Frau wartete mit Rollator

Holzkirchner Taxifahrer fährt Rentnerin (91) an

Aus Versehen hat ein Taxifahrer (37) eine 91-jährige Frau angefahren. Sie stand hinter seinem Wagen, als er zurücksetzte. Der Taxifahrer musste sich nun wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Holzkirchen – Fehler im Straßenverkehr passieren irgendwann immer zum ersten Mal. Der Meinung ist zumindest der Miesbacher Amtsrichter Walter Leitner. Für einen 37-jährigen Taxifahrer aus Holzkirchen traf das am 15. Juni vergangenen Jahres zu. Bitter: Nun fand er sich auf der Anklagebank wieder – wegen fahrlässiger Körperverletzung.

In den Morgenstunden des besagten Tages fuhr der Holzkirchner das Altenwohnheim in Miesbach an, um eine Bewohnerin für eine Untersuchung ins Agatharieder Krankenhaus zu bringen. „Ich habe alles so gemacht wie immer“, erzählte der Angeklagte. „Zunächst habe ich den Rollstuhl der Frau in den Kofferraum meines Taxis geladen und ihr dann beim Einsteigen geholfen.“ Bevor er losfuhr, habe er in die Seiten- und in den Rückspiegel geschaut. „Es war kein Hindernis in Sicht“, erinnerte sich der 37-Jährige. Also setzte er seinen VW Caddy „mit weniger als Schritttempo“ zurück. Doch dann habe es plötzlich gekracht. Sofort sei er ausgestiegen. Als er Richtung Kofferraum eilte, traute der Mann seinen Augen kaum. Dort lag eine Frau, eine 91 Jahre alte Bewohnerin des Seniorenheims.

„Ich habe ihr sofort aufgeholfen und Hilfe geholt“, sagte der Holzkirchner. Auch ein Rettungswagen wurde alarmiert, um die Frau ins Krankenhaus zu bringen. Dort erhielt die 91-Jährige mehrere unschöne Diagnosen: Der linke Ellenbogen war gebrochen, das Schambein ebenfalls und in der linken Schulter riss eine Sehne. „Ich war erst drei Wochen stationär in Agatharied, danach noch einmal drei Wochen auf Reha in der Simssee-Klinik“, sagte die Rentnerin vor Gericht aus.

Aus ihrer Sicht spielte sich der Unfall folgendermaßen ab: „Ich wollte spazieren gehen, aber bevor ich aus der Ausfahrt hinaus ging, wollte ich noch das Taxi rausfahren lassen“. Mit rund zwei Metern Abstand zum Auto, wie das Unfallopfer schätzte, stellte sich die Frau mit ihrem Rollator hinter das Taxi. „Und dann hat es plötzlich gekracht“, schilderte die 91-Jährige. Ob der Holzkirchner die Frau hinter seinem Auto gesehen haben muss, dessen war sich die Rentnerin jedoch nicht sicher.

Wegen der geringen Schwere der Schuld, fragte Ernst Lohs, Rechtsanwalt des Angeklagten, ob in diesem Fall nicht eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage ausreichen würde. Der Richter war dem nicht abgeneigt, doch die Staatsanwaltschaft verneinte. Nach dieser eindeutigen Botschaft des Staatsanwalts zog der Taxifahrer seinen Einspruch zurück. Er bleibt nun auf den Kosten des Verfahrens sowie den Nebenkläger-Kosten sitzen.

hph

Rubriklistenbild: © dpa

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