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Holzkirchnerin feiert 101. Geburtstag: Rückblick auf 90 glückliche Jahre in der Marktgemeinde

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Von: Jonas Napiletzki

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Daheim am glücklichsten: Wilhelmine Schönherr in ihrem Garten in Holzkirchen.
Daheim am glücklichsten: Wilhelmine Schönherr in ihrem Garten in Holzkirchen. © Thomas Plettenberg

Sie hat den Krieg überlebt, Geldrucksäcke geschleppt und betet für die heutige Jugend: Die Holzkirchnerin Wilhelmine Schönherr wird am Sonntag 101 Jahre alt.

Holzkirchen – Wilhelmine Schönherr könnte als gutes Beispiel für glückliches Altern gesehen werden. Nur: Das Alter sieht man der Holzkirchnerin, die am Sonntag ihren 101. Geburtstag feiert, gar nicht an. Ein Besuch bei der Rentnerin, die viel erlebt und doch die Zukunft nie aus den Augen verloren hat.

Wer die 101-Jährige – geboren mit dem Namen Finkenzeller – in ihrem Garten antrifft, sollte sich nicht wundern. „Ich bin am glücklichsten daheim“, verrät Schönherr. Dabei huscht ihr ein Lächeln übers Gesicht. „Daheim“, das ist Holzkirchen für Schönherr seit fast 90 Jahren. Und mit „Daheim“ verknüpft sie Erinnerungen, die fast durchweg positiv sind.

Holzkirchen: Ortsverbundenheit durch Oberbräu und Ehe - „Ich hatte eine schöne Kindheit“

Nachdem ihr Vater – seinerzeit Obermeister der Bäckerinnung – mit der Familie berufsbedingt von Hausham nach Holzkirchen gezogen war, heiratete Schönherr – und fing eine Lehre als Rechtsanwaltsgehilfin im Büro des ansässigen Oberbräus an. Im Brauhaus blieb sie bis zur Rente. Verheiratet war Schönherr bis zum Tod ihres Mannes 1992. Beides Entscheidungen, von denen Schönherr bis heute profitiert. Denn: Die lange Ortsverbundenheit beschert der Rentnerin eine in Holzkirchen verwurzelte Familie.

Tochter Irmgard Kühnel lebt mit ihrem Mann im selben Haus. Die Tochter der Kühnels, Schönherrs Enkelin Barbara Meder, wohnt mit ihrem Mann und vier Kindern im Haus gegenüber. Die 101-Jährige sagt – wieder mit breitem Lächeln: „Meine Kinder, Enkel und Urenkel sind meine größte Freude.“ Der Weg zu ihrem ruhigen Rentnerleben war nicht immer leicht. Vor dem Krieg trug sie Rucksäcke mit Geld zur Bank – der Inflation zum Opfer gefallene Scheine. „Das war eine schlechte Zeit.“

Während dem Krieg sah sie Munitionszüge am Bahnhof. Bomben gingen über Holzkirchen nieder. „Mal vorne und mal hinten.“ Aber nie in der Mitte – Schönherr überlebte. Nach dem Krieg begann sie von dieser Zeit zu erzählen. „Meine Urenkel finden das heute sehr spannend.“ Dabei vergisst die 101-Jährige aber nicht, zu erwähnen: „Ich hatte eine schöne Kindheit.“ In Hausham hat sie Theater gespielt, auf der Alm im Wasser geplanscht. Aus der Zeit von damals – auch in Holzkirchen – vermisst Schönherr am meisten die freien Flächen. „Vor 80 Jahren stand unser Haus auf grüner Wiese.“ Schönherr fehlen die Kühe, das Glockengeläut und das Bergpanorama.

101-Jährige Holzkirchnerin: „Schon in der Schule habe ich das Turnen dick gehabt“

Weitblick hat die 101-Jährige indes auch heute noch – auf das aktuelle Zeitgeschehen. Als treue Leserin des Holzkirchner Merkur kritisiert sie lange Viehtransporte, Flächenversiegelung und beäugt kritisch die politische Entwicklung. „Ich bete jeden Tag, dass die heutige Jugend vom Krieg verschont bleibt.“ Und eine ebenso schöne Zeit in Holzkirchen haben kann. Bis zur Corona-Pandemie nahm Schönherr an Rentnertreffs im Oberbräu teil, unternahm Busreisen und fuhr mit dem Auto nach Italien.

Ihr Geheimnis fürs Älterwerden? „Sicher die Familie.“ Auch zwei Wellensittiche hat die 101-Jährige, die sie täglich begrüßen. „Ich habe nie Sport gemacht – schon in der Schule habe ich das Turnen dick gehabt“, sagt Schönherr und lacht. Krank war sie trotzdem selten. Ärzte habe sie wo immer möglich gemieden – außer bei einer schweren Operation. „Da war’s wohl der richtige Arzt“, meint Schönherr. Und: „Ab und an mal ein Glas Rotwein, vielleicht liegt’s auch daran.“

Anstoßen wird sie damit auch am Sonntag: „Mit der Familie beim Essen – auf das nächste Lebensjahr.“ Auch den nächsten Geburtstag wieder feiern zu dürfen – das ist Schönherrs größter Wunsch.

Sixtus Lampl feierte kürzlich einen Runden: Der gebürtige Schlierseer wurde 80 Jahre alt.

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