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Martin Weiss hat in seinem Garten in Holzkirchen eine Sternwarte stehen.

In Corona-Zeiten

Hobbyastronom: „Die Sicht wird klarer“

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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In der Coronakrise ist die Umweltverschmutzung zurück gegangen. Von der guten Sicht profitieren Sternegucker, sagt  der Holzkirchner Hobbyastronom Martin Weiss.

Herr Weiss, die Corona-Krise soll gut für die Umwelt sein. Verkehr, Feinstaub und Lichtverschmutzung gehen zurück. Haben Astronomen momentan bessere Sicht am Himmelszelt?

Schon als Sechsjähriger war Weiss technikbegeistert und hatte einen Roboter. 

Mir persönlich ist das mit dem Teleskop noch nicht aufgefallen, was aber daran liegt, dass ich nicht in der Großstadt wohne. Generell stimmt es schon, dass für uns Astronomen die Sicht besser und klarer wird, wenn es weniger Autos und Industrie gibt. Aber das lässt sich wie gesagt besser in der Großstadt beobachten.

Auch mit bloßem Auge?

Steht man zum Beispiel auf dem Taubenberg, kann man mit bloßem Auge sehen, dass die drei Dunstglocken über München, Rosenheim und Miesbach etwas weniger geworden sind. Denn es gibt weniger Feinstaub und Lichter. Richtung Alpen hat man am Taubenberg aber eigentlich immer eine gute Sicht, weil es finster ist. Mich stört nur oft der Vollmond, der ist zu hell. Den kann leider keiner abschalten.

Was könnte man aus Ihrer Sicht noch abschalten?

Was meine Kollegen und mich zunehmend nervt, sind die vielen Satelliten, die derzeit in den Weltraum geschickt werden, um auch noch in der letzten Wüste Internet bereitzustellen. Sie ziehen sich wie eine Perlenschnur über den Himmel und leuchten immer. Dadurch wird unsere Sicht beeinträchtigt. Die ISS (Anm. d. Redaktion: derzeit einzig ständig bemannte Raumstation) kann man übrigens auch gut sehen, als einen Punkt.

Verbringen Sie in Corona-Zeiten mehr Zeit mit Ihrer privaten Sternwarte?

Ich arbeite jetzt schon mehr von Zuhause aus, aber meine Kinder sind jetzt auch mehr Zuhause (lacht).

Wenn Sie zwischendrin doch mal durch Ihr Teleskop luren können: Was beobachten Sie da gerade so?

Die Sonne ist gerade langweilig, weil man keine Sonnenflecken sieht. Das sind kältere und dunklere Bereiche, die gute Kontraste bilden und sonst schöne Fotos zulassen. Die Sonne hat hier einen Elf-Jahres-Zyklus. Das heißt, alle elf Jahre treten die Sonnenflecken verstärkt auf.

Auf welches Himmelsphänomen dürfen wir uns demnächst freuen?

Prinzipiell kann man im Sommer die Milchstraße schöner beobachten, weil sie zu der Zeit höher aufsteigt.

Und die vielen Sternschnuppen im August?

Das ist eher was für Liegestuhlastronomen. Für uns Astronomen mit Teleskop, die immer nach dem besten Foto heischen, ist das nicht so prickelnd. Da sieht man am Ende meist nur Striche im Bild.

Was war denn Ihr bester Schnappschuss in letzter Zeit?

Den Orionnebel finde ich sehr schön, den kann man auch mit bloßem Auge sehen. Aber das ist ein klassisches Wintersternbild.

Ihr nächstes Projekt?

Ich baue mit Freunden eine zweite Sternwarte auf La Palma. Das ist dafür einer der besten Orte der Welt, weil es dort quasi per Gesetz dunkel ist.

Was sagen eigentlich die Sterne zur Corona-Krise? Wie lange müssen wir noch durchhalten?

Ich bin ja kein Astrologe (lacht). Eine kleine Anekdote: Ich mache mit meiner Familie gerade Urlaub an der Ostsee. Und am Strand von Travemünde haben wir heute ein Containerschiff mit der Aufschrift „Corona Sea“ gesehen. Nein, aber Spaß beiseite. Das Coronavirus ist gefährlich, wir sollten alle aufpassen und hoffen, dass es sich bald verzieht. Sterne hin oder her.

Entwickelt man angesichts der unendlichen Weite des Universums eine gewisse Gelassenheit gegenüber unseren Problemen auf der Erde?

Das ist ja eine philosophische Frage. Sagen wir mal so: Wenn ich an meinem PC sitze, mit dem ich meine Sternwarte steuern kann, und der tut, was ich sage, bin ich entspannt. Mache ich das draußen auf meiner Terrasse, fühle ich mich sicher vor Corona.

Das Gespräch führte

Marlene Kadach

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