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Lehrerin dringend gesucht: Die Klasse 3c der Grundschule an der Baumgartenstraße verlor in dem Schuljahr gleich zwei Klassenleiterinnen.

Grundschule Baumgartenstrasse

Grundschulklasse seit Wochen ohne Lehrer - wie kann das sein?

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Die Klasse 3c der Grundschule an der Baumgartenstraße muss seit Wochen auf eine Klassenleiterin verzichten. Wo sind all die Lehrkräfte? Und wäre das Chaos vermeidbar gewesen? Die Hintergründe.

Holzkirchen – Der Stress begann im Januar, als die schwangere Klassenleiterin der 3c ausfiel. Das Schulamt in Miesbach konnte keinen Ersatz schicken, weil das Kontingent der Mobilen Reserve aufgezehrt war. „Es ist tatsächlich keine Vollzeit-Lehrkraft mehr frei“, räumt Ursula Weiss-Brummer ein, die stellvertretende Leiterin des Miesbacher Schulamts, „es gibt leider Jahre, in denen das vorkommt.“

Das 30-köpfige Lehrerkollegium, zuständig für aktuell etwa 250 Schüler, versucht nach Kräften, die Lücke zu stopfen. „Einige haben sogar Stunden aufgestockt“, sagt Schulleiterin Mona Fottner. Man opfere den Differenzierungs-Unterricht in anderen Klassen, um der 3c zu helfen. „Die Lehrer versuchen wirklich alles“, betont Fottner.

An regulären Unterricht ist freilich nicht zu denken. „Nebenfächer wie Sport, Musik und Kunst fallen komplett aus“, berichtet Klassenelternsprecherin Nicola Brandstätter. Die 25 Kinder der 3c wurden teilweise früher nach Hause geschickt, teilweise gruppenweise auf andere Klassen verteilt. „Manchmal haben sie nur Mandalas gemalt“, sagt die Elternsprecherin.

Um stofflich am Ball zu bleiben, müssen die Acht- und Neunjährigen andererseits fünf Stunden Mathe am Stück über sich ergehen lassen. „Sie hatten sieben verschiedene Lehrer in einer Woche“, sagt Brandstätter. Sie wisse den Einsatz der Pädagogen sehr zu schätzen. Lehrer, Schulleitung und Schulamt seien alle bemüht, die Situation zu entschärfen. „Aber unsere Kinder sind alle völlig durch den Wind, die brauchen in ihrem Alter eine feste Bezugsperson.“

Im Frühjahr zeichnete sich ein Hoffnungsschimmer ab. Eine Lehrerin nahm sich der Klasse fest an, ist aber seit Ostern krankgeschrieben. „Unsere Kinder hängen wieder in der Luft“, seufzt Brandstätter. Auch Schulleiterin Mona Fottner ist verzweifelt: „So eine extreme Verkettung unglücklicher Umstände habe ich noch nie erlebt.“

Immerhin, Besserung scheint in Sicht. „Wir hoffen, dass eine neue Lehrkraft bald fest einspringen kann“, sagt Weiss-Brummer. Parallel versucht Fottner, eine ehemalige Kollegin zu reaktivieren. „Mir gefällt, dass alle gemeinsam versuchen, die Lage zu meistern“, sagt die Vertreterin des Schulamts, „es ist eine ungute Situation, für die niemand etwas kann.“

Dass die Mobile Reserve in diesem Jahr nicht reichte, liegt nicht zuletzt an dem prinzipiell erfreulichen Umstand, dass überraschend viele Lehrerinnen schwanger wurden. Von landkreisweit über 20 Schwangerschaften ist die Rede. „Das häuft sich“, bestätigt Weiss-Brummer, „und ist für uns natürlich kaum planbar.“

Trotzdem könne es nicht sein, findet die Elternbeiratsvorsitzende Christine Dörrhöfer, dass Lehrer und vor allem Kinder diese Personalplanung ausbaden müssen. „Auch Schule und Schulamt sind da allein gelassen.“ Sie sieht die Politik gefordert, für solche Fälle auf überregionaler Ebene zusätzliche Personalreserven vorzuhalten. „Wir brauchen da Hilfe von oben“, ergänzt die Klassenelternsprecherin. An der Finanzierung dürfe es nicht scheitern, findet Fottner: „Wäre schade, wenn für Bildung nicht genug Geld da wäre.“

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