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So geht’s zur Speisenweihe: Das Osterlamm liegt im Körbchen mit Eiern, Schinken, Salz, Fladen und Osterkerze.

Das Osterlämmchen

Ein Glaubenssymbol zum Anbeißen

Holzkirchen - Ostern ohne Osterlamm, das ist wie Weihnachten ohne Plätzchen. Für Barbara Stahl aus Buch bei Kleinhartpenning hat das Lamperl aber noch mehr Bedeutung. Die Hartpenninger Pfarrgemeinderats-Vorsitzende verrät hier ihr Rezept.

Am heutigen Karsamstag wird in manchem Haushalt wohl wieder ganz unchristlich geflucht, wenn das Osterlamm aus der Form kommt: Hält der Kopf am Hals – oder an der Form? Auch Barbara Stahl hat schon so ihre Erfahrungen gemacht mit dem traditionellen Gebäck. „Wir mussten das auch schon kitten“, verrät die 42-jährige Bäuerin. Wenn keine Zeit mehr war, ein neues zu backen, mussten Zahnstocher helfen. Das Einbuttern der Form ist deshalb das A und O beim Lämmchenbacken. Aber von vorne. 

Eine besondere Form 

Das Lamperl bei Familie Stahl ist aus Rührteig. „Der hält besser als Biskuit und bleibt länger saftig“, sagt Stahl. Ihr Rezept hat sie von ihrer Mutter. Die zimmerwarme Butter wird zuerst schaumig aufgeschlagen. Dann kommt der Zucker hinzu und etwas für den Geschmack. Das kann ein Esslöffel Rum sein oder Vanillemark. Familie Stahl bevorzugt geriebene Zitronenschale. Dann werden zwei Eier mit dem Teig aufgeschlagen. Am Ende kommen Mehl, Backpulver und Milch dazu und werden kurz glatt untergerührt. „Das war der ganze Zauber“, sagt Bäuerin Stahl. 

Dann werden die beiden Hälften der Form mit weicher Butter ordentlich dick ausgepinselt (vor allem am Kopf mit der Schnauze und den Ohren) und mit Mehl ausgestäubt, ehe die Hälften mit den Klammern fest zusammengesteckt werden. Stahls helle, glänzende Blechform ist schon alt, ein Familienerbstück. Der Kopf des Lamms schaut zur Seite, nicht nach vorn – genau so, wie das Lamm Gottes auf kirchlichen Gemälden seinen Betrachter anblickt. „Ich habe mal versucht, eine zweite solche Form zu finden“, erzählt Stahl. Gefunden hat sie nur eine einzige mit seitlich gerichtetem Blick, mit dunkler Teflonbeschichtung. „Aber beim fertigen Lamperl schaut der Kopf aus wie ein Lolli“, deshalb kommt die neue Form doch nicht zum Einsatz. 

Trick zum Einfüllen 

Beim Einfüllen hat Mama Stahl einen Trick: Sie gibt den Teig erst in einen Spritzbeutel ohne Tülle. Tochter Margreth (16) assistiert. Der Tropfen, der daneben geht, dient als erste Kostprobe: „Der Teig schmeckt schon mal gut“, sagt Margreth. „Mit dem Spritzbeutel hat man mehr Druck auf dem Teig“, erklärt ihre Mutter. „Dadurch werden die Ohren und die Schnauze besser ausgefüllt als mit einem Löffel.“ Und Luftblasen rausklopfen braucht man auch nicht. Der Teig wird nur ein bisschen glattgestrichen. Bis zum Rand der Form bleiben knapp drei Zentimeter frei, damit der Teig beim Backen nicht überläuft. 

Jetzt geht’s in den Ofen. In der Küche des Bernhardhofs in Buch, der schon um 1300 in der Chronik auftaucht und in der heutigen Form in den 1950ern erbaut wurde, gibt es einen gemauerten Holzofen. Der heizt zwar den ganzen Wohntrakt, zum Lamperlbacken nimmt die Bäuerin aber lieber das elektrische Backrohr, das man genau einstellen kann – zu leicht wird der Kopf des Lamperls zu dunkel. Der Teig in der Form kommt für 35 bis 45 Minuten bei 180 Grad in den vorgeheizten Ofen. 

Die Form stellt Barbara Stahl auf ein Backblech. „Das schützt den Kopf vor zu viel Hitze von unten.“ Die Form wird beim Öffnen nicht senkrecht gestellt, sondern hingelegt. So kann man noch was retten, wenn der Kopf doch festgebacken ist. Bei Familie Stahl geht diesmal alles gut. Der Boden wird mit dem Messer eben geschnitten, damit das feine Backwerk stabil steht, außerdem erhält das ausgekühlte Lamperl den letzten Schliff: Mit dem Messer kratzt Stahl die Kanten glatt. Dann bekommt das Lämmchen sein weißes Fell aus Puderzucker. „Wir haben früher ab und zu das zweite mit Schokolade überzogen, dann hatten wir ein schwarzes und ein weißes“, erinnert sich Stahl, „für die Kinder war das nett.“ Einmal hat eine der Töchter versucht, dem Lamperl ein Baiser-Fell aufzuspritzen. Die Mühe war umsonst, als die Strukturen verlaufen sind. „Einmal und nie wieder“, sagt die Bäuerin.

Symbolische Zierde 

Das Osterlamm bekommt ein Glöckchen um den Hals, in den Rücken wird eine Fahne gesteckt, die Stahls Mutter gestickt hat. Dann kommt das Lamperl zusammen mit einem Osterfladen, der Osterkerze, die jedes Jahr die Oma macht, einem Stück Schinken und gefärbten Eiern ins Körbchen für die Speisenweihe am Ostersonntag. Die Eier hat Stahl angepeckt, „damit der Segen reinkommt“. Auch ein Beutel Salz ist im Körbchen, die eine Hälfte kommt nach der Segnung ins Salzbüchserl der Familie, die andere ins Salz fürs Milchvieh. „Früher war die Speisenweihe einfach ein Brauch für mich“, sagt die Hartpenninger Pfarrgemeinderatsvorsitzende. „Aber wenn man sich die Bedeutung bewusst macht, wird einem das noch wichtiger.“ Das Lamperl steht für Jesus, der sich geopfert hat, um die Menschen zu erlösen, die Fahne für die Auferstehung.

Segen für alle 

Bei aller Tradition muss sich auch manches mal ändern. Bei Familie Stahl ist der Braten am Ostersonntag mittags abgeschafft worden. Mutter Barbara, Vater Josef und die fünf Kinder Barbara (24), Anna (22), Seppi (20), Margreth (16) und Sophie (14) brunchen lieber zusammen mit den gesegneten Speisen, wenn sie aus der Kirche heimkommen. So hat die Mutter auch etwas vom Familienfest und steht nicht am Herd. Später kommen die Feuerbuben und bringen die glimmenden Zunteln mit dem Osterfeuer vorbei. Das kommt in den Holzofen. Und von dort wärmt der Ostersegen das ganze Haus. 

Von Katrin Hager

Die Zutaten

-125 Gramm weiche Butter -80 Gramm Zucker -Zitronenschale, Rum oder Vanille nach Geschmack -zwei mittelgroße Eier -225 Gramm Mehl -ein Teelföffel Backpulver -1/2 Kaffeetasse Milch

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