch in den Weg.

Auch der Polizist (25) von damals erinnert sich noch gut an diesen Tag. Die Versuche der Frau, die Maßnahmen der Einsatzkräfte zu unterbinden, waren laut dem 25-Jährigen eher „passiver Widerstand. Sie hat mich weder geschlagen noch getreten oder beleidigt“.

Heute will die Frau ihre Behandlungen durchziehen

Im Gerichtssaal entschuldigte sich die Holzkirchnerin bei dem Beamten für ihr Verhalten. Der Polizist wünschte ihr alles Gute und dass sie bald wieder auf die Beine komme.

Eine Verurteilung wäre dabei nicht förderlich, da waren sich Richter Walter Leitner, die Staatsanwaltschaft sowie Rechtsanwalt Hösl einig. Sinnvoller erschien den dreien eine vorläufige Einstellung des Verfahrens, die jedoch an diverse Bedingungen geknüpft ist. Die Holzkirchnerin muss eine ambulante Alkoholtherapie machen sowie die bereits begonnene psychiatrische Behandlung fortsetzen. Die Frau versicherte ihr Einverständnis: „Und ich will beides auch durchziehen.“

hph

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