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Gegensätze ziehen sich an: Die Schauspieler Lydia Starkulla und Bernd Berleb bringen die beiden ungleichen Nachbarn und ihre Streitereien auf den Punkt auf die Bühne – ein temporeicher Theaterspaß fürs Publikum.

Im Fools-Theater

Hiebe und Liebe: „Die Tür nebenan“ feiert umjubelte Premiere

Die Premiere im Fools-Theater bewies: Das Stück „Die Tür nebenan“ bietet dem Ensemble Peripher reichlich Gelegenheiten zu glänzen. Wir waren vor Ort.

Holzkirchen – Ein Mann, eine Frau, zwei Typen, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und kaum anstrengender. Aber genau das birgt reichlich Potenzial für Komik, und schließlich ziehen sich Gegensätze ja auch an, heißt es: Das Ensemble Peripher brillierte jetzt mit seiner Premiere der Komödie „Die Tür nebenan“ – Theater voller Energie und Witz. Die beiden Schauspieler Lydia Starkulla und Bernd Berleb begeisterten das Publikum am Donnerstag im fast ausverkauften Fools-Theater im Holzkirchner Kultur im Oberbräu. Jubel, Trampeln und lang anhaltender Applaus belohnten die beiden sowie Regisseurin Christiane Ahlhelm.

Die romantische Komödie dreht sich um eine Nachbarschaft der besonderen Art. Sie ist Psychologin, neigt zur Besserwisserei und hat gern das letzte Wort. Er arbeitet im Marketing für einen Quark- und Joghurt-Hersteller, hört gerne laute Musik und treibt sich nachts in Clubs herum. Dass die beiden so unterschiedlich sind, sorgt dafür, dass sie sich auch leicht in die Wolle kriegen – es geht um ödipale und anale Phasen, um Literatur und paradoxale Übersprunghandlungen. Ob sich beide im Treppenhaus treffen, weil sie ihre Schlüssel verloren haben, oder ob sie bei ihm in der Küche ihren Fisch garen möchte: Wie aus diesen Alltäglichkeiten Streitsituationen erwachsen, bietet dem Publikum reichlich Gelegenheiten zum herzhaften Lachen.

Dabei spielt Lydia Starkulla temporeich und mitreißend. Auf den Punkt und natürlich verkörpert sie die frustrierte Psychologin. Die Holzkirchner Schauspielerin kann freilich nicht nur vorwurfsvoll und angriffslustig, sondern auch aufwühlend und anrührend. Auch ihr Bühnenpartner Bernd Berleb, ebenfalls Profischauspieler, begeistert das Publikum als Lebemann, der auch meditiert. In seinem hellblauen Anzug mit den roten Blüten verkörpert er den erfolgreichen Marketing-Fuzzi.

Auch wenn die beiden Protagonisten kaum etwas gemein haben, etwas Wesentliches dann doch: Beide suchen händeringend nach der Liebe, einem Partner fürs Leben. Und versuchen ihr Glück auf dem „Markt“. Aber wie soll man sich selbst beschreiben, was denkt der geneigte Leser, wenn man ankreuzt, Sex sei wichtig? Also ehrlich sein, oder doch lieber versuchen, etwas zu verkörpern, was man eigentlich gerne wäre, aber leider nicht ist?

Die Umsetzung der französischen Romantik-Komödie aus der Feder von Fabrice Roger-Lacan ist dem Ensemble Peripher und Regisseurin Ahlhelm zu 100 Prozent geglückt – ein Herbst-Highlight. Die beiden Profi-Schauspieler Starkulla und Berleb nehmen die Bühne ein, spielen mit Leichtigkeit und Präsenz. Bühnenbild und Ausstattung geraten da ohnehin in den Hintergrund, da klappt es leicht mit reduzierten Mitteln. Zwei Stühle werden mal zum Backofen, mal zum Koffer. Ein Feldbett wird zur Aufzugs- oder Wohnungstür. Mehr braucht es nicht an Staffage: Das Spiel der beiden Schauspieler genügt, um den Zuschauer sich nach 90 Minuten wundern zu lassen, wie schnell die Zeit verflogen ist. 

von Kathrin Suda


Weitere Aufführungen

finden an diesem Sonntag (18 Uhr) sowie jeweils sonntags am 4. und 18. November sowie 2. Dezember statt (Beginn jeweils 18 Uhr) sowie am Mittwoch (Beginn 20 Uhr) und Donnerstag (19.30 Uhr), 26. und 27. Dezember, statt. Karten gibt es im Vorverkauf zu 16 Euro (ermäßigt 14, Kinder bis 14 Jahre sechs Euro) auf www.kultur-im-oberbraeu. de und dienstags bis freitags an der Theaterkasse (0 80 24 / 47 85 05). Am Theatertag am 27. Dezember ist der Eintritt jeweils vier Euro vergünstigt. An der Abendkasse kosten Tickets je zwei Euro mehr.

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