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In ihren Arbeiten verbinden sich Kunst und Handwerk: Monika Häussler-Göschl in ihrer Ausstellung.

Skulpturen aus Garn, Stoff & Co.

Gestrickt, geflochten, gedruckt: Holzkirchner Textilkünstlerin stellt aus

  • vonHeidi Siefert
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Monika Häussler-Göschl macht Kunst. Nicht mit Farbe, Holz oder Stein, sondern aus Garn oder Stoff. Ihre Skulpturen zeigt sie nun in einer Ausstellung in Holzkirchen.

Holzkirchen – Wie sehr sich das Publikum nach Kultur sehnt, zeigte die Resonanz bei Monika Häussler-Göschls Ausstellungseröffnung „Im Wandel – Textile Objekte“. Trotz hochsommerlicher Temperaturen kamen zahlreiche Gäste in die Galerie im Autopavillon im Holzkirchner Gewerbegebiet. So freuten sich Gastgeber Hans Steingraber jun. und künstlerischer Leiter Horst Hermenau mit der Holzkirchner Textilkünstlerin über einen gelungenen Neustart nach Monaten, in denen man sich auf digitale Alternativen hatte beschränken müssen.

Hygiene- und Abstandsregeln erforderten eine besondere Dramaturgie. So gab es zunächst die Theorie im geräumigen Neuwagen-Showroom, erst dann ging es – in kleinen Gruppen – zu den Exponaten. Die Empore dürfen derzeit maximal zehn Gäste gleichzeitig betreten.

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Der Prozess des Entstehens einer Skulptur sei ihr wichtig, erklärte Häussler-Göschl: „Wie macht das Material, was ich will, ohne dass ich es dazu zwingen muss?“ Bisweilen gehe dadurch ein Exponat in eine ganz andere Richtung, als ursprünglich gedacht. Aspekte des Wandels habe sie darstellen wollen, erzählte die gelernte Bekleidungstechnikerin und studierte Textilkünstlerin. Da sei der „Riss“, ein breites Band in unterschiedlichem Blau – ein Symbol der Veränderung. Von ihr in Strick umgesetzt, wie fast alles. Mal handgestrickt, mal mit der Maschine, wie „Change“. Sonnenuntergang und Blaue Stunde standen für das frei im Raum hängende, sich stets bewegende Objekt Pate, das auf den ersten, flüchtigen Blick an eine Doppelhelix erinnert, sich dann aber unerwartet biegt und krümmt und das Material so zieht, dass eine zweite Farbebene sichtbar wird. Aus Rosshaar gehäkelt ist das strahlend rote Knäuel auf einem weißen Podest. „Zwei Schritte vor und einer zurück“ hat Häussler-Göschl es genannt, weil das widerspenstige Material verlange, immer wieder von vorn anzusetzen, um ein Stück voranzukommen.

Mustergültige Synthese von Kunst und Handwerk

Kurator Hermenau würdigte die Synthese von Kunst und Handwerk, die erst mit Bauhaus und Dadaismus erfolgt und hier mustergültig gelungen sei: bei den luftigen Kupferdrahtgeflechten „Doppelhelix“ und „lose“, den hellblau quellenden Kringeln „Jetzt“, die an Strickliesel-Würste erinnern, den Papiergarn-Drucken auf handgeschöpften Bögen oder „Crumpled – Zerknittert“, bei dem grobe Wolle und zarter Tüll eine Liaison eingehen. Eines müssen sich die Besucher aber verkneifen: das Fühlen. „Ohne Corona hättet ihr anfassen dürfen“, erklärte die Künstlerin.

Zu sehen ist „Im Wandel – Textile Objekte“ noch bis 12. September 2020 in der Galerie im Autopavillon Steingraber: montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr. 

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