Nicht immer ist es für Radler so einsam auf der MB 10 südlich von Oberwarngau. Eine neue Radtrasse zwischen Otterfing und Gmund soll deswegen eine schnelle Direttissima vom Norden an den Tegernsee schaffen.
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Nicht immer ist es für Radler so einsam auf der MB 10 südlich von Oberwarngau. Eine neue Radtrasse zwischen Otterfing und Gmund soll deswegen eine schnelle Direttissima vom Norden an den Tegernsee schaffen.

Machbarkeitsstudie für Rad-Direktverbindung Otterfing-Gmund

Gesucht: Ein Highway für Alltagsradler

  • Andreas Höger
    VonAndreas Höger
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Raus aus dem Auto, rauf aufs Radl: Um klimafreundliche Mobilität vor der Haustür zu fördern, wollen die Anlieger-Gemeinden eine attraktive Rad-Direktverbindung von Otterfing nach Gmund schaffen. Die Machbarkeitsstudie mit Trassenvorschlägen und Kostenschätzungen liegt jetzt vor. Die spannende Frage lautet: Spielen die Grundstücksbesitzer mit?

Holzkirchen – Warngau macht den Anfang. In der Sitzung am 13. Juli wird dem Gemeinderat die Machbarkeitsstudie vorgestellt, die aufzeigt, wo auf Warngauer Flur idealerweise der Radweg verlaufen soll. Die beteiligten Gemeinden Holzkirchen, Otterfing, Warngau, Waakirchen und Gmund hatten sich zu diesem gemeinsamen Projekt verabredet und den Landkreis mit ins Boot geholt. Die Standort-Marketing-Gesellschaft (SMG) im Landkreis Miesbach in Person von Regionalmanager Florian Brunner übernahm die Federführung. Die Kosten für die Machbarkeitsstudie (gut 50 000 Euro) teilen sich Gemeinden und Landkreis.

Die öffentliche Präsentation der Machbarkeitsstudie läutet die harte politische Phase des ambitionierten Projekts ein. Denn sind die Trassen identifiziert und von den Gemeinderäten abgesegnet, geht es darum, die Baulastträger der einzelnen Abschnitte zu bestimmen, die Finanzierung zu klären – und vor allem, sich um den Erwerb der nötigen Grundstücksstreifen zu kümmern. Eine heikle Aufgabe, weiß auch Regionalmanager Brunner. Wo genau die Trassen verlaufen, will er deswegen noch nicht verraten. „Das überlassen wir den Gemeinden“, sagt er auf Anfrage.

Mal schnell in den Nachbarort radeln: Dazu soll der neue Weg verführen

Bei der Ausarbeitung der Studie holte das beauftragte Verkehrsplanungsbüro Bernard im Vorfeld die Expertise von Fachverbänden ein, von ADFC, Naturschutz-Organisationen und Touristikern. „Wir wollten vorab klären, an welchen Stellen es zu große Hürden gibt und womöglich Sackgassen drohen, die später viel Zeit kosten“, sagt Brunner. Die große Aufgabe war, eine möglichst schnelle Radwegtrasse zu finden, die etwa Pendler animiert, auch für längere Strecken zwischen Gemeinden aufs Rad oder E-Bike zu steigen. Oder die zum Einkaufen mit dem Radl in den Nachbarort lockt, damit dort nicht noch mehr Autos die Straßen verstopfen.

„Wir wollen das Alltagsradeln fördern, darum geht es“, sagt Brunner. Deswegen verzichte man bewusst auf touristisch vielleicht interessante, aber zu weitläufige Schnörkel. Die (noch geheime) Trasse dürfte sich also mehr oder weniger an der B 318 und der Bahn orientieren. „Die Vorgabe lautete, möglichst Bahnhöfe, Wohngebiete und große Arbeitgeber zu vernetzen.“

Das Stichwort Bahnhof bringt die zweite Zielgruppe ins Spiel: Tagesausflügler aus München sollen ihr Auto zuhause lassen und entweder direkt über bestehende Radschnellwege in den Landkreis einrollen oder an einem der Bahnhöfe aussteigen und dort in Richtung Tegernsee losradeln, der dann zügig zu erreichen ist.

Gemeinden bekommen erste Kostenschätzungen an die Hand

Um bei der Ausgestaltung flexibel zu bleiben, ist die Breite des Wegs nicht genau festgelegt. 3,50 bis fünf Meter nennt Brunner als Richtwert. Asphaltiert werden soll der „Radl-Highway“ auf jeden Fall auf voller Länge, in einigen Bereichen auch belichtet.

Die Studie gibt den Gemeinden nicht nur Trassenkorridore, sondern auch Kostenschätzungen an die Hand. „Erste ungefähre Hausnummern“, sagt Brunner, „die Studie ist ein Werkzeug, mit dem die Gemeinden weiterarbeiten können.“ Längst nicht ausgemacht ist, wer die einzelnen Radweg-Passagen bezahlt. Laut Brunner könnten an der Flanke der B 318 Bund und Freistaat als Baulastträger auftreten.

Wo Gemeinden gefordert sind, seien verschiedene Geschwindigkeiten denkbar, sagt Brunner, angesichts der Länge sei dies sogar wahrscheinlich. Eine Option wäre, dass der Landkreis die Rad-Direktverbindung (mit)organisiert und finanziert, wie es der Landkreis München vormacht. Die kommunale Hand könne derzeit beim Radwegebau mit schönen Zuschüssen rechnen, glaubt Brunner: „Interkommunale Zusammenarbeit wird in der Regel gut honoriert und priorisiert.“

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