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Beschränkte Durchfahrt: Die Kindergartenbrücke ist seit Dezember auf 1,20 Meter verengt.

Kindergartenbrücke

Die gleiche Brücke zweimal bauen ?

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Die Marktgemeinde Holzkirchen hofft im Vorfeld der BOB-Elektrifizierung auf Zuschüsse für den Neubau der Kindergartenbrücke. Auch, damit diese nicht zweimal umgebaut werden muss.

Holzkirchen – Das „Eisenholz“ hält nicht mehr, was es einst versprach. Aus Bongossi, einem angeblich besonders stabilen Tropenholz, baute die Bahn 1988/1989 die „Kindergartenbrücke“, die das Gleis zwischen Frühlingstraße und Austraße überspannt. Seit Dezember 2017 ist klar: Die Eisenholz-Brücke ist nicht mehr voll belastbar, ein Neubau muss her.

Den würde die Marktgemeinde gerne anpacken, vorher aber eine wichtige Frage beantwortet bekommen: Macht es nicht Sinn, die Brücke gleich höher zu bauen, damit später einmal die Stromkabel für die geplante Elektrifizierung des BOB-Netzes unten durchpassen? Und wenn dem so ist: Könnten der Freistaat oder die DB Netz, die diese Elektrifizierung ja zu finanzieren hätten, nicht schon beim Neubau mitzahlen?

Derzeit endet die Elektrifizierung der Gleise gleich nach dem Holzkirchner Bahnhof, just an besagter Brücke. „Es ist aber davon auszugehen, dass die Elektrifizierung des Oberland-Netzes in absehbarer Zeit kommt“, sagt Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU). Den Bürgern sei kaum zu vermitteln, dass innerhalb weniger Jahre zweimal die gleiche Brücke gebaut werde – einmal niedriger, einmal höher. Er schaltete Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU) ein, die zusagte, diesbezüglich mit den Verantwortlichen der Bahn zu sprechen.

Bisher, so seufzt Löwis, will die Bahn von einer finanziellen Beteiligung nichts wissen. Das Unternehmen baute und bezahlte zwar vor 30 Jahren die Brücke, „schenkte“ sie dann aber der Gemeinde. „Mittlerweile steht fest, dass die Brücke falsch gebaut worden ist“, sagt der Bürgermeister. Leider könnten weder Bahn noch Baufirma belangt werden. „Das ist verjährt“, sagt Löwis, „also Pech für uns.“

Im Dezember 2017, um die Weihnachtszeit, hatte das Rathaus die Bescherung:Ein Statiker stellte bei einer Routine-Kontrolle fest, dass die Holzkonstruktion bedenklich angefault ist. Er empfahl, die auf eine Belastung von bis zu sechs Tonnen ausgelegte Brücke nicht mehr unter Volllast zu nehmen. Um sicher zu stellen, dass nicht zu viele Menschen oder Radler gleichzeitig unterwegs sind, installierte der Bauhof einen nur 1,20 Meter breiten Korridor.

Rot-weiße Absperrgitter kanalisieren seitdem die Kindergartenbrücke, die viel genutzt wird und als motorfreie Verbindung eine wichtige Rolle für die Durchlässigkeit des Ortskerns spielt. „Die Brücke ist stabil“, stellt Löwis klar; die Tonnage-Beschränkung sei eine vorsorgliche Sicherheitsmaßnahme, um jedwede Eventualität auszuschließen. Jedoch belegen regelmäßige Untersuchungen, dass sich der Zustand der Holzkonstruktion weiter verschlechtert – wenn auch nur sehr langsam.

Rund 500 000 Euro veranschlagt die Marktgemeinde für den Neubau der Brücke. „Für die Elektrifizierung müsste sie höher ausfallen, was natürlich mehr kostet“, sagt Löwis. Diese Mehrkosten würde die Gemeinde gerne erstattet bekommen – obwohl die BOB-Elektrifizierung noch nicht offiziell in der Finanzplanung der DB Netz gelistet ist. „Wir hoffen, dass uns Verkehrsministerin Ilse Aigner helfen kann“, sagt Löwis. Erst wenn es da verbindliche Aussagen gibt, will die Gemeinde weiterplanen.

Ob Holzkirchen nächstes Jahr seine Brücke bekommt? „Ich befürchte Schlimmstes“, sagt der Bürgermeister. Die mögliche Kostenbeteiligung aus dem Topf der Bahn-Infrastruktur sei es sicher wert, eine „kleine Ehrenrunde“ zu drehen. „Mehr Sorge macht mir das alte Problem der Bahn“, sagt Löwis; Zuständigkeiten würden hin- und hergeschoben. „Wir finden dort einfach keinen Ansprechpartner.“

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