Wollen unter die Arme greifen: (v.l.) Melanie Renz und Heidi Thompson vom Verein Kleinkunstwerk.
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Wollen unter die Arme greifen: (v.l.) Melanie Renz und Heidi Thompson vom Verein Kleinkunstwerk.

Kleinkunstwerk bietet Förderung für Künstler

Hilfe aus der Kultur für die Kultur: Neuer Verein bietet finanzielle Unterstützung

Die Kultur und vor allem die Kulturschaffenden selbst leiden unter der Corona-Zwangspause. Nun will sie ein neuer Verein im Oberland unterstützen: der Verein Kleinkunstwerk.

Landkreis – Als vor einem Jahr nach der Generalprobe des Freien Landestheaters Bayern (FLTB) zum Musical „Anatevka“ im Miesbacher Waitzinger Keller das Coronavirus die Lichter der Theater aus- und bis heute nicht mehr anmachte, hatten sie Tränen in den Augen. Sie ahnten damals schon, dass diese traurige Geschichte so schnell kein glückliches Ende finden würde.

Sie – das sind Melanie Renz, professionelle Schauspielerin und Regisseurin aus Wolfratshausen, Heidi Thompson, Laienschauspielerin und Chormitglied des FLTB-Ensembles aus Holzkirchen, sowie fünf Gleichgesinnte aus dem Kulturbetrieb, deren Herz für die Kleinkunst schlägt. Sie wollen mithelfen, dass es dieses wichtige, aber in der öffentlichen Förderung hintanstehende Genre weiterhin geben wird, wenn Corona einmal Geschichte ist. Dafür haben sie den gemeinnützigen Verein Kleinkunstwerk ins Leben gerufen.

Soloselbstständige stehen seit Monaten ohne Gagen da

„Die Künstler wollen nicht zu Hause sitzen und auf Hilfen vom Bund warten, sie wollen rausgehen und spielen. Und wir unterstützen sie dabei“, erklärt Renz, Ideengeberin, Initiatorin und Vorsitzende des Vereins. Sie selbst seien aus verschiedenen Gründen in der glücklichen Lage, nicht so hart betroffen zu sein wie eine Vielzahl von Kollegen: Soloselbstständige wie Schauspieler, Kabarettisten, Musiker, Sänger, die auf kleineren Bühnen auftreten und deren sowieso schon nicht üppigen Gagen komplett weggebrochen sind. Renz und ihr Team nutzten die bisherige auftrittslose Zeit und schufen mit dem Kleinkunstwerk ein wohl durchdachtes Konzept zur Unterstützung derer, denen ohne einen finanziellen Rettungsfallschirm eine harte Landung droht. „Um die Großen müssen wir uns keine Sorgen machen. Es sind die Kleinen, die zuerst auf der Strecke bleiben, und um die müssen wir uns kümmern.“

Verein fördert Projekte und Vorstellungen von Künstlern

Der Verein will nicht jammern, sondern konkret und produktiv etwas tun und bewegen. „Wir fördern projekt- und vorstellungsbezogen und greifen den Künstlern unter die Arme, nicht den Veranstaltern.“ Es sei ihnen ein Anliegen, schnell zu helfen, betonen Renz und Thompson. „Öffentliche Hilfen kommen entweder spät, mit einem immensen bürokratischen Aufwand oder gar nicht.“ Sie berichten von ausgebildeten Profimusikern, die sich mit Aushilfsjobs über Wasser halten, die ihre teuren Instrumente verkaufen mussten, die nun auf dem Flohmarkt zu Spottpreisen angeboten werden.

Nun ist das Förderprojekt des Vereins, dessen Vorbereitung fast ein Jahr in Anspruch nahm, angelaufen: Erstes Geld ist da, erste Begünstigte dürfen sich über eine kleine, aber dringend notwendige Unterstützung freuen. Das Geld stammt von Spendern und Vereinsmitgliedern gleichermaßen. Die Beträge können von zehn Euro aufwärts bis in die Tausende gehen – die Skala ist nach oben offen. Sie können von großen Firmen ebenso stammen wie von Privatpersonen.

Einzelheiten wie der Förderungsantrag und weitere Modalitäten gibt es auf der Internetseite des Vereins. Sollte ein einigermaßen normaler Kulturbetrieb wieder möglich sein: Die Zahnräder des Kleinkunstwerks sollen trotzdem weiterlaufen, geschmiert von ausreichend Öl in Form von finanziellen Mitteln. Damit die Kultur nicht einrostet.

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Reinhold Schmid

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