Asylbewerber-Protest in Holzkirchen - Fotos
1 von 10
15 Asylbewerber ziehen am Mittwoch durch Holzkirchen. Sie wollen nicht länger in den Container leben, in denen sie derzeit untergebracht sind.
Asylbewerber-Protest in Holzkirchen - Fotos
2 von 10
15 Asylbewerber ziehen am Mittwoch durch Holzkirchen. Sie wollen nicht länger in den Container leben, in denen sie derzeit untergebracht sind.
Asylbewerber-Protest in Holzkirchen - Fotos
3 von 10
15 Asylbewerber ziehen am Mittwoch durch Holzkirchen. Sie wollen nicht länger in den Container leben, in denen sie derzeit untergebracht sind.
Asylbewerber-Protest in Holzkirchen - Fotos
4 von 10
15 Asylbewerber ziehen am Mittwoch durch Holzkirchen. Sie wollen nicht länger in den Container leben, in denen sie derzeit untergebracht sind.
Asylbewerber-Protest in Holzkirchen - Fotos
5 von 10
15 Asylbewerber ziehen am Mittwoch durch Holzkirchen. Sie wollen nicht länger in den Container leben, in denen sie derzeit untergebracht sind.
Asylbewerber-Protest in Holzkirchen - Fotos
6 von 10
15 Asylbewerber ziehen am Mittwoch durch Holzkirchen. Sie wollen nicht länger in den Container leben, in denen sie derzeit untergebracht sind.
Asylbewerber-Protest in Holzkirchen - Fotos
7 von 10
15 Asylbewerber ziehen am Mittwoch durch Holzkirchen. Sie wollen nicht länger in den Container leben, in denen sie derzeit untergebracht sind.
Asylbewerber-Protest in Holzkirchen - Fotos
8 von 10
15 Asylbewerber ziehen am Mittwoch durch Holzkirchen. Sie wollen nicht länger in den Container leben, in denen sie derzeit untergebracht sind.

Ultimatum abgelaufen

Protest-Camp: Asylbewerber sind umgezogen

  • schließen
  • Marlene Kadach
    Marlene Kadach
    schließen

Holzkirchen - Zum dritten Mal haben Asylbewerber die Nacht im Freien verbracht. Zunächst duldeten die Behörden die Protestaktion. Doch jetzt haben sie ein Ultimatum gestellt.

Aktualisierung, 31. Juli, 19.20 Uhr: 

Der Umzug am Freitag in der Früh verlief friedlich. Unter Beobachtung der Polizei räumten die mittlerweile 25 Eritreer ihr Lager am Marktplatz. Ihr neues Camp entstand wenige Meter weiter im Herdergarten, wo die Gemeinde extra einen Platz zwischen Rathaus und JUZ ausgewiesen hat. 

Die Gemeinde duldet die Protestaktion bisher, hatte aber auf dem Umzug bestanden, um die Vorbereitungen des Marktplatzfestes nicht zu behindern. Zur Gruppe gehören vier Frauen und zwei Babys. Mit Regenschirmen schützen sie sich vor der Sonne, in der Nacht wärmen nur Decken und Jacken. Eine kleine Rasenfläche vor dem JUZ gab die Gruppe gestern wieder frei, als Jugendliche dort grillen wollten. 

Die Flüchtlinge sind friedlich, aber entschlossen. Der Holzkirchnerin Doris Weigel, die gestern immer wieder vorbeischaute und sie zur Rückkehr in die Container bewegen wollte, nannten sie ihr Ziel: „Sie wollen eine schriftliche Erklärung von Landrat oder Bürgermeister, wann genau sie in eine Wohnung einziehen können.“ 

Einer der Demonstranten ist Filmon Kahsay. Er ist 19 Jahre alt, hat schon bei einem Schreiner gearbeitet. „Seit September wohnen wir in den Containern, wir wünschen uns endlich eine Lösung.“ Beim Einzug sei ihnen versprochen worden, dass sie ein halbes Jahr bleiben müssen, dann gebe es eine Wohnung. Es sei eng und heiß in den Containern, die Luft schlecht. „Um zu lernen, ist es zu laut.“ Als sie mitbekommen haben, dass eventuell das alte Polizeigebäude in der Frühlingsstraße für Asylbewerber in Frage kommt, sahen sie die Zeit gekommen, ein Zeichen zu setzen. 

