Lage durch Corona verschlimmert

Bezahlbares Zuhause wird zur Herausforderung: Einheimische träumen von eigener Wohnung - bisher vergeblich 

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Der Immobilienmarkt in Holzkirchen steht unter Druck. Das macht es für viele Einheimische schwer, Wohnraum zu finden.

Holzkirchen – Die Nähe zu den Bergen, der Natur und den umliegenden Seen haben es ihm angetan. Christian Piehlmaier liebt sein Holzkirchen einfach. „Ich lebe seit eh und je hier“, sagt der 31-Jährige. Er hat hier Familie und Freunde. Auch seine Freundin Maria Halberts hat hier Wurzeln geschlagen. Jetzt wollen sich die beiden unbedingt in Holzkirchen eine Zukunft aufbauen. Doch das ist gar nicht so leicht.

Wohnungsmarkt in Holzkirchen: Hohe Immobilienpreise und großer Zuzug in Oberbayern

Denn der Wohnungsmarkt steht in Holzkirchen unter Druck. Hohe Immobilienpreise sowie ein erheblicher Zuzug machen es Einheimischen, besonders Familien mit Kindern, schwer, an ein bezahlbares Zuhause zu gelangen.

Piehlmaier und seine Freundin wohnen in einer Ein-Zimmer-Wohnung in Holzkirchen. Ihr Traum wäre eine Eigentumswohnung mit drei Zimmern oder ein eigenes Haus. „Erst dann wollen wir uns richtig einrichten.“ Aber: „Es ist schon schwer“, klagt der 31-Jährige. „Vor ein paar Jahren hätte unser Budgetrahmen noch für ein Einfamilienhaus gereicht“, meint er. „Heute kriegt man dafür nicht mal eine Drei-Zimmer-Wohnung.“ Am liebsten möchte das Paar direkt in Holzkirchen bleiben. Notgedrungen haben sie ihren Suchkreis erweitert.

„Der Markt ist heiß umkämpft“, hat der Ingenieur festgestellt. Er sucht täglich, meist im Internet nach dem passenden Objekt. Schon drei Stunden, nachdem eine Wohnung online stehe, stünden 20 Interessenten an. „Wenn man nicht schnell genug ist, kommt es erst gar nicht zu einer Besichtigung.“ Ein paar Objekte konnten sich die beiden anschauen. Aber entweder hat es nicht gepasst, und einmal, als sie in der engeren Auswahl waren, hat ein Mitbewerber mehr bezahlt und den Zuschlag bekommen.

Holzkirchen: Paar träumt von Eigentumswohnung - Suche bisher vergeblich

SPD-Gemeinderat Simon Ammer, der sich gern für Einheimische starkmacht, kennt das Problem. In seinem Bekanntenkreis gibt es viele Leute mit Mitte 30, die gerne zur Familiengründung zurück nach Holzkirchen kehren würden. „Das ist aber fast unmöglich.“ Zum einen seien die Preise sehr hoch. Zum anderen fehle das Angebot.

Seit der Corona-Krise habe sich die Lage verschlimmert. „Inzwischen kommt fast gar nichts mehr auf den regulären Markt.“ So tun sich sogar Leute schwer, die es sich leisten könnten. „Diejenigen, die es sich nicht leisten können, bleiben ganz außen vor“, sagt Ammer. Die SPD wünsche sich, dass die Gemeinde stärker aktiv werde, etwa im kommunalen Wohnungsbau.

Die klassischen Einheimischenmodelle, wobei Gemeinden vergünstigt Bauland an Ortsansässige vergeben, sind schwierig geworden, die Europäische Kommission hat sie längst ins Visier genommen. „Wir als Gemeinde müssen uns am Markt orientieren und dürfen Einheimische nicht bevorzugen“, erklärt Zweite Bürgermeisterin Birgit Eibl (FWG).

Wohnungsmarkt in Holzkirchen: Lage durch Corona verschlimmert

Ausnahme sei eine Vergabe nach Auswahlkriterien. Um sich nicht angreifbar zu machen, vergebe die Gemeinde auch Mietwohnungen unter Beachtung eines Kriterienkatalogs und Punktesystems. Beispielsweise bei Wohnungen am Sommerfeld, wo es etwa Punkte nach Einkommen oder Kindern gab. Ammer hatte 2020 gefordert, den Ortsbezug generell als Eingangskriterium einzuführen. Die Verwaltung wollte sich das anschauen.

Bald soll eine Entscheidung darüber fallen, wie es an der Maitz weitergeht, kündigt Eibl an. Wie berichtet, vergibt der Markt gemeindlichen Baugrund hier nicht an Höchstbietende, sondern in Erbpacht an Gruppen mit einem überzeugenden Konzept für gemeinschaftliches Wohnen. Ferner stünde die Ertüchtigung der maroden gemeindlichen Wohnblöcke an der Baumgartenstraße an. Details sind noch offen.

Rechtlich unstrittig hingegen sei das Wohnquartier Winklbauer Höfe, sagt Eibl. Da mit der Quest AG ein privater Anbieter auftrete, gebe es keine Probleme, Einheimischen ein Vorkaufsrecht einzuräumen. Einen Teil der 70 geplanten Wohnungen erwirbt die Gemeinde zur Vermietung, um so bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Laut Eibl ist es durchaus denkbar, das Bepunktungssystem hier zu berücksichtigen. Den Rest verkauft Quest direkt an Interessenten. Und die Nachfrage ist laut dem Bauträger jetzt schon hoch. Eine Wohnung in den Winklbauer Höfen kann sich Piehlmaier „schon gut vorstellen“. Er ließ sich gleich auf die Interessenliste setzen und hofft nun das Beste.

Regenbogen- und Patchworkfamilien haben es oft schwer, Rechte und Pflichten für ihre Kinder wahrzunehmen. Das soll anders werden, findet Grünen-Politiker Karl Bär aus Holzkirchen. Er ist selbst betroffen. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Holzkirchen-Newsletter.

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