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Hilfsbedürftigkeit ausgenutzt? Holzkirchner weist Vorwürfe vor Gericht von sich

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Amtsgericht Miesbach
Am Amtsgericht Miesbach steht ein Holzkirchner vor Gericht. Der 30-Jährige soll einen Nachbarn um mehr als 3500 Euro gebracht haben. © Archiv al

Hat ein Holzkirchner (30) seinem hilfsbedürftigen Nachbarn den Weg zur Bank abgenommen, um zu helfen – oder um den Mann um einen vierstelligen Geldbetrag zu erleichtern? Diese Frage beschäftigt das Amtsgericht Miesbach.

Holzkirchen – Ein 30-Jähriger aus Holzkircen muss sich in einem Strafverfahren vor dem Amtsgericht Miesbach verantworten. 26 Mal soll der Koch mit der EC-Karte seines Nachbarn am Geldautomaten einer Holzkirchner Bank Geld abgehoben haben, obwohl ihm die Karte ausdrücklich nur für die Bezahlung von Einkäufen überlassen worden war.

Von Januar bis April 2022 wurden von dem Konto Beträge zwischen 20 Euro und mehreren Hundert Euro abgehoben, teils bis zu fünf Mal am Tag. Insgesamt verschwanden so 3650 Euro.

Zur Tatzeit hätten er und der Nachbar in einem Obdachlosenasyl gewohnt, erklärte der Angeklagte, der ohne Verteidiger vor Gericht erschienen war. Da er gesehen habe, dass der angeschlagene Mitbewohner beim Gehen Probleme hatte, habe er Hilfe angeboten. Anfangs habe er dessen EC-Karte nicht angenommen, sondern bar bezahlt. Dann habe er die Karte doch angenommen, da der Nachbar Geld von der Bank gebraucht habe.

Ob ihm die Karte dauerhaft übergeben worden sei, fragte Richter Walter Leitner. Der Angeklagte verneinte. Er habe sie jedes Mal nach den Erledigungen zurückgegeben. Abbuchungen am Automaten seien immer in Begleitung des Nachbarn erfolgt. Dieser habe im Taxi vor der Bank gewartet, ebenso bei den jeweils anschließenden Einkäufen in einem Supermarkt. Die PIN habe ihm der Nachbar immer telefonisch durchgegeben.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe - er habe Hilfe angeboten

Dass es ausschließlich gerade Summen waren, machte Leitner stutzig. Er habe vorwiegend Zigaretten und Alkohol auf Vorrat besorgen müssen, sagte der Holzkirchner. So etwa fünf bis sechs Schachteln Zigaretten zu je zehn Euro oder bis zu 25 Flaschen Wein. Damit versuchte er, auch die Höhe der Beträge zu rechtfertigen. Pro Einkauf habe er um die 130 Euro bezahlt. Aus Sicht des Richters schien das nicht glaubhaft. Innerhalb von drei Tagen seien einmal 1000 Euro von dem Konto verschwunden, an einem anderen Tag 700 Euro, hielt Leitner dem Angeklagten vor. Der hatte eine Erklärung parat. Jeden Monat sei ein Mädchen zu dem Nachbarn gekommen und habe einige Tage bei diesem gewohnt. Für sie habe er wohl größere Summen benötigt.

Wieso er denn angezeigt worden sei, wenn doch alles in Ordnung gewesen sei, hakte der Richter nach. Der Mitbewohner habe ständig die Polizei gerufen und ihn des Diebstahls bezichtigt, bekam er von dem 30-Jährigen zur Antwort. Die Polizisten hätten ihn dann gebeten, dessen Zimmer nicht mehr zu betreten. Doch das wiederum habe der Mitbewohner nicht akzeptiert. Dieser habe sogar nachts bei ihm geklopft, um ihn wegen Zigaretten zur Tankstelle zu schicken. Er sei „richtig sauer“ geworden und habe gedroht, ihn „fertig zu machen“, sollte er nicht spuren. Ähnlich sei es einem afrikanischen Mitbewohner ergangen. Dieser habe ebenfalls helfen wollen und sei dann als Dieb verdächtigt worden.

Auf manchen Aufnahmen der Überwachungskamera der Bank war der Angeklagte zu erkennen. Teils habe man ihn anhand eines markanten Emblems auf seiner Kappe identifiziert, sagte ein Polizist im Zeugenstand. Den aus Afrika stammenden Mitbewohner könne man als Täter ausschließen.

Der Prozess dauert an. Am zweiten Verhandlungstag sollen dieser sowie der Geschädigte selbst gehört werden.

Stefan Gernböck

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