Sie würden es als ungerecht empfinden, wenn dort andere Flüchtlinge einziehen. „Wir gehen gern in eine andere Stadt, aber nicht mehr in Container“, sagt Filmon. Bürgermeister Olaf von Löwis ärgert sich über die Aktion der Eritreer – und das doppelt. „Das Schlimmste ist: Sie merken nicht, dass sie sich selber schaden.“ Man habe der Gruppe erklärt, dass es derzeit keine Wohnungen gebe, dass es viele Flüchtlinge noch schlechter haben. „Man muss nur mal nach Föching in die Turnhalle schauen.“

Sogar ein Mitglied des bayerischen Flüchtlingsrats kam nach Holzkirchen, um zu vermitteln – vergeblich. Und eine zweite Sorge macht dem Bürgermeister zu schaffen. „Ich mache mir Sorgen um den Frieden in unserem Ort.“ Bisher sei das Verständnis groß gewesen, „doch solche Aktionen erzeugen Unmut in der Bevölkerung“. 

Das Klagen über Hitze in den Containern könne er etwa nicht verstehen. „Bei mir im Büro hatte es zuletzt auch 33 Grad.“ Auch unter dem Eindruck der Probleme mit dem Helferkreis (siehe Kasten) halte er es an der Zeit, „den Asylbewerbern zu sagen, wo es klare Grenzen gibt“. Es gelte jetzt, kühlen Kopf zu bewahren, sagt Franz Lutje, einer der Integrationsbeauftragten der Gemeinde. „Ich habe den Eindruck, alle Beteiligten sind mit der Situation überfordert.“ 

Das frustrierende Warten schüre bei Flüchtlingen das Misstrauen in deutsche Behörden, zumal bei Afrikanern. „Syrer bekommen schneller ihre Anerkennung, das verstehen sie nicht.“ Kommunen und ehrenamtliche Helfer seien den Problemen in den Unterkünften kaum gewachsen. „Wir brauchen Profis, ausgebildete Mediatoren – die Behörden müssen schneller reagieren als bisher.“ Um die Gemeinden zu entlasten, schlägt er vor, nur noch die Flüchtlinge zu verteilen, deren Chance auf ein Bleiberecht groß ist. 

In Holzkirchen ist davon auszugehen, dass heute auf dem Marktplatz gefeiert wird, während wenige Meter weiter zwei Dutzend Afrikaner ihr Protestcamp betreiben. Dass es Konflikte geben könnte mit Festbesuchern, ficht die Flüchtlinge offenbar nicht an. „Wir haben sie gewarnt“, sagt Doris Weigel, „sie sagen dazu aber nur, dass alles in Gottes Hand liegt.“ Rechtlich zuständig für das „Camp“ ist das Landratsamt. „Wir stufen das als Demonstration ein“, sagt Thomas Eichacker, Jurist in der Kreisbehörde. Es sei nicht ohne weiteres möglich, die Gruppe von einem öffentlichen Platz zu verbannen.

Ursprünglicher Artikel, 31. Juli, 9.30 Uhr: 

Wie die Polizei Holzkirchen mitteilt, sprechen Polizei und Landratsamt derzeit noch mit den protestierenden Asylbewerbern. Sie sollen dazu bewegt werden, den Marktplatz zu verlassen. Das Ultimatum ist seit einer halben Stunde abgelaufen.

Donnerstagmorgen, 9 Uhr, in Holzkirchen: An der Rathausmauer mit Blick auf den Herdergarten und am Marktplatz neben dem Maibaum haben sie ihr Lager aufgeschlagen. Langsam schälen sich die Letzten aus ihren Decken, etwa zehn junge Männer sitzen auf einer Mauer daneben und warten. So wie Tesfaldel (25) aus Eritrea. „Wir haben heute hier übernachtet“, erklärt er in gebrochenem Englisch. „Und wir wollen bleiben, bis eine Lösung gefunden ist.“ Sein Landsmann Hermon (23) nickt entschlossen. Passanten schauen verwundert.

Wie berichtet, ziehen seit Mittwoch circa 15 Asylbewerber mit Matratzen und Decken durch Holzkirchen. Bereits in der Nacht zu Mittwoch hatten sie im Freien übernachtet, auf der Wiese neben der Containerunterkunft an der Erich-Kästner-Straße. Dort seien die Bedingungen schlecht. Sie wollen endlich in einem richtigen Haus wohnen. Und als sie gehört hatten, dass die alte Polizeidienststelle nach dem Umzug der Polizei frei wurde und für Flüchtlinge gedacht ist, wollten sie die Ersten sein.

Zunächst hatten Landratsamt, Gemeinde und Polizei die Protestaktion geduldet. Sie sei friedlich, keinerlei Straftaten lägen bislang vor, hieß es. Doch im Laufe des gestrigen Donnerstags hat sich das Blatt gewendet. Landrat Wolfgang Rzehak, Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis und Polizeidienststellen-Leiter Josef Lang haben sich ein Bild vor Ort gemacht und mit den Asylbewerbern gesprochen. Das Ergebnis: Das Camp soll bis zum heutigen Freitag, 9 Uhr, geräumt werden. Ansonsten muss das die Polizei tun.

