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Wortgewaltig präsentierte sich Kabarettist Helmut A. Binser bei seinem Auftritt im Fools Theater.

Zwischen albern und tiefgründig

So war der Auftritt von Helmut A. Binser im Fools

Holzkirchen - Schwarzer Hut, schwarzes T-Shirt, kahle Bühne: Kabarettist Helmut A. Binser setzte beim Auftritt im Fools Theater in Holzkirchen allein auf die Wirkung seiner Worte. Das Publikum jubelte.

Wie eine „abgehalfterte Prostituierte“ fühle er sich, wenn im Publikum keiner lache. Freude über seine Besucher zu bringen, das liege ihm am Herzen, sagt Helmut A. Binser. Geld spiele da „keine Rolex“. Wobei, wenn er die Wahl hätte zwischen einer Reise nach Amerika und seinem Publikum – „dann dad i Eich echt vermissn“.

Der Kabarettist steht auf der kahlen Bühne des Fools Theaters. Ein Musikant mit schwarzem Hut, schwarzem Brillengestell, schwarzem T- Shirt, schwarzer Hose und „Lebensmittelschwangerschaft“ vor schwarzem Bühnenhintergrund. Neben ihm liegen Akkordeon und Akustikgitarre bereit. In der Hand hält er ein Glas Bier, an dem er ab und an nippt. Wer – so wie sein „Indoorpflasterer“ (so nennt Binser seinen Fliesenleger) oder er selbst – während der Arbeitszeit trinke, müsse die komplexeren Aufgaben an den Anfang legen.

„Ma muass oft nur a bissl warten, dann regelt sich alles vo alloa. Ma muass oft bloß a bissal Zeit ham, mehra braucht ma gar ned doa“, meint Binser. Denn ein Regenwurm grabe immer noch im Dreck, während aus einer Raupe ein Schmetterling werde, und der fliege über den Wurm hinweg.

Die Erika etwa beklagt sich über ihren Mann. Da gibt’s von der Oma folgenden Tipp: „Dua fett kocha. Hauptsach, der Blutdruck geht hoch. A Tortn machst eahm jede Woch und gfreist di auf die Zeit danoch.“ Und in das Kreischen der Zuhörer setzt Binser noch einmal den Refrain: „Man muss oft bloß a bissl warten, dann regelt sich alles vo alloa.“

Als er das singt, klingt sein Akkordeon mit den roten Bälgen und grünem Rahmen satt und wuchtig, dank Verstärker. „Jetzt samma fertig mit dem Schmarrn“, sagt er, nachdem er einen Schwank aus seinem Leben nach dem anderen zum Besten gegeben hat. Fulminant. Wortgewaltig. Und bis ins Detail durchdacht. Binser findet die richtige Balance zwischen albern und ungeahnter Tiefe.

Allein sein Dialekt ist einen Besuch wert und freut das Publikum hörbar. Binser kommt aus der Chamerau zwischen Cham und „Tschechei“. Der Wirt in seinem Dorf sehe so ähnlich aus wie Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. Und heiße „Kim schenk ei“. Kim Jong-un habe seinen jüngeren Bruder umgebracht, schiebt er nach. Wie hieß der nochmal? „Kam jung um“.

Über den ein oder anderen politischen Seitenhieb jubeln die Zuschauer im Fools wie bei seinem Auftritt im Schlachthof. Er singt: „Da Vladimir Putin heiratet einen Mann, der Papst Franziskus erkennt es an.“ „Die Angie is total entsetzt, weil da Horsti heid gar ned gegen Ausländer hetzt.“ „Liebe Damen, es gibt Neuigkeiten beim Gehalt. Ihr werds genauso gut wie die Männer bezahlt.“ Und er schließt ab mit: „Manchmal do denk i ma fei, kannt ned jeden Dog der Heid-is-alles-anders-als-ma-sonst-so-gwohnt-ist-Dog sei.“

Wenn er so mit Bierglas in der Hand ins Ratschen gerät, improvisiert der Künstler. Zwischen dem Text sollen seine Zuhörer die Melodie pfeifen, sagt Binser. Er greift in die Saiten und singt: „Wir haben keinen Stil und keinen Sexappeal. Für uns gibt’s keinen roten Teppich, denn wir sind nicht VIP. Wegen uns studieren die Studenten Schönheits-Chirurgie. Werden wir entführt, zahlt keiner Lösegeld. Mir san die greisligen Menschen dieser Welt.“ Und die Zuhörer legen los. „Da pfeift es sich schwer, gell“, wirft Binser ein, als das Pfeifen recht dünn klingt, und resümiert singend: „Greislig zu sein, schee ist des ned.“ Aber lieber sei er „gscheid greislig ois schee bläd".

Johanna Wieshammer

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