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Verbündete in Sachen Südumfahrung (v. l.): die CSU-Gemeinderäte Albert Kraml, Sebastian Franz und Christoph Schmid sowie Simon Drexl und Christian Hirschberg von der „Schutzgemeinschaft gegen Verkehrsbelästigung“. 

Schutzgemeinschaft gegen Verkehrsbelästigung

Heißes Eisen Südspange: Befürworter hoffen auf ein Ratsbegehren

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Die einen kämpfen leidenschaftlich um sie, die anderen wollen sie nicht kampflos akzeptieren: Die Südspange bleibt ein heißes Eisen. Die Befürworter sind in der „Schutzgemeinschaft gegen Verkehrsbelästigung in Holzkirchen“ organisiert – und die verspürt Aufwind.

Holzkirchen – Für Simon Drexl gibt es keinen Zweifel. Der Vorsitzende der „Schutzgemeinschaft“ ist überzeugt davon, dass die Mehrheit der Holzkirchner den Bau einer Südspange unterstützt.

Sollte der Gemeinderat ein Ratsbegehren ansetzen, werde sich „wie schon 2003 die deutliche Mehrheit der Bürger wieder für eine Südumfahrung aussprechen“, teilte Drexl jetzt mit. Dieser Optimismus habe auch die jüngst abgehaltene Mitgliederversammlung geprägt. Vor 16 Jahren hatten sich bei einem Bürgerentscheid 73 Prozent der Gemeindebürger für den Bau einer Südumgehung ausgesprochen. „Wir werden alles daran setzen, dass auf den demokratischen Entscheid die notwendige Umsetzung folgt“, kündigte Drexl an.

Doch das ist Zukunftsmusik. Klar ist nicht einmal, ob es überhaupt zu einem Ratsbegehren kommt (siehe Kasten). Immerhin gelang es der Schutzgemeinschaft im vergangenen Jahr, einen gewichtigen Verbündeten zu finden: Mit dem CSU-Ortsverband und der CSU-Fraktion im Marktgemeinderat wurde das „Offene Bündnis pro Südumfahrung“ gegründet. Gemeinsam wolle man die Lösung der Holzkirchner Verkehrsprobleme vorantreiben, versichert Drexl. Dabei wisse man eine breite Basis hinter sich. Mit 425 Mitgliedern stelle die Schutzgemeinschaft die „stärkste Interessensvertretung in Holzkirchen zum Thema Verkehr und Ortsentwicklung“.

In die aktuelle Trassendiskussion hat das Bündnis einen eigenen, sehr großräumigen Vorschlag eingebracht, der Kurzenberg und Großhartpenning im Osten umgeht und südlich von Thann und Lochham auf die B 318 trifft (wir berichteten). Wie die Trasse an Sufferloh vorbeikommt – direkt unter dem Frauenbergl oder westlich des Dorfs in weiter Rechtskurve – lässt der Vorschlag offen; beide Möglichkeiten wird das Straßenbauamt prüfen.

Drexl vertraut den Experten aus Rosenheim. In einem Gespräch mit Behördenchef Stefan Högenauer und Planer Bernhard Bauer hätten diese gezeigt, dass sie über die Umgebung von Holzkirchen sehr gut informiert seien. Die Gemeinde dürfe fundierte, fachkundige und belastbare Vorschläge erwarten.

Die Südspange sei für die Mitglieder der Schutzgemeinschaft ein erster Schritt, um Holzkirchen vor überbordendem Kraftverkehr zu befreien, teilte Drexl mit. Die Umgehungsstraße werde den Ort vom Durchgangsverkehr, insbesondere vom Schwerlastverkehr, entlasten.

In einem zweiten Schritt sollen innerorts die B 13 und die Staatsstraßen (Miesbacher, Tegernseer und Tölzer Straße sowie die Münchner Straße) zu Gemeindestraßen abgestuft werden. Im Gegenzug könnte die Nordspange zur Staatsstraße aufgewertet werden. Dieser Tausch ermögliche der Gemeinde den Zugriff auf die Ortsdurchfahrten, die dann durch bauliche Maßnahmen weiter beruhigt werden könnten.

Man unterstütze auch den Ausbau der Bus- und Bahnverbindungen, stellte Drexl klar. Es bestehe aber Einigkeit unter den Mitgliedern, „dass dies eine Umfahrung nicht ersetzen kann“, weil damit das stetig steigende Verkehrsaufkommen und der Lkw-Verkehr nicht aufgefangen werden könnten.

Das Großprojekt Südumfahrung könnte 2019 tatsächlich einen entscheidenden Schritt vorwärtskommen. Das Straßenbauamt prüft derzeit etwa zwei Dutzend Trassenvorschläge von Bürgern und Initiativen; als Grundlage hatte die Behörde eine Raumwiderstandskarte zur Verfügung gestellt. 

Stefan Högenauer, Leiter des Straßenbauamts, hat angekündigt, die eingereichten Varianten samt fachlicher Bewertung in der ersten Jahreshälfte 2019 vorzustellen. Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) plant dazu eine öffentliche Gemeinderatssitzung im Oberbräu-Festsaal.

Bekannt ist, dass einige Initiativen, etwa die „Bürgervereinigung gegen die geplante Umgehungsstraße von Holzkirchen“, eine Null-Variante eingereicht haben, also jedwede neue Straße zwischen der B 13 und der B 318 ablehnen.

Sind die Varianten vorgestellt, ist die Marktgemeinde Holzkirchen am Zug. Die Südumfahrung genießt zwar im aktuellen Bundesverkehrswegeplan hohe Priorität („vordringlicher Bedarf“), dem Votum der Gemeinde kommt bei der Realisierung des Vorhabens aber große politische Bedeutung zu.

„Als Gemeinderat sind wir aufgefordert, ein Signal zu senden“, weiß Löwis. Für eine rigorose Ablehnung jedweder Trasse sieht er im Gemeinderat keine Mehrheit. Ob es zu Abstimmungen über einzelne Trassenvorschläge kommt, ist ebenso unklar.

Löwis denkt eher an ein Ratsbegehren, das die Meinung aller wahlberechtigten Holzkirchner abfragt. Zu klären wäre, ob ein Ratsbegehren auch die „Null-Variante“ abdecken kann oder ob die Gegner jedweder Südspange durch Nichtwählen indirekt abstimmen, weil das Ratsbegehren bei zu geringer Wahlbeteiligung (mindestens 20 Prozent) keine Gültigkeit erlangt.

Der Bürgermeister selbst spricht sich grundsätzlich für den Bau einer Südspange aus. „Anders bekommen wir den Durchgangsverkehr, der ein Viertel des gesamten Verkehrs in Holzkirchen ausmacht, nicht aus dem Ort heraus“, glaubt der Rathauschef.

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