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Hält der Gesellschaft den Spiegel vor: Harry G.

Harry G. im Oberbräusaal: Hendl im Flieger – Bachblüten gegen Norovirus

Grantig, ehrlich und ohne Blatt vor dem Mund: Mit seinem neuen Programm „Hoam-Boy“ begeisterte Harry G. im Oberbräu-Festsaal in Holzkirchen.

Holzkirchen – Schnell waren die Karten ausverkauft, der Oberbräu-Festsaal bis auf den letzten Platz besetzt. Comedy-Superstar Harry G. präsentierte sein taufrisches Programm „Hoam-Boy“ und begeisterte mehr als 400 Gäste mit seinem Witz, seiner unverblümten Ehrlichkeit, seinem Charme und seiner Natürlichkeit. Es wurde heftig gelacht an diesem Abend, bei dem es sich um Dortmund, Großhartpenning, Junggesellenabschiede, Kindererziehung und Kettenraucher wie Alfons drehte.

Harry G. betritt die Bühne und nimmt sogleich Kontakt zu Franz aus Großhartpenning in der ersten Reihe auf. „Wow, is des Deine Frau, bist Du sehr wohlhabend?“ Franz nimmt es mit Humor, das Publikum applaudiert. Weiter geht mit einer Anekdote aus dem Flugzeug. Ein Platz neben Harry G. ist noch frei, und kaum ertönt das „boarding completed“, tritt ein schwer übergewichtiger Mann in den Flieger und nimmt neben Harry Platz. „Klar, man darf keine Flasche mitnehmen, aber a hoibs Hendl, des geht“, regt sich der Regensburger, der mit bürgerlichem Namen Markus Stoll heißt, auf. Dann beschreibt er, wie der fette Nachbar sein Hendl verspeist.

„Das ist kein Autobahnparkplatz‘“:  Harry G. über Bergsteiger.

Junggesellenabschiede dauern länger als manche Ehe

Im Saal wird mehr gebrüllt als gelacht, Tränen fließen. Weiter geht es mit diversen Ausführungen zum Junggesellenabschied seines Spezls Wolfi. „So eine Hochzeit kann man ja mit einer Hinrichtung vergleichen. Ich muss mit rund 40 Jahren meine Frau fragen, ob ich überhaupt am Junggesellenabschied teilnehmen darf“, echauffiert sich der Comedian. Komisch findet er auch, dass man früher in einer Kneipe mit Strip-Einlage war und heute mindestens drei Tage irgendwohin fliegen muss, um die letzten Tage vor der Ehe zu genießen. „Manche Junggesellenabschiede dauern wirklich länger als die Ehe selbst“, frotzelt er.

Dabei macht er einige Kilometer auf der Bühne. Er steht nicht still, bedient sich vieler Dialekte: Fränkisch, Sächsisch, Schwäbisch und Hochdeutsch beherrscht das Sprachentalent fließend. Was er sagt, lebt er, da kommt nichts unnatürlich oder auswendig gelernt herüber.

Wohnungsnot: Harry G. zieht drastischen Vergleich.

Burn-Out wegen vier Stunden Arbeit - pro Woche

Besonders charmant wirkt er, er muss selbst immer wieder grinsen, wenn er sich an bestimmte Begebenheiten erinnert. „Wellness, das war früher ein Hotel mit einem Swimmingpool und einer Sauna. Heute ist dasselbe Hotel ein Wellness-Resort mit Spa-Bereich.“

Harry G. erzählt von Brita, Grundschullehrerin (31), die vier Stunden in der Woche arbeitet und kurz vor dem Burn-Out steht. Es geht um Patchwork-Familien, die Harrys Großmutter damals als „gschlamperte Verhältnisse“ bezeichnete, und um das Leben mit Kindern. „Da sitzt so ein Typ an Deinem Tisch, der noch nicht mal seine Flasche halten kann, wie Alfons der Kettenraucher beim Junggesellenabschied, und Du liebst dieses Kind bedingungslos, weil es Deines ist.“

Bayerische Originale unter sich: Harry G. philosophiert mit Eberhofer.

Von Dortmund und Großhartpenning

Statt Tatort wird Feuerwehrmann Sam eingeschaltet. Und die Eltern anderer Kinder, die sind, laut Harry G., Arschloch-Eltern und Riesenarschloch-Eltern. Ein Beispiel: „Die Birte, Sozialpädagogin, bietet ihrem Sohn Sönke bei Norovirus Globoli oder Bachblüten an.“ Das Publikum quittiert mit tosendem Applaus.

Nach der Pause sinniert Harry G. über Jeanshosen, Särge, asiatischen Lieferservice, Preußen auf bayerischen Volksfesten, E-Scooter und das Leben im Bayerischen Wald. Erste und zweite Hälfte des Abends schenken sich nichts, Harry G. ist in Hochform, die Zeit vergeht wie im Flug. Eine Zugabe rettet das gierige Publikum. Dortmund und Großhartpenning – Harry G. improvisiert und zeigt einmal mehr sein ganzes Comedy-Spektrum. Ein Entertainer, der das komplette Publikum in seine Bann zieht.

Kathrin Suda

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