Hauptgrund ist, dass am Freitag genau an der Stelle der Aufbau für das Marktplatzfest am Samstag beginnt, das der Burschenverein Holzkirchen-Erlkam organisiert. Die Versammlung wird aber nicht aufgelöst, sondern nur an andere Stelle verlegt. Laut Lang sollen die Protestler wahrscheinlich auf den Platz östlich des Jugendzentrums umziehen, also nicht weit vom jetzigen Standort entfernt. Die Asylbewerber bekommen das auch per Bescheid mitgeteilt.

„Wir lassen uns nicht erpressen“, erklärt Rzehak. Zudem stünden momentan keine anderen Räumlichkeiten zur Verfügung. „Wir haben nichts anderes als die Container.“ Und diese seien immerhin auf „Studentenwohnheim-Niveau“, also vertretbar. Die Aktion brächte ihnen keinen Vorteil. Davon abgesehen bestünde durch das Campieren die Gefahr, dass die Stimmung in der Bevölkerung umschlage. „Von Sympathie ins Gegenteil.“

Löwis ergänzt: „Es ist ja auch in ihrem eigenen Sinne.“ Schließlich befänden sich Frauen und Kinder unter den Asylbewerbern, die auf diese Weise im Freien bei Nässe und Kälte übernachten. Auch er befürchtet, dass die Bevölkerung bald kein Verständnis mehr für die Aktion aufbringen werde, dass Unruhe entsteht. Wie berichtet, ist die Situation nach einer versuchten Vergewaltigung am Holzkirchner Bahnhof ohnehin angespannt. Drei Asylbewerber, die unter Verdacht stehen, sitzen in Untersuchungshaft. Die protestierenden Asylbewerber haben die Ansage der Behörden laut Löwis recht unterschiedlich aufgenommen. Zunächst habe es Verständigungsprobleme gegeben. „Ich hoffe, dass es jetzt angekommen ist.“

Thomas Eichacker aus dem Landratsamt erklärt, warum das Camp nun verlagert wird. Zwar hätten die Asylbewerber natürlich ein Recht auf Meinungsfreiheit und Demonstration. Jedoch stünden ihre Interessen denen der Burschen gegenüber. Und letztere hätten ihre Veranstaltung eben schon lange zuvor angemeldet. Angesichts der aufgeheizten Situation habe man Sicherheitsbedenken, wenn Fest und Protestcamp räumlich zu nah aufeinander säßen. Allerdings: „Sobald das Fest vorbei ist, dürfen sie wieder zurück.“ Insofern hält Eichacker es für vertretbar, „wenn sie vorübergehend das Camp verlagern“.

Bernadette Meier (30) aus Kleinhartpenning sitzt mit ihrem einjährigen Sohn Michael auf einer Bank und beobachtet das Geschehen. Zwar stört sie das Camp nicht. „Aber ein bisschen unverschämt finde ich ihre Forderungen schon.“ Sie habe die Wohncontainer selbst mal von Innen gesehen. Gut, es sei dort zwar etwas beengt, aber okay.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Fotostrecken

Warngau
Ein Tag für waschechte Wallfahrer
Lästige Windböen, nerviger Dauerregen: Die Leonhardifahrt in Warngau gestern war eine Angelegenheit nur für waschechte Wallfahrer. Etwa 50 Gespanne und viele …
Ein Tag für waschechte Wallfahrer
Weyarn
Garagenbrand: Hausbesitzer rettet sein Anwesen mit Dampfstrahler
Ein großes Feuerwehr-Aufgebot rückte am Montagabend nach Weyarn aus. In einer Doppelgarage war ein Feuer ausgebrochen. Der Eigentümer machte schon vorher alles richtig - …
Garagenbrand: Hausbesitzer rettet sein Anwesen mit Dampfstrahler
Valley atmet auf: 120-Kilo-Bombe erfolgreich entschärft 
Im Medizinpark in Oberlaindern wurde am Freitagvormittag eine Fliegerbombe in der Erde gefunden. Der Zugverkehr wurde eingestellt, die Staatsstraße gesperrt. Am …
Valley atmet auf: 120-Kilo-Bombe erfolgreich entschärft 
HK
Lkw-Tank beim Parken aufgerissen: 1000 Liter Diesel laufen auf Raststätte aus
Eigentlich wollte der Fahrer mit seinem Sattelzug nur einparken. Doch dabei riss der Tank des Lkw auf - mit verheerenden Folgen.
Lkw-Tank beim Parken aufgerissen: 1000 Liter Diesel laufen auf Raststätte aus

Kommentare