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„Man braucht Füße, Hände und Kopf“: Den interessierten Besuchern zeigten (sitzend v.l.) Irmgard Seidl, Lotte Fischer und Kathi Knuth, wie man Wolle spinnt. Sie gehörten zu den 27 Ausstellern auf dem Trachten- und Handwerkermarkt in Föching. 

1200-Jahr-Feier föching 

Handwerkermarkt: Heimspiel mit viel Tradition

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27 Aussteller präsentierten sich am Sonntag beim Trachten- und Handwerkermarkt in Föching. Über 3000 Besucher schauten Spinnerinnen, Sattlern und Schneidern über die Schulter. 

Föching – Gandhi war auch ein Spinner. „Er hat gesponnen und seine Kleidung selbst gemacht“, sagt Lotte Fischer und tritt aufs Pedal. Ihr Spinnrad – ein modernes mit Gangschaltung – dreht sich. „Seine Minister mussten täglich eine Stunde spinnen.“ Ein meditatives Arbeiten. Fischer aus der Gemeinde Egling im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen und ihre Freundinnen Irmgard Seidl und Kathi Knuth aber nutzen das Spinnrad nicht als Symbol des Widerstands gegen die Industrialisierung. Was Fischer daran gefällt: „Man braucht Füße, Hände und Kopf.“ Nicht nur das Hirn und den Zeigefinger auf der Computer-Maus, wie bei vielen anderen Tätigkeiten heutzutage. Ihr Alter wollen die drei grauhaarigen Frauen nicht verraten, nur, dass sie seit vielen Jahren spinnen. „Es ist viel Arbeit“, sagt Fischer. Lämmer aufziehen, scheren, Wolle waschen und kämmen gehört dazu. Geduldig fädelt Seidl das Vlies in ein dünnes Loch ein, der Faden wirbelt heraus. Besucher schauen neugierig zu. „So etwas sieht man heute nicht mehr oft“, sagt einer.

Die drei Spinnerinnen gehörten zu den insgesamt 27 Ausstellern, die sich jetzt beim Trachten- und Handwerkermarkt in Föching präsentierten. Dieser war Teil der der 1200-Jahr-Feier, der Ort feiert derzeit sein Jubiläum eine ganze Woche lang (wir berichteten). Laut Mitorganisatorin Kathi Rest waren mindestens 3000 Besucherins Festzelt am Parkplatz vor dem Föchinger Hof gekommen, um Sattlern, Fahnenstickern, Glasmachern, Trachtenschneidern, Holzarbeitern & Co. über die Schulter zu schauen. Es sollte sich um „traditionelles Handwerk“ handeln, berichtet Rest. Um die Bewirtung kümmerten sich die Ortsvereine gemeinsam mit dem Team vom Föchinger Hof.

Eigentlich wollte Rest, die ein Handarbeitsstüberl in Föching betreibt, selbst einen Stand aufbauen. Sie hat es aus zeitlichen Gründen nicht mehr geschafft. Die einzige Ausstellerin aus Föching, genauer gesagt Fellach, ist Renate Fischhaber. Sie produziert und verkauft Stulpen, Trachtentascherl, Stirnbänder oder Kosmetikbeutel aus gewalktem Material. Drei Besucherinnen, die sich an ihrem Stand drängen, bewundern die hellgrünen Stulpen, die Fischhaber selbst trägt. „Schick schaut das aus“, sagt eine. „Mit Spitzen, wie bei der Sissi.“ Fischhaber steigt gleich ins Verkaufsgespräch ein. Sie hat Erfahrung, geht viel auf Märkte. Der in Föching gefällt ihr natürlich besonders gut. „Wenn man ein Heimspiel hat, ist das das Schönste.“

Fast ein Heimspiel ist der Markt für Rosmarie Probst und ihre Schwiegertochter Martina aus Holzkirchen. Auch sie betreiben ein selten gewordenes Handwerk: Sie produzieren Klosterarbeiten und religiöse Volkskunst. Martina Probst bastelt gerade ein goldenes Blatt. Das kann später zum Beispiel eines ihrer Fatschenkindl – ein Andachtsbild in Form eines mit Bändern gewickelten Säuglings – oder den Christbaumschmuck zieren. Ein paar Kinder schauen fasziniert zu. Ihre Schwiegermutter betreibt die Kunst schon seit gut 40 Jahren. Als junges Mädchen besuchte sie ein Internat bei den Englischen Fräulein. Dort lernte sie von den Klosterschwestern die alte Technik, die ihre Blütezeit im Barock und Rokoko erlebte. Jetzt würden Heiligenbilder & Co. einen Trend erleben. „Die Leute kommen wieder zur Tradition zurück.“

Bei den Besuchern kommt der Markt gut an. Kathi Brandmaier ist aus Bichl bei Benediktbeuern angereist. „Auch die Ausstellung hat mir sehr gut gefallen.“ Genau wie viele andere Gäste auch, hat sie sich die historische Ausstellung „Föching wie es war und ist“ (wir berichteten) in der Turnhalle angeschaut. Deren Eröffnung am Samtstag stieß „auf gute Resonanz“, wie Anton Lerch, einer der Organisatoren berichtet, der am Markt hinter der Theke steht. Allein an dem Abend strömten gut 130 Gäste in die Halle. „Unsere Erwartungen wurden erfüllt.“

Organisatorin Rest läuft geschäftig durch den Markt. Am Montag heißt es Stände abbauen und Bierbänke rein. Denn am Donnerstag und Freitag geht die Feierei weiter: Dann findet das Spanferkel-Essen statt. Ganz traditionell, versteht sich.

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