Unsere Kolumne zum Wochenende

Höchste Zeit für ein Wiesn-Geständnis

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Wenn unser Redakteur Kollegen oder Bekannten erzählt, dass er als Münchner gerne auf die Wiesn geht, erntet er nicht selten  Unverständnis. Warum eigentlich?

Es gibt Kollegen, die sind nur äußerst schwer aus der Fassung zu bringen. Bei einem habe ich es unlängst trotzdem geschafft. Mit einer – aus meiner Sicht – lapidaren Ankündigung: Am Wochenende gehe ich auf die Wiesn.

Über den Schreibtisch schallte es zurück: „Wos Du gehst auf d’Wiesn?! Als Münchner?!“

Diese ungläubige Frage hat mich zum Nachdenken gebracht. Und es ist offenbar höchste Zeit für ein Geständnis: Ja, ich gehe auf die Wiesn. Als Münchner. Und das sogar ausgesprochen gerne.

Freut sich auf die Wiesn: Florian Prommer.

Woher der Faible kommt; keine Ahnung. Aber jedes Jahr, so gegen Ende August, steigt die Vorfreude, in etwa so zuverlässig wie die Bierpreise. An der Theresienwiese wachsen die Zelte in die Höhe. Vor einem wartet ein überdimensionaler Löwe auf seinen ersten lautstarken Einsatz der Saison, während daneben das Riesenrad über allem thront. In der ganzen Stadt ist ein Knistern zu spüren, das sich steigert, je näher der Moment rückt, in dem OB Reiter mit dem Schlegel bewaffnet dem Fass zu Leibe rückt. Der erste Wiens-Samstag, ein Pflichttermin im Freundeskreis.

Nicht falsch verstehen: Auf der Wiesn ist nicht alles Gold, was so bunt glitzert und blinkt. Das Oktoberfest hat zweifelsohne seine Schattenseiten. Irrwitzige Preise für eine Maß, Reservierungs-Wahnsinn Touristen-Flut, Bierleichen. Eine Stadt im feucht-fröhlichen Ausnahmezustand.

Und doch erwischt mich das Wiesn-Fieber (manchmal auch die gefürchtete Wiesn-Grippe). Die Atmosphäre lockt schließlich nicht von ungefähr Menschen aus aller Welt nach München. Warum sollte ich mich also als Münchner dem Ganzen aus Prinzip verweigern? Rechtfertigen muss ich mich dennoch immer wieder. Genauso, wie wenn ich mich außerhalb des Freistaats als Fan des FC Bayern oute.

Vielleicht bin ich tief im Inneren schlicht auch einfach doch immer noch der kleine Bub, der mit seinen Eltern zwischen den Standl und Fahrgeschäften entlang spaziert. Genießen kann ich das Treiben noch immer, auch wenn sich der Schwerpunkt ins Bierzelt verlagert hat. Und wer nicht gerade zum Reservierungswechsel aufschlägt, kommt auch rein. Auch hier gilt: Mich zwingt niemand dazu unverantwortlich viel Geld für Bier auszugeben, um mich ins Delirium zu saufen. Ein, zwei gemütliche Maßen, ein Hendl. Ein schöner Abend.

Den entsetzten, ja vielleicht sogar enttäuschten Blick des Kollegen vergesse ich so schnell nicht. Ich werde an seine Worte denken – wenn ich an diesem Samstag genüsslich an meiner Maß nippe.

Rubriklistenbild: © dpa / Matthias Balk

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