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Ein Tag der Freude: Weihbischof Wolfgang Bischof (r.) zelebriert den festlichen Gottesdienst für die Grundsteinlegung der neuen katholischen Kirche St. Josef in Holzkirchen. Viele Gläubige verfolgen das Geschehen auf dem Bauplatz.

Ein Wahrzeichen erwacht

Grundsteinlegung für St. Josef

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Holzkirchen - Für die Gläubigen war es ein Moment der Freude: Am Freitag fand die Grundsteinlegung für die neue katholische Kirche St. Josef in Holzkirchen statt. Weihbischof Wolfgang Bischof zelebrierte den festlichen Gottesdienst. Schon Ende 2017 soll das neue Gotteshaus fertig sein.

Der handwerkliche Moment fasziniert. Schweigen, viele Besucher legen ihre sonnenbebrillten Köpfe schief. Es zischt und rauscht und der Spengler Martin Burgmayer lötet die metallene Zeitkapsel zu. In dem Behälter befinden sich Euro-Münzen, ein Grundrissplan des Kirchenzentrums, eine Urkunde und eine aktuelle Ausgabe des Holzkirchner Merkur. Weihbischof Wolfgang Bischof legt die Zeitkapsel mit der vom Vorgängerbau in den Grundstein, segnet diesen und den Bauplatz. „Jesus ist der Eckstein, auf dem wir aufbauen“, sagt Bischof. „Wir wissen, Gott kann überall sein, aber für uns Menschen ist es eine Hilfe, wenn wir besondere Orte und Räume dafür haben.“ Dann schieben die Steinmetze Peter und Michael Wunderle den Stein auf einem Rollwagen in den Rohbau des Zwischenbaus und legen ihn dort in die Wand. 

Im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes, den Weihbischof Bischof von der Seelsorgsregion Süd feierte, wurde am gestrigen Freitag – also am Vorabend des Hochfestes des Heiligen Josefs, der Patron des Gotteshauses ist – der Grundstein für die neue katholische Kirche St. Josef in Holzkirchen gelegt. Auch Gottfried Doll, Leiter des Pfarrverbands Holzkirchen, Vertreter des Dekanats Miesbach und der evangelischen Kirche sowie Bürgermeister Olaf von Löwis und Landrat Wolfgang Rzehak waren anwesend. Außerdem versammelten sich viele Gläubige auf dem Bauplatz. Die Blaskapelle des Musikzugs Holzkirchen und der Holzkirchner Kirchenchor musizierten. 

Bischof erinnerte daran, dass Gebäude, Altäre und Tempel vergänglich sind. Genau das traf auf die alte Kirche St. Josef zu, deren Geschichte auch in der Urkunde steht, die in die Zeitkapsel gelegt wurde und die Irene Höfer von der Kirchenverwaltung laut vorlas. Der Vorgängerbau, der 1962 entstand, musste 2011 wegen statischer Mängel gesperrt und schließlich abgerissen werden. „Die Kirche wird auf dem Grundstück der bisherigen Josefs-Kirche entstehen“, verlas Höfer. 

Der Entwurf stammt von dem Architekten Eberhard Wimmer, er sieht ein Holzbauwerk in Form eines Kegelstumpfes vor. Auf rund 400 Sitzplätzen werden die Gläubigen an drei Seiten rund um den Altar Platz finden. Zudem gibt es eine analog geformte, kleinere Werktagskapelle, die mit der Kirche durch einen Zwischenbau samt Sakristei verbunden ist. Kostenpunkt: 10,63 Millionen Euro. Der hohe Preis ist natürlich nicht auf der Urkunde verewigt, dafür aber viele Namen von aktuellen Würdenträgern, darunter Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel. Auch von einem neuen Pfarrzentrum ist in der Urkunde die Rede – dessen Planung muss allerdings noch warten (wir berichteten). 

Wimmer erklärte, dass der alte Grundstein von 1961, der die Inschrift „Ihr seid Gottes Bauwerk“ trägt, mit der neuen Jahreszahl 2016 ergänzt wurde – auf einer Holztafel, „also auf einem lebendigen Element“. Martin Gastberger, Hauptabteilungsleiter für die Gebäude der Kirchenstiftungen im Ordinariat, meinte: „Es ist ein Tag der Freude.“ Endlich werde eine Lücke gefüllt – im Ortsbild und in der Pfarrei. Und zwar möglichst rasch: Bis Herbst soll das Holzbauwerk errichtet sein, dann starte der Innenausbau. Ende 2017, spätestens Anfang 2018 sollen Kirche, Kapelle und Sakristei fertig sein. 

Bilder: Grundsteinlegung für St. Josef

Landrat Rzehak freute sich darüber, dass in Zeiten, in denen ehemalige Kirchen oft zu Discos und Supermärkten umgenutzt würden, ein neues Gotteshaus gebaut wird. Auch Bürgermeister Löwis, den Rzehak den „weltlichen Hausherr“ nannte, sagte ein paar Worte. „Es ist ein großartiger Moment“, meinte der Rathauschef. Gerade in Zeiten von Krisen und Flüchtlingsströmen schaffe der Glaube Positives, waren sich beide Politiker einig. Löwis erlaubte sich noch eine Bemerkung zur ungewöhnlichen Form der Kirche, dem Kegelstumpf. „Egal, ob er gefällt oder nicht“, sagte Löwis. „Er hat das Zeug dazu, zum Wahrzeichen von Holzkirchen zu werden.“ 

Am Schluss geht’s weltlich zu. Pfarrer Doll kündigt eine „Leberkaas-Triologie“ an, und der Tross bewegt sich Richtung Pfarrsaal, wo ein Empfang stattfindet. Dort wollen die Holzkirchner ihre neue Kirche feiern.

Von Marlene Kadach

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