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Sie und ihre Kühe sollen von der Wiese verschwinden, will der Kläger: Landwirtin Regina Killer.

anwohner verklagt bäuerin

Der Glocken-Krieg von Holzkirchen - Ein Stimmungsbericht aus dem Gerichtssaal

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Gebimmel, Gestank, Gesundheitsgefahr: So sieht ein Anwohner in Holzkirchen die Kuhhaltung auf der Weide neben seinem Haus. Vor dem Landgericht eskalierte der Streit neu. Auf beiden Seiten.

München/Holzkirchen – Eine Frau im Trachtenjanker läuft wutentbrannt aus der Eingangstür des Landgerichts München II. „Da könnt ich so zintig werden“, ruft sie. Weil der Zug aus Holzkirchen im Landkreis Miesbach eine Dreiviertelstunde Verspätung hatte, kommt sie nicht mehr in den Gerichtssaal 501. Doch auch andere, die früher da waren, dürfen nicht mehr rein. Alles überfüllt. Die Presse ist da; und dutzende Holzkirchner wollen Bäuerin Regina Killer, 42, unterstützen. Die sitzt bereits mit ihrer Anwältin im Saal, auf dem Tisch vor ihr steht das Corpus Delicti: eine Kuhglocke.

Sie symbolisiert den Kuhglocken-Streit zwischen Killer und dem Unternehmer Reinhard U., der sich in Holzkirchen inzwischen zum Politikum ausgewachsen hat. Auch Bürgermeister Olaf von Löwis of Menar (CSU) ist da. Denn U. verklagt sowohl Pächterin Killer als auch die Gemeinde als Grundstückseigentümerin. Er will, dass der Bäuerin die Weidehaltung neben seinem Haus untersagt wird. Dabei geht es ihm vor allem um den Lärm der Kuhglocken. Aber auch um Wertverlust, Gestank und Gesundheitsgefahr durch Weidestechfliegen. Außerdem seien die Glocken Tierquälerei. Der Kläger und seine Frau würden inzwischen unter Schlaflosigkeit und Depressionen leiden. Der Neu-Holzkirchner hatte das Haus am Rande des Ortsteils Erlkam vor vier Jahren gekauft. Ein Jahr später pachtete Killer die Wiese und ließ fünf bis sieben Kühe weiden.

Richterin Agnes Winkler weiß, dass die Gemüter erhitzt sind. Darum weist sie gleich darauf hin, dass Ruhe im Gerichtssaal zu herrschen habe. Das hier sei „nicht die richtige Plattform“ für Meinungsäußerungen. Wer sich nicht daran halte, könne des Saals verwiesen werden.

„Dann ist Bayern am Ende“: Regina Killer, hier im Gerichtssaal mit ihrer Anwältin, kämpft um mehr, als um Glocken.

Die Zuschauer hören anfangs ruhig zu. Doch ganz können manche dann doch nicht an sich halten. Etwa, als der Anwalt von Reinhard U. sagt, dass man sich einem Vergleich nie verschließe, aber es „müsste noch einiges draufgelegt werden“. Denn: „Wenn die Kühe nicht lärmen, dann riechen sie. Um es freundlich auszudrücken.“ Gelächter im Saal. Ein Zuschauer sagt: „Darum zieht man dann auch da hin.“

Die Richterin müht sich mehr als eineinhalb Stunden lang, die beiden Parteien zu einer gütlichen Einigung zu bewegen. Sie selbst könne nur entscheiden, ob ein Anspruch des Klägers bestehe oder nicht. „Ich kann nur schwarz-weiß malen. Sie aber können bunt malen.“ Soll heißen: Killer und U. können eine individuelle Vereinbarung treffen. Am Amtsgericht in Miesbach hatten sie vor zwei Jahren bereits einen Vergleich geschlossen. Dieser regelt, dass die Kühe nur auf der Südseite der Weide Glocken tragen dürfen. Doch der Vergleich reicht U. nicht mehr.

Deshalb trifft man sich nun vor dem Landgericht. Doch statt sich anzunähern, verhärten sich die Fronten im Laufe der Verhandlung immer mehr. Die Argumente prallen nur so aufeinander. Laut Anwalt von Reinhard U. gebe es kein Argument dafür, warum man in Zeiten von Hightech noch Glocken braucht. „Sie sind offenbar nicht von dort. Das ist ortsüblich“, sagt die Anwältin der Gemeinde. Antwort: „Nur weil etwas ortsüblich ist, muss es doch nicht ortsüblich bleiben. Die Dinge ändern sich ständig.“

Lesen sie hier: Kuhglocken-Streit, die Hintergründe - darum klagt der Nachbar erneut und will die Kühe jetzt ganz weghaben.

Der Bäuerin geht es vor allem darum, dass die Kühe durch die Glocken wiedergefunden werden, sollten sie einmal auskommen. Deshalb plädiert U.s Anwalt für GPS-Sender statt Glocken. U. würde sie sogar spendieren. Damit kann sich die Gegenseite aber nicht anfreunden. „Es ist ja nicht mit einem GPS-Sender getan“, sagt Killer, „wo soll ich da anfangen und wo aufhören?“ Und die Batterie könne auch irgendwann leer sein. Der Bürgermeister sagt, dass es nicht überall GPS-Empfang gebe. Außerdem brauche es auch Empfangsgeräte, ergänzt die Anwältin der Kommune. „GPS ist ein kleiner Unterschied zu Glocken.“

Killer erzählt, dass eine ihrer Kühe vor elf Jahren tagelang durch den Wald geirrt sei. „Die wäre ohne Glocke nie gefunden worden.“ Damit wäre sie zum Abschuss für die Jäger freigegeben worden. Und es komme ja nicht nur alle elf Jahre vor, dass ein Tier abhaut.

Richterin Winkler macht beiden immer wieder klar, dass für beide ein Prozessrisiko bestehe, zu verlieren. Man solle sich lieber einigen. Doch am Ende muss sie ins Protokoll diktieren: „Es wird festgestellt, dass eine Einigung nicht möglich ist.“ Nun will sie am 14. Dezember eine Entscheidung verkünden. Das kann sowohl ein Urteil sein als auch ein Beschluss, wie es im Prozess weitergehen soll. Ob etwa Zeugen gehört werden oder eine Messung vorgenommen wird.

Reinhard U. will nach der Verhandlung nicht mit der Presse reden und sich nicht fotografieren lassen. Regina Killer allerdings stellt sich den Fragen zahlreicher Journalisten. Sie will auf alle Fälle weitermachen und nicht klein beigeben, sagt sie. „Denn es geht nicht nur um mich und meine Glocken, sondern um mehr. Wenn es so weitergeht, ist Bayern am Ende. „Dann kämen auch keine Touristen mehr. „Das ist wohl keinem bewusst.“ Und dann sagt sie noch etwas über den Kläger: „Den hat schon was anderes gestochen als eine Weidefliege.“ Dafür erntet sie Applaus von mitgereisten Holzkirchnern. „Wir stehen hinter der Regina“, sagt eine Frau. „Wenn man das nicht mehr machen darf, das ist ja Wahnsinn.“

gut